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Im Gespräch: Norbert Haug : „Ich traue Michael einen Leistungssprung zu“

  • Aktualisiert am

Alte Bekannte - und ein neuer: Präsentation des F1 W03 in Jerez Bild: dpa

Lieber später dran sein, als mit Einstiegsproblemen zu kämpfen: Mercedes stellt als letztes Topteam im Feld sein Formel-1-Auto vor. Sportchef Norbert Haug gibt sich gelassen: „Wer nervös wird, macht bald Fehler.“

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          An diesem Dienstag sieht man den neuen Mercedes beim offiziellen Test in Barcelona auf der Strecke - welche Qualitäten wird der "W03" im Vergleich zu seinem Vorgänger haben?

          Der Radstand ist länger, und gleichzeitig ist der Wagen leichter geworden. Wir haben auf jedes Gramm geachtet, rund achtzig Prozent der Teile wurden vollkommen neu entwickelt. Außerdem haben wir bei der Konstruktion darauf geachtet, dass der Wagen für die Mechaniker an der Strecke leichter umzubauen und so praxisgerechter ist. Wir haben sicher kein revolutionäres Rennauto gebaut, aber alles sehr gut durchdacht.

          Mercedes hat zum Testauftakt in Jerez auf drei Übungstage verzichtet - freiwillig?

          Dieses Vorgehen war immer unser Plan. Wir wollten mit dem alten Auto einige Basisdaten gewinnen und parallel dazu den neuen Wagen in der Fabrik so lange und so intensiv wie möglich weiterentwickeln. Jeder Tag dafür ist kostbar - das haben wir aus dem vergangenen Jahr gelernt, als wir zu Saisonbeginn große Probleme hatten.

          Die Leistungsfähigkeit eines neuen Autos wird bis zum letzten Tag simuliert. Kann es trotzdem Überraschungen geben?

          Natürlich, denn wir können nicht die Leistungsfähigkeit der Konkurrenz-Autos simulieren - und unsere Konkurrenten können das auch nicht. Und die werden wir auch bei den Tests noch nicht sehen. Da gehen die Fahrer freiwillig vom Gas und lassen den anderen vorbei, um ihm nicht zu zeigen, wie gut ihr Auto wirklich ist. Das ist die eine Unbekannte. Außerdem kann es Probleme mit der Kühlung oder der Haltbarkeit geben. Das kann man in der Fabrik nicht abschließend simulieren. Wir setzen unseren Motor beispielsweise immer wieder den Belastungen des Grand Prix von Spa aus, auch die Aufhängungen werden auf dem Pulser (einem speziellen Prüfstand, d. Red.) auf ihre Standfestigkeit geprüft. Wir wollen in puncto Zuverlässigkeit so wenige Überraschungen wie möglich erleben.

          Sind Sie nervös vor dem ersten Test?

           Wer nervös wird, macht bald Fehler. Ich freue mich darauf, weil es immer wieder ein ganz besonderer Moment ist, das Auto zum ersten Mal auf der Strecke zu sehen. Und dann entsteht ganz schnell ein Gefühl für die Sache. Beispielsweise 1998, als Mika Häkkinen zum ersten Mal im neuen McLaren-Mercedes gefahren ist. Da war uns schon nach wenigen Runden bewusst: "In dieser Saison geht was!" Am Ende des Jahres sind wir Weltmeister geworden. Und in der Saison danach noch einmal. Genau darauf arbeitet man hin. Wer hoch hinauswill, der muss das Auto bei Saisonbeginn im März schon so weit entwickelt haben, wie es die Konkurrenz erst im Oktober geschafft haben wird. Wer gewinnen will, muss in der Formel 1 der Zeit immer voraus sein.

          Was ist das Ziel für diese Saison?

          Wir wollen die im letzten Jahr vor uns klassierten Red Bull, McLaren-Mercedes und Ferrari einholen und dann überholen. Aber das geht nur Schritt für Schritt. Es ist unmöglich, vom vierten auf den ersten Platz zu springen. Von uns wird es also keine Siegesansagen geben, das passt nicht zu uns: Machen ist immer besser als Sagen. Aber wir wollen weiter kommen als im vergangenen Jahr. (Mercedes wurde Vierter in der Konstrukteurswertung.)

          Wie lange braucht das Team noch für die ersten Erfolge?

          Unser Silberpfeil-Werksteam ist 2010 auf die Beine gestellt worden. Deshalb müssen wir eine Aufbauzeit einplanen. Wir haben vor der Saison reagiert und unsere Fabrik aufgerüstet. Wir haben etwa 80 Spezialisten eingestellt, darunter Bob Bell (ehemals Renault), Geoff Willis (Red Bull und HRT) und Aldo Costa (Ferrari), die allesamt schon als Technik-Direktoren in der Formel 1 gearbeitet, Erfolg gehabt und WM-Titel gewonnen haben. Trotzdem haben wir noch immer weniger Personal und weniger Budget als die 2011 vor uns klassierten Gegner.

          Nach dieser Saison endet der Vertrag von Michael Schumacher. Was trauen Sie ihm noch zu?

          Michael ist nach wie vor bei den Rennen einer der Besten im Feld. Keiner hat im vergangenen Jahr in den ersten Runden eines Rennens mehr überholt, er hat noch immer diesen ganz besonderen Rennwitz. Michael war in den Grands Prix oft genauso schnell und manchmal auch schneller als Nico (Teamkollege Rosberg). Das ist beeindruckend.

          Warum?

           Weil Nico sicher zu den fünf besten Fahrern im Feld gehört - das wissen wir, und das sagen Experten, die ihn in den vergangenen Jahren beobachtet haben. Er ist immer stärker geworden. All das muss man sehen, wenn man Michael beurteilt. Ich traue Michael zu, dass er noch einmal einen Leistungssprung macht, wenn wir das entsprechende Auto gebaut haben.

          Wie erleben Sie Schumacher in der täglichen Arbeit?

          Er tritt als der absolute Obermotivator im Team auf. Ein Sportler, vor dem ich mit seiner beeindruckenden Karriere nur den Hut ziehen kann. Wenn man mit Michael beispielsweise nach Indien oder China kommt, dann wird er mehr denn je als die Ikone seines Sports empfangen. Gleichzeitig interessiert Michael sich für jedes einzelne Teammitglied. Dazu gehört ein krönender Abschluss, der sportliche Erfolg - und daran arbeiten wir sehr hart. Michael hat seine Motorsport-Profikarriere im Junior-Team Ende der achtziger Jahre bei Mercedes begonnen, und er wird sie irgendwann bei uns beenden. Ich gehe nicht davon aus, dass er das Team noch einmal wechseln möchte.

          Können Sie sich vorstellen, den Ende 2012 auslaufenden Vertrag mit Schumacher noch einmal zu verlängern?

          Ich schließe nichts aus. Aufgeben wird Michael nie, und wenn er weitermachen möchte, dann werden wir uns darüber unterhalten.

          Wie schätzen Sie die Stärke von Weltmeister Sebastian Vettel und Red Bull 2012 ein?

          Natürlich ist Sebastian wieder Favorit. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, Red Bull habe in diesem Jahr nicht wieder ein sehr starkes Auto gebaut. Aber eine Dominanz hält nie ewig. Das war schon immer so in der Formel 1.

          Die Fragen stellten Anno Hecker und Michael Wittershagen.

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