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Formel-1-Comeback von Button : „Das wird ein Spaß. Danke Fernando“

  • -Aktualisiert am

Was kann ein Rennfahrer-Rentner nach sechs Monaten Pause leisten? Jenson Button. Bild: Reuters

Jenson Button vertritt in Monaco Fernando Alonso. Das freut den Rennfahrer-Rentner nach sechs Monaten Pause. Doch Alonsos Teilzeit-Ausstieg zeigt auch ein Problem der Formel 1.

          Der Ausstieg hat ihm nicht geschadet. Jenson Button ist gertenschlank geblieben. Leichtfüßig läuft er am Hafenbecken von Monte Carlo entlang, bleibt kurz stehen und blickt für einen Moment auf die sündhaft teuren Yachten. Als suche er schon nach einem geeigneten Deck für eine der beliebten Partys, während an Land, einen Steinwurf entfernt, die Formel 1 mit Gebrüll um die Wette an der Kaimauer entlangsaust. „Es ist schön, zurück zu sein“, sagt Button später im Fahrerlager der Formel 1 und lässt dann doch keinen Zweifel aufkommen, was ihm an seinem Comeback nach dem Rückzug aus dem McLaren-Cockpit mit Ende der vergangenen Saison gefällt: „Statt Champagner zu trinken mit Gästen des Teams, sitze ich im Auto. Das wird ein Spaß. Danke Fernando.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der lässige Gruß an seinen Gönner hat einen ernsten Hintergrund. Fernando Alonso, Chefpilot von McLaren-Honda, verzichtet an diesem Wochenende auf den nominellen Höhepunkt der Formel-1-Saison (Start am Sonntag um 14.00 Uhr / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET). Der Spanier startet beim berühmten 500-Meilen-Rennen von Indianapolis. Er hat schlicht keine Lust, sich mit der Antriebsschwäche seines Formel-1-Boliden durch die Gassen des Fürstentums zu quälen.

          Also stimmten McLaren und Honda dem gefährlichen Ausflug des Asturiers (in einen Boliden mit Honda-Motor) zu. Der zweimalige Weltmeister soll bei Laune gehalten werden. Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus. Zu diesem Jobsharing ließ sich das neue Formel-1-Management bislang nicht zitieren. Aber der Teilzeit-Ausstieg kann den neuen Besitzern der Vermarktungsrechte, Liberty Media, kaum recht sein: Ein ambitionierter Freizeit-Triathlet Button muss einen der besten Piloten zum Formel-1-Fest des Jahres ersetzen?

          Just im Moment der generellen Beschleunigung, eines wachsenden Interesses dank des spannenden Duells zwischen Ferrari-Pilot Sebastian Vettel und Lewis Hamilton im Mercedes, präsentiert die Formel 1 einen Betriebsunfall: Alonso sucht die größere Herausforderung in Übersee, im lauten, schnellen, gefährlichen Indy-Kreisel. Weil der komplizierte Hybridantrieb selbst den Honda-Konzern überfordert. „Das zeigt doch“, sagte der Sportdirektor des Red-Bull-Teams, Helmut Marko, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „wie dringend notwendig eine Veränderung der Motorenformel ist.“ Hin zu einer bezahlbaren, starken wie simpleren, überall funktionierenden Technik. Das wird frühestens 2021 der Fall sein.

          In der Qualifikation lief es gar nicht schlecht für Button. Bilderstrecke

          2017 setzt McLaren auf den besten verfügbaren Ersatzmann. Button tritt am Sonntag zum 306. Mal in der Formel 1 an. Er ist der Weltmeister von 2009, Monaco-Sieger des gleichen Jahres. „Ich habe 17 Jahre hier gewohnt, ich kenne jeden Meter“, sagt er: „Ich bin fit.“ Er sitzt kerzengrade. Seine hervorspringenden Adern an den Unterarmen zeugen von einem ausgeprägten Ausdauertraining. Button will in seiner Altersklasse (35 bis 39) an den Weltmeisterschaften auf der halben Ironman-Distanz teilnehmen. Sein großes Herz schlägt zwar noch immer für die Formel 1: „Es gibt ja nichts Besseres als Monaco.“

          Aber die Nackenmuskulatur als Schutz vor den Fliehkräften in den Kurven und beim Bremsen ist schmal geworden. Eine Testfahrt in Bahrein zur Vorbereitung auf Monaco hatte der McLaren-Botschafter abgelehnt: „Das ist eine ganz andere Strecke“, erzählt der Brite in Monaco und lächelt, „das hätte keinen Sinn gemacht.“ Aus dem Stand in einem neuen, breiteren, schnelleren Boliden in Monaco bestehen, wo jede winzige Unsicherheit am Lenkrad die Rundenzeit verlängert? Wo jeder kleine Fehler mit einer rabiaten Kaltverformung in den Leitplanken bestraft wird?

          „Es wird eine Herausforderung“, sagt Button. Und ein interessanter Test: Was kann ein „Rennfahrer-Rentner“ nach sechs Monaten Pause leisten? Wie gut ist das hochgeschätzte Talent Stoffel Vandoorne, längst vertraut mit den Zicken des Chassis und den Schwächen des Antriebs? Button wurde seinem Ansehen am Donnerstag gerecht. Im ersten Training blieb er nur 0,14 Sekunden hinter der Bestzeit seines Teamkollegen, im zweiten Durchgang als Zwölfter nicht mal vier Hundertstelsekunden. Obwohl die Formel 1 schon am Nachmittag mit Vettel an der Spitze die Pole-Zeit (!) von 2016 (Ricciardo im Red Bull) um fast eine Sekunde unterbot. Chapeau. Auch im Qualifying am Samstag kam Button gut über die Runden. Die Leistung reichte für Startplatz neun. Wegen eines Antriebswechsels wird Button aber um 15 Plätze nach hinten versetzt und geht als Letzter ins Rennen.

          Dennoch wird die Formel 1 mit Button kaum punkten bei ihrem Kampf um die Rückeroberung ungeteilter Aufmerksamkeit. Diese Aufgabe muss Alonso in Indianapolis übernehmen. Wenn er vom erstaunlich guten fünften Startplatz in der zweiten Reihe heraus beweist, dass Formel-1-Piloten im Vorübergehen bei der Superbowl des Motorsports ganz vorn mitfahren können. Buttons Aussichten auf einen Coup aus eigener Kraft sind wesentlich geringer, nicht nur wegen der wesentlich stärkeren Boliden von Ferrari, Mercedes und Red Bull weit vor ihm. Bei seinem jüngsten Wettkampf hatte der Engländer Probleme sowohl mit dem Speed als auch mit der Technik. Erst blieb wegen eines Stromausfalls ein Gang der elektrisch gesteuerten Schaltung hängen, und dann fuhr er in einer Tempo-40-Zone zu schnell – beim Triathlon in Kalifornien. Button wurde disqualifiziert.

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