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Im Gespräch: Lewis Hamilton : „Ich treibe mein Team härter an als jeder andere Fahrer“

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Sein oder nicht sein? „Wir hatten alle unsere Zweifel” Bild: dpa

Noch ist er Weltmeister und noch hat er die Liebe zur Formel 1 nicht verloren. Auch nicht nach den jüngsten Skandalen. Lewis Hamilton im Gespräch über bohrende Zweifel, harte Arbeit und die besten Motoren.

          3 Min.

          Lewis Hamilton hat die Liebe zur Formel 1 auch nach den jüngsten Skandalen nicht verloren. Der Weltmeister im FAZ.NET- Gespräch.

          Erster Sieg im achten Saison-Rennen. Haben Sie im Frühjahr, als Sie am Ende des Feldes fuhren, daran geglaubt?

          Wir hatten alle unsere Zweifel und konnten gar nicht fassen, in was für einer Situation wir uns da befunden haben. Aber wir wussten auch, dass, wenn es einer schaffen würde, es nur wir sein würden. Es war ein unglaubliches Gefühl, am Nürburgring wieder in einem konkurrenzfähigen Auto zu sitzen. Wir brauchten Zeit, um zu verstehen, was schief gelaufen ist. Das Team hat viel daraus gelernt, und ich bin mir sicher, dass wir in der Entwicklung des Autos für die kommende Saison enorm davon profitieren werden.

          Seine Miene entspricht seiner Saison. Hamilton hatte schon bessere Jahre

          Wie groß ist Ihr Anteil am Aufschwung?

          Ich treibe mein Team härter an als jeder andere Fahrer. Ich stelle permanent Fragen, gehe in die Fabrik. Ich will wissen, was los ist, und versuche die Motivation bei den Leuten hoch zu halten. Aber am Ende muss ich rausgehen auf die Strecke und meinen Job erledigen. Zu 98 Prozent gelingt mir das, am Wochenende in Monza nicht. Niemand ist perfekt.

          Sie sind mit Tempo 250 in die Leitplanke gekracht, weil Sie den Zweitplazierten Jenson Button unbedingt noch überholen wollten. Waren Sie übermotiviert?

          Ich habe mich noch nie übermotiviert gefühlt. Ich habe gewusst, dass ich ihn noch bekommen könnte. Nun muss man sagen, ich hätte mit Platz drei zufrieden sein sollen. Aber das war ich nicht.

          McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh wollte Ihnen raten, das Auto ins Ziel zu bringen. Was darf ein Rennfahrer allein entscheiden?

          Ich treffe alle Entscheidungen im Rennen selbst. Ich bin es, der das Auto unter Kontrolle hat.

          Ist es schwer, immer die richtige Entscheidung zu treffen?

          Natürlich. Du hast so viele Möglichkeiten, und manchmal entscheidet man sich für die falsche.

          Was haben Sie gelernt aus der Lügenaffäre von Melbourne in diesem Jahr, als Teammanager David Ryan Ihnen befahl, die Unwahrheit zu sagen?

          Es ist ganz sicher eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Inzwischen kann ich sagen, dass sie zu meiner Charakterschulung beigetragen hat. Ich glaube, dass ich vernünftig mit der Situation umgegangen bin und die richtigen Schritte unternommen habe, um die Situation zu korrigieren.

          Macht es Sie traurig, nur noch vier Rennen Weltmeister zu sein?

          Traurig? Nein. Ich glaube, dass ich Weltmeister bin bis zum 1. Januar 2010. So sehe ich das. Außerdem werde ich ewig in den Geschichtsbüchern auftauchen, darauf bin ich sehr stolz.

          Was halten sie vom Mercedes-Motor?

          Er ist bei weitem der Beste. Deshalb will ihn ja auch jeder haben.

          Dann ist es doch keine gute Idee, dass auch Brawn GP mit Mercedes-Motoren fährt und Red Bull in der kommenden Saison die Motoren haben will, oder?

          Für einen Fahrer ist dies nicht die beste Situation. Da möchtest du Exklusivität haben. Aber wenn man die Wirtschaft betrachtet, dann ist es gut für Mercedes-Benz, auch andere Teams mit dem Motor zu beliefern. Aber natürlich ist es hart, einen Mercedes-Motor zu überholen.

          Können Sie sich vorstellen, dass ein Fahrer absichtlich in eine Mauer fährt, wie es Nelson Piquet getan haben soll?

          Was soll ich sagen? Ich habe davon noch nie zuvor gehört, und ich habe es auch nicht gesehen. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.

          Beim besagten Rennen in Singapur ist Fernando Alonso von der 15. Position aus ins Rennen gegangen, aber schon in der zwölften Runde zum Boxenstopp gekommen. Würden Sie das auch so machen?

          Vor dem Rennen schaust du dir immer an, ob es eine Safety-Car-Phase geben könnte. Danach richtet man seine Strategie aus. Manchmal hast du dann Glück, manchmal nicht.

          Es gab einige Skandale in den vergangenen Jahren - ist dies noch immer die Formel 1, in die Sie sich als Kind verliebt haben?

          Es ist noch immer die Formel 1. Da sind die Autos, die Piloten, die Teams. Natürlich wächst das ganze Drumherum, das Geschäft wird immer größer. Aber ich laufe in die Garage und sehe meine Rennwagen. Genau das ist es, was ich so liebe.

          Der Rummel wurde Ihnen in England zu groß. Warum sind Sie ausgerechnet nach Genf in die Schweiz gezogen?

          Ich kann dort ein ganz normales Leben leben. Natürlich erkennen mich manche Leute, aber sie lassen mich in Ruhe. Das ist das Wichtigste überhaupt für mich. Ich liebe meine Fans, aber wenn ich nicht an der Strecke bin, will ich die ganz normalen Sachen unternehmen. In der Schweiz kann ich allein in den Supermarkt gehen, und trage danach die Tüten wieder in mein Apartment, ohne dass mich ständig Kameras verfolgen. Es ist so ein friedlicher Ort.

          Was, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

          Nichts im Leben kommt einfach so. Man muss für alles richtig hart arbeiten. Aber natürlich will ich wieder Weltmeister werden und besser sein als jemals zuvor.

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