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Interview : "Uns hätten sie dafür gekreuzigt"

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Keine Saison nach Jean Todts Geschmack Bild: dpa

Ferrari-Rennleiter Jean Todt über den Reifenstreit in der Formel 1 und Michael Schumachers Chance auf den Weltmeistertitel

          4 Min.

          Bei Ferrari ist Sand im Getriebe. Von den letzten sieben Rennen haben die Seriensieger der vergangenen Jahre nur zwei gewonnen. Vor dem Heimspiel in Monza am kommenden Wochenende sind die Nerven angespannt. Ferrari unterstellt der Konkurrenz vom McLaren-Mercedes und BMW-Williams, daß sie mit illegalen Reifen angetreten ist. Rennleiter Jean Todt bezieht Stellung zum Vorwurf, Ferrari sei ein schlechter Verlierer.

          Warum hat Ferrari in dieser Saison so große Probleme mit dem Gewinnen?

          Die Historie der Formel 1 zeigt, daß alles in Zyklen passiert. Ewigen Erfolg gibt es nicht. Im letzten Jahr hatten wir bei jedem Rennen ein siegfähiges Paket. Die Erfolgsserie wurde für den Sport zum Problem. Deshalb hat der Weltverband für dieses Jahr einige Regeln neu ausgelegt. Es sieht so aus, als hätten wir nicht das Beste daraus gemacht, zumindest zu Beginn dieser Saison.

          Zum Beispiel?

          Wir waren es gewohnt, aus der ersten Reihe zu starten und das Rennen aus dieser Position zu bestimmen. Das ist wegen des geänderten Qualifikationsmodus nicht mehr möglich. Das Einzelzeitfahren führte zu vielen überraschenden Startaufstellungen. In Malaysia kollidierte Michael im Startgetümmel mit Trulli. Das wäre vermutlich nicht passiert, wären wir bei dem Rennen aus der ersten Reihe gestartet. Wir haben sicher bei einigen Rennen den Fehler gemacht, mit zuviel Benzin an Bord taktiert zu haben, was uns schlechtere Startplätze einbrachte.

          Die Saison ist vom Grand Prix in Monte Carlo an gekippt. Warum waren Ferraris Gegner plötzlich stärker?

          Wir konnten bei hohen Temperaturen nicht das Optimum aus unseren Reifen herausholen. Unglücklicherweise für uns war es ein heißer Sommer. Wir hatten in der Qualifikation Probleme, gleich in der ersten Runde schnell zu sein. Das war schon im letzten Jahr so, aber da gab es noch einen zweiten, dritten und vierten Versuch. Das soll keine Ausrede, sondern eine Erklärung sein. Das Wetter und die Regeln sind für alle gleich.

          Welche Rolle spielen die Reifen?

          Es ist falsch, alles auf die Reifen zu schieben. Man muß immer das Gesamtbild sehen. Wir fahren seit 1999 mit Bridgestone-Reifen. Seither haben wir 45 Grands Prix, vier Konstrukteurs-Titel und drei Fahrer-Weltmeisterschaften gewonnen. Das ist eine einzigartige Bilanz. Natürlich sind wir mit den Ergebnissen der letzten Rennen nicht zufrieden. Aber das Urteil über einen Partner sollte nicht von einer Kurzzeitbetrachtung abhängen. Bridgestone arbeitet mit sehr hohem Einsatz. Es läßt sich aber nie ausschließen, daß der Wettbewerber mal besser ist. Wir sollten aber auf dem Teppich bleiben. Nach 13 Rennen führt Schumacher die Weltmeisterschaft immer noch an. So schlecht können wir also nicht gewesen sein.

          Der Trend der letzten Rennen spricht aber gegen Ferrari.

          Wir mußten feststellen, daß unsere Wettbewerber mit Reifen fuhren, die nicht dem Reglement entsprechen. Das war sicher ein Nachteil für uns. Zum Glück, aber leider doch sehr spät haben wir das erkannt.

          Die Konkurrenz bezeichnet Ferrari als schlechten Verlierer.

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