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Im Gespräch: Franz Tost : Vom Kindergarten in die Formel 1

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Überraschungszweiter Perez: Im Fahrerkader von Ferrari Bild: dpa

Perez, Ricciardo, Maldonado, Vergne - eine ganze Reihe neuer Fahrer macht von sich Reden in der Formel 1. Wie aber macht man Weltmeister? Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost über die neue Kart-Generation und Intelligenztests.

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          Toro Rosso gilt als Ausbildungsteam für junge Fahrer. Ist das richtig?

          Ja, Dietrich Mateschitz (Anm. der Redaktion: Gründer des Getränkekonzerns Red Bull und Teambesitzer von Toro Rosso und Red Bull) hat uns beauftragt, Fahrer aus dem Drivers-Pool von Red Bull bei uns aufzunehmen und - hoffentlich - gut auszubilden, damit sie später im Formel-1-Team von Red Bull fahren können. Das ist uns im Fall von Sebastian Vettel gelungen. Ihn hat der natürliche Speed und seine Zielstrebigkeit ausgezeichnet. Nicht umsonst war er Seriensieger in Nachwuchsklassen.

          Sie haben eine jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit jungen Fahrern. Haben sich die Anforderungen an die Einsteiger in den vergangenen Jahren verändert?

          Vor dreißig, vierzig Jahren hat ein junger Mann warten müssen, bis er den Führerschein machen konnte und sich damit eine Rennfahrerlizenz ausstellen lassen durfte. Damals ist man ab dem 18. Lebensjahr Rennen gefahren. Dann kam die erste Kart-Generation mit Alain Prost (später viermal Weltmeister) und Ayrton Senna (dreimal Champion). Sie haben als Jugendliche im Sommer vielleicht zwanzig Rennen bestritten. Aus der zweiten Kart-Generation stammt Michael Schumacher, der schon an Wintercup-Rennen teilnahm, im Jahr auf vierzig, fünfzig Rennen kam. Jetzt sehen wir die dritte Kart-Generation mit Sebastian Vettel, Lewis Hamilton. Die haben den Kartsport noch professioneller betrieben. Dadurch haben sie früh ein besonderes Fertigkeitsniveau erreicht. Das ist wichtig, um ein Top-Rennfahrer werden zu können.

          17 Jahre: Vettel gewinnt in der Formel BMW
          17 Jahre: Vettel gewinnt in der Formel BMW : Bild: XPBCC

          Gibt es einen anderen Weg?

          Meines Erachtens nicht. Zwischen dem 7. und dem 16. Lebensjahr ist der Mensch, was die Entwicklung seiner Fertigkeiten betrifft, am aufnahmefähigsten. Er zehrt von dem, was er in dieser Phase lernt, eine ganze Karriere lang.

          Was lernt man in diesen Jahren, was man später nicht mehr lernen kann?

          Das Gefühl für die Geschwindigkeit, für das Bremsen, für den Speed vom Bremspunkt bis zum Scheitelpunkt der Kurve, für das Beschleunigen. Die Jungen beginnen, sich mit der Technik auseinanderzusetzen, stellen Spur und Sturz ein, tasten sich an das Limit der Reifen heran, spielen mit dem Reifendruck, lernen den Umgang mit verschiedenen Reifenkonstruktionen, die es im Kartsport ja schon gibt.

          19 Jahre: Sebastian Vettel fährt sein erstes Formel-1-Rennen
          19 Jahre: Sebastian Vettel fährt sein erstes Formel-1-Rennen : Bild: dpa

          Quereinsteiger haben keine Chance, Weltmeister zu werden?

          Diese Grundkenntnisse sind die Basis. Wer das nicht drauf hat, hat heutzutage keine Chancen mehr, Weltmeister zu werden.

          Heißt das, Ihre Formel-1-Einsteiger Ricciardo und Vergne sind quasi fertige Rennfahrer?

          Eben nicht. Ich habe beiden gesagt: „Alles, was ihr bis jetzt gemacht habt, war Kindergarten. Jetzt beginnt für euch das Rennfahren.“ Die Formel 1 ist noch komplexer und schwieriger, als das von außen aussieht.

          21 Jahre: Vettels erster Grand-Prix-Sieg
          21 Jahre: Vettels erster Grand-Prix-Sieg : Bild: dpa

          Warum?

          In den Nachwuchsklassen haben die Jungen vielleicht einen Ingenieur gehabt. In der Formel 1 ist ein Debütant plötzlich umzingelt von Dateningenieuren, Motoringenieuren Fahrwerksingenieuren. Allein die Technik im Detail zu verstehen ist bereits eine gewaltige Herausforderung.

          Wie verläuft so ein Einstieg in die Königsklasse des Motorsports?

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