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Im F.A.Z.-Gespräch: Michael Schumacher : „Ich war eben verbohrt“

  • Aktualisiert am

Schumacher in Spa 2011: Goldener Helm zum 20-jährigen Jubiläum Bild: REUTERS

91 Siege, 7 WM-Titel: Schumacher hat mehr richtig gemacht, als jeder andere Formel-1-Pilot. Seine Aggressivität aber wurde kritisiert. 20 Jahre nach seinem Debüt in Spa schildert er erstmals seine Gründe.

          9 Min.

          Hatten Sie Zweifel, es in die Formel 1 zu schaffen?

          Jede Menge. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich einmal in Hockenheim auf der Tribüne saß und mir eine Vorqualifikation angeschaut habe. Damals mussten sich die Fahrer für die Teilnahme am Grand Prix qualifizieren. Unter ihnen war auch Bernd Schneider, gerade deutscher Meister in der Formel 3. Ich hielt ihn für wesentlich weiter als mich. Trotzdem kam er nicht über die Vorqualifikation hinaus. Damals wusste ich noch nicht, dass die Autos Riesenunterschiede ausgemacht haben. Ich habe also große Zweifel gehabt, als ich ihn da gesehen habe, und gedacht: Wie soll ich das denn schaffen?'

          Die Zweifel sind schnell verflogen?

          Nein, sie blieben auch nach den ersten Runden in einem Formel-1-Auto, am Anfang der Testfahrten. Dann kam ich nach Spa, habe freitags den Vertrag (bei Jordan) unterschrieben, bin im freien Training gefahren. Aber erst am Samstag im Qualifying (Siebter) ist mir dann ein Licht aufgegangen. Da habe ich gedacht: Naja, sieht ja so aus, als ob du das kannst. Bis dahin hatte ich große Zweifel.

          „Der Moment der Niederlage motiviert”: Schumacher im Gespräch in der Box in Spa 2011 Bilderstrecke

          Waren der Zweifel, die Skepsis ein Motor für Ihren Erfolg?

          Es gibt zwei Dinge, die mich immer wieder angetrieben haben und die mir geholfen haben, mich zu verbessern. Das ständige Hinterfragen und im Gegensatz dazu eine grundsätzliche Selbstsicherheit.

          Wo kam denn diese Selbstsicherheit her?

          Die Basis steckt wohl in uns Menschen drin - oder eben nicht. Bei mir hat auch die Erziehung eine wichtige Rolle gespielt und der jahrelange Aufbau. Egal, in welche Serie ich eingestiegen bin, ich war immer in der Lage, gleich schnell genug zu sein, um vorne mitfahren zu können. So wuchs die Selbstsicherheit.

          Hat sich seit Ihrem ersten Ausstieg aus der Formel 1 Ende 2006 irgendetwas verändert in dieser Hinsicht?

          Nein. Ich weiß, dass es gerade nicht rund läuft, aber ich weiß auch, dass ich es hinkriege. Ich bekomme genügend Bestätigung und sehe, dass ich nach wie vor in der Lage bin, vorne mitfahren zu können. Die Dinge müssen sich noch ein bisschen mehr zusammenfügen. Ich bin gelassen genug, diese Phase zu überstehen.

          Woher kommt diese Gelassenheit?

          Ich habe in den drei Jahren Pause (von Ende 2006 bis Ende 2009) großen Abstand gewonnen. Ich habe mich in vielerlei Hinsicht regeneriert. Nicht bewusst, weil ich mich ja nicht auf eine Rückkehr vorbereiten wollte; ich hatte ja kein Comeback geplant.

          Sie haben alles erreicht. Das Comeback wäre für Sie nur erfolgreich, falls Sie auch wieder siegten?

          Natürlich möchte ich auch in dieser zweiten Karriere-Phase erfolgreich sein. Aber ich bin insgesamt ein bisschen relaxter geworden. Ich kann nun ohne Probleme loslassen, wenn es die Zeit erlaubt. Trotzdem bin ich voll konzentriert zur Stelle, wenn es notwendig ist. Ich habe gelernt, dass daraus kein Nachteil entsteht.

          Ist das eine neue Qualität von Michael Schumacher?

          Ich empfinde diese Entspannung zum richtigen Zeitpunkt zumindest als wohltuend - nicht nur für mich, auch für die Fans und Journalisten zum Beispiel. Es würde sicher Probleme mit sich bringen, wenn es anders wäre. Man kann nichts über das Knie brechen.

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