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Debüt von Max Verstappen : „Volljährigkeit ist in der Formel 1 nicht notwendig“

Bald geht es los für Max Verstappen: Mit 17 Jahren startet er in der Formel 1 Bild: Imago

Franz Tost lässt einen 17 Jahre alten Piloten ans Steuer eines 800-PS-Boliden. Im FAZ.NET-Interview spricht der Toro-Rosso-Teamchef über Max Verstappen, Mental-Tests und die besondere Freiheit in seinem Formel-1-Team.

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          Franz Tost lässt einen 17-Jährigen ans Steuer eines 800-PS-Boliden. Toro Rossos Teamchef sagt über Max Verstappen, den jüngsten Fahrer in 65 Jahren Formel 1: „Er bewegt sich auf einem völlig anderen Level.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der 17 Jahre alte Max Verstappen, der nur in Begleitung eines Erwachsenen Führerscheinbesitzers auf öffentlichen Straßen ein Auto steuern darf, fährt Ihren Formel-1-Rennwagen beim Saisonstart in Melbourne am Sonntag (6.00 Uhr MEZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) . Wie ist das zu erklären?

          Das kann man mit seinem außerordentlichen Talent, seinem natürlichen Speed und mit den Regeln im Motorsport erklären. Die Zeiten haben sich geändert, 15-Jährige dürfen Formel-Autos fahren. Früher musste man 18 Jahre alt sein, einen Führerschein haben, um eine Lizenz für die Rennteilnahme zu beantragen. Jetzt dürfen auch Minderjährige eine Lizenz beantragen.

          Sind die Fahrer heute frühreifer?

          Ich nenne die heutige Generation die vierte Kartgeneration. Alain Prost (viermaliger Weltmeister/d. Red.) gehörte zur ersten, da fuhr man ein bisschen Kart. Die zweite, zu der ich Ayrton Senna (zweimal Weltmeister) und Michael Schumacher (Rekord-Weltmeister) zähle, ist schon Rennen im Sommer wie im Winter gefahren. Die dritte, zu der Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Nico Rosberg gehören, haben noch mehr Rennen bestritten. Die Fahrer der vierten Generation besitzen zwei Karts, leben quasi nur noch auf der Kartbahn und kommen mit einem ganz anderen Ausbildungsniveau zum Formel-Rennsport. Sie bewegen sich auf einem völlig anderen Level. Es ist nicht entscheidend, wie alt ein Fahrer ist, sondern wie viele Jahre er in seiner Kindheit und Jugend auf der Kartstrecke verbracht hat, wie viele Rennen er absolvierte und wie er sich in dieser Zeit entwickelte. Entscheidend ist der Gradient seiner Lernkurve.

          Wie steil ist die Lernkurve von Verstappen?

          Extrem steil. Sonst wäre es ihm nicht möglich gewesen, nach seinem Einstieg in die Formel-3-Europameisterschaft zehn Rennen zu gewinnen und Dritter in der Gesamtwertung zu werden. Denn im vergangenen Jahr haben extrem starke Fahrer an dieser Meisterschaft teilgenommen. Diese Vorstellung hat uns bei Red Bull und Toro Rosso überzeugt, ihn direkt aus der Formel 3 in die Formel 1 zu holen. Ich bin überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war.

          „Fangio, Lauda, Piquet hätten heute auch Erfolg“: Toro-Rosso-Temamchef Franz Tost
          „Fangio, Lauda, Piquet hätten heute auch Erfolg“: Toro-Rosso-Temamchef Franz Tost : Bild: Imago

          Die FIA rudert zurück. Vom nächsten Jahr an müssen Fahrer wieder 18 Jahre alt sein, wenn Sie in der Formel 1 starten wollen. Ein Rückschritt?

          Es ist nicht direkt ein Rückschritt. Der Aufschrei in der Öffentlichkeit hat wohl dazu beigetragen, dass in Zukunft die Volljährigkeit wieder erreicht sein muss. Es ist aber nicht notwendig. Die Zulassung zur Formel 1 sollte vom Talent und von den Fähigkeiten des Piloten abhängen.

          Wie weit werden Verstappen und der 20 Jahre alte Carlos Sainz jr. kommen?

          Max hat, wie auch Carlos, eine sehr, sehr gute Basis. Aber es ist eine Geschichte, in die Formel 1 hineinzukommen und eine weitere, was der Fahrer daraus macht. Wir sind mit beiden nach den Testfahrten sehr zufrieden. Beide sind sehr schnell, verstehen viel von der Technik und geben ein gutes technisches Feedback an die Ingenieure. Ich freue mich auf ihr erstes Rennen. Sie werden eine gute Figur abgeben.

          Ehemalige Formel-1-Fahrer behaupten, Siebzehnjährige hätten nur deshalb eine Chance im Cockpit, weil es leichter geworden sei, einen Formel-1-Rennwagen über die Strecke zu jagen.

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