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Im Gespräch: Fia-Chef Max Mosley : „Briatore war zu 100 Prozent verantwortlich“

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Der scheidende Fia-Präsident Max Mosley Bild: imago sportfotodienst

Ende Oktober scheidet Max Mosley aus dem Amt des Fia-Präsidenten. Im Interview spricht der Brite über den Skandal um Flavio Briatore, den Kandidaten für seine Nachfolge und Verdächtigungen bezüglich der Spionage gegen seine Person.

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          Ende Oktober scheidet Max Mosley aus dem Amt des Fia-Präsidenten. Im Interview spricht der 69 Jahre alte Brite über den Skandal um Flavio Briatore, den Kandidaten für seine Nachfolge und Verdächtigungen bezüglich der Spionage gegen seine Person.

          Was halten Sie davon, wenn ein Rennfahrer nach Absprache mit seinem Team absichtlich verunglückt, damit der Teamkollege gewinnen kann, wie in Singapur vor einem Jahr geschehen?
          Das ist so ziemlich das Schlimmste, was man tun kann.

          Warum ist dann der Rennstall Renault als überführter Manipulator des Großen Preises von Singapur 2008 vom Sportgericht unter Ihrer Leitung nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden?

          Ich kann verstehen, dass die Menschen denken, dieses Urteil sei zu milde. Aber wir hatten ein Problem. Das Team hat etwa 700 Angestellte. 697 waren vollkommen unschuldig. Die drei, die die Manipulation inszeniert haben (Teamchef Flavio Briatore, Chefingenieur Pat Symonds und Fahrer Nelson Piquet Jr.) gehören nicht mehr zum Team. Dazu kam, dass der Mutterkonzern Renault in keinem Moment versucht hat, uns anzulügen.

          „Renault wird bleiben”

          Was nichts an der Tat ändert. Renault F1 hat eiskalt betrogen.

          Ja. Wir nehmen den Fall schon ernst. Aber wir wollten nicht die Existenz einer ganzen Mannschaft in Frage stellen. Vor zwei Jahren hat das gleiche Fia-Gremium McLaren-Mercedes wegen der Annahme von gestohlenen Ferrari-Daten zu einer Geldbusse über 100 Millionen Dollar verurteilt

          Warum hatten Sie damals keine Bedenken, die Existenz von annähernd 1000 unschuldigen Mitarbeitern zu gefährden?

          Bei McLaren war das ganz anders. Sie haben uns im Juli und im September angelogen. Erst im Dezember kam die ganze Wahrheit nach einer riesigen Untersuchung durch uns heraus. Die richtige Strafe für sie wäre eine Sperre für 2007 und 2008 gewesen. Schließlich hatten sie geistiges Eigentum von Ferrari illegal erhalten.

          Sie meinen, die 100-Millionen-Strafe war milde?

          Das war viel Geld, kein Zweifel.

          Aber ist McLaren-Mercedes 2008 nicht Weltmeister geworden?

          So groß kann der Nachteil also nicht gewesen sein. Und dann muss man noch etwas berücksichtigen. McLaren hat von den Ferrari-Daten profitieren können. Wenn man das selbst macht, dann kostet das mehr als 100 Millionen. Die Strafe war also gar nicht so hoch, wie es erschien.

          Wäre Renault aus der Formel 1 ausgestiegen, wenn Sie und Ihre Kollegen eine harte Strafe verhängt hätten?

          Das konnte man nicht ausschließen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat Renault ein paar Milliarden Euro von der Regierung erhalten, also Steuergelder. Es wäre für sie sehr schwierig geworden, wenn wir einen Teil davon genommen hätten. Aber das kam ohnehin nicht in Frage. Denn Unschuldige darf man nicht bestrafen, das verstößt gegen die guten Sitten. Renault hat jahrelang von Briatore profitiert.

          Als Chef der Regelbehörde seit 1991 wissen Sie besser als alle anderen, dass er immer wieder mit den Regeln in Konflikt geraten ist. Trotzdem wurde er von Renault zum Teamchef gemacht. Ist man dann nicht verantwortlich für die Taten des Angestellten?

          Vielleicht hätten sie ihm untersagen sollen, neben seiner Tätigkeit als Teamchef noch als Manager zu arbeiten. Aber viel mehr kann man ihnen nicht vorwerfen. Sie habe ihn sofort rausgeschmissen, als sie erkannten, was passiert ist. Renault hat sich tadellos verhalten.

          Renault fährt 2010?

          Renault wird bleiben. Es ist aber durchaus möglich, dass noch ein Konzern aussteigt. Das würde mich nicht wundern.

          Briatore dagegen wird nicht mal mehr auf Besuch zu einer Rennsportveranstaltung mit dem Segen der Fia kommen dürfen. Warum bekam er „Lebenslang“?

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