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Im Gespräch: Rallye-Legende Walter Röhrl : „Warum schindest du dich so?“

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Erinnerungsstück: Röhrl mit einem Rad, das Eddy Merckx ihm schenkte - rund 70.000 Kilometer ist er damit gefahren Bild: Tobias Schmitt

In den Achtzigern saß er im Rallye-Auto, heute fährt er Rennrad: Im F.A.Z.-Interview spricht der ehemalige Weltmeister Walter Röhrl über Schmerzen im Anstieg, rasende Abfahrten, die perfekte Linie mit dem Rennrad und seinen „absoluten Gott“.

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          Wie kommt ein Rennfahrer wie Sie, der immer die schnellsten Autos unter dem Hintern hatte, auf einen Rennradsattel?

          Als Kind war ich Pfadfinder, und wenn wir ein Trainingslager hatten, bin ich mit dem normalen Rad hingefahren, schon mal 120 Kilometer als Zwölfjähriger. Später bin ich etwas abgekommen vom Rad. 1984 kam dann die Anfrage, ob ich bei der Tour Peiper mitfahren wolle, das ist eine Radltour, bei der Geld für krebskranke Kinder gesammelt wird. Der Pressechef von Audi sagte: Da fahren wir mit! Ich habe ihm gesagt, dass ich gar kein Rennrad habe; das wird gestellt, sagte er. Und wie viele Kilometer? So dreißig. Dann sind wir nach Gießen gefahren, und dann waren es nicht 30 Kilometer, sondern 130.

          Sie haben nicht gleich wieder umgedreht?

          Nein, ich war schon fit, bin im Winter viel Ski gefahren, habe gerudert. Ich dachte, okay, diese 130 Kilometer musst du irgendwie durchstehen. Dann hieß es, es gibt zwei Bergprüfungen, und sonst fahren alle zusammen. Ich fuhr im Pulk ganz hinten, dann kam der erste Berg, und ich habe gedacht, warum fahren die jetzt nicht mehr? Ich bin vorbeigefahren, weil ich dachte, das ist zu langsam, sonst falle ich vom Rad. Es war dann so, dass Didi Thurau, Querfeldweltmeister Klaus-Peter Thaler und ich als erste auf dem Berg waren. Aha, sagte der Thaler, wieder so ein Motorsportler, der viel Rennrad fährt. Nein, sagte ich, ich sitze heute zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Rennrad. Vier Wochen später habe ich mit Klaus-Peter ein Rennradtraining im Schwarzwald gemacht, seither bin ich infiziert. Von diesem Zeitpunkt an habe ich alles aufs Radfahren abgestellt.

          Doppelter Weltmeister: Walter Röhrl im Jahre 1990

          Auch das Rallyefahren?

          Ja, ich hatte bei der Rallyefahrerei immer ein Rad dabei, und abends bin ich irgendwo am Arsch der Welt mit dem Rennrad durch die Gegend gefahren. Ich bin bis zu 12.000 Kilometer im Jahr geradelt, am meisten in meiner Zeit bei Audi. Ende der achtziger Jahre habe ich die Entwicklung der Rennwagen gemacht, das war immer im Winter, immer in Südfrankreich, dort bin ich mit dem Rennauto drei Runden gefahren, dann habe ich den Ingenieuren gesagt, das und das, dann haben die drei Stunden geschraubt, und die drei Stunden war ich auf der Rundstrecke mit dem Rennrad unterwegs. Dann haben die gepfiffen, ich wieder ins Auto, drei Runden, und wieder das gleiche Spiel. Drei Stunden schrauben für die, drei Stunden Rennrad für mich. Und so hatte ich nach dem Winter schon fünf-, sechstausend Kilometer in den Beinen.

          Sie sind mit dem fünfmaligen Tour-de-France-Sieger Eddy Merckx befreundet. Wie haben Sie ihn kennengelernt?

          Ich habe Eddy Merckx als meinen absoluten Gott betrachtet. Und ihn dann bei einem Radmarathon in Österreich kennengelernt. Er war als Promi dort, ich als normaler Teilnehmer. Ich habe mich vorgestellt, und er hat mich zu seinen Ausfahrten eingeladen, die gingen über sechs Tage. Fünfzehn Leute waren dabei, zwölf davon hatten mindestens fünfmal die Tour de France gefahren, Patrick Sercu - solche Leute. Die Ankünfte auf den Bergen haben gezählt, und ich habe auf Anhieb alles gewonnen. Da konnte keiner mithalten.

          Nicht einmal Eddy Merckx?

          Nein, ich war damals Ende 30, Eddy ein Jahr älter. Er war noch nicht dick, aber am Berg habe ich ihn trotzdem stehen lassen. Wenn du im Flachen sein Hinterrad nicht erwischt hast, war er weg. Aber wenn ein Berg kam, hieß es ab die Post, ohne ihn.

          Sie sind offenbar ein Naturtalent.

          Ich glaube schon. Wir haben mal für eine Illustrierte in einer Klinik einen Vergleichstest zwischen Spitzensportlern, Hobbysportlern und Nichtsportlern gemacht. Klaus-Peter Thaler hat 420 Watt getreten, ich war der nächste und habe dann aus Anstand auch bei 420 aufgehört.

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