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Formel-1-Diaspora Deutschland : Von Holland abgehängt

  • -Aktualisiert am

Ohne deutsches Rennen: Die Formel 1 umkurvt die Rennstrecken in Hockenheim und am Nürburgring. Bild: AFP

Das Automobil wurde nahe Hockenheim erfunden. Die Formel-1-Vermarkter interessiert diese Nostalgie überhaupt nicht und sie umkurven fortan die deutschen Rennstrecken. Sie folgen allein dem Geld in alle Winkel der Welt.

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          Jetzt ist es sicher. Die Formel 1 wird im nächsten Jahr an Deutschland vorbeirauschen. Das ist keine große Überraschung. Der Rauswurf aus dem Kalender des amerikanischen Vermarkters hatte sich wochenlang angedeutet. Selbst die Hockenheimring GmbH machte schon länger keinen Hehl mehr aus der sich abzeichnenden Niederlage im Bieterverfahren. Erstaunlich ist allein der Grund für das vorläufige Ende des Großen Preises von Deutschland: Spanien schnappte sich den 22. Platz, den letzten freien am Dienstag.

          Spanien? Selbstredend verkauft der stolze Präsident von Katalonien seine Heimat als Traditionsort. Nach dreißig Rennen ist das nachvollziehbar – im Vergleich zur Formel-1-Geschichte von Bahrein, China oder Russland. Aber es geht nicht um Gefühle, um die ein Jahrhundert alte Begeisterung vieler Deutscher für Autorennen. Die Wettfahrtgeschichte, ob nun sinnvoll, faszinierend, tragisch oder – wie zuletzt in Hockenheim – an Spannung kaum zu überbieten, begann mit der Geburt des Automobils unweit von Hockenheim.

          Mehr Geld als in Hockenheim

          Den amerikanischen Geschäftsführern der Formel 1 geht es aber – ganz im Gegensatz zu ihrer ersten Einlassung nach der feindlichen Übernahme – nicht um die Pflege einer bedrohten Kultur; insofern man das Einsammeln von Millionen Dollar nicht damit verbindet. Sie setzen nahtlos fort, was einst Bernie Ecclestone lange vor seiner Entlassung als Chefmanager der Formel 1 begonnen hatte: allein dem Gelde zu folgen in alle Winkel dieser Erde.

          Katalonien hat stante pede mehr davon zu bieten als der Privatklub aus Hockenheim in der stärksten Wirtschaft Europas. Obwohl das Zugpferd Fernando Alonso, der Schumacher Spaniens, nicht mehr im Formel-1-Boliden kreist und die offizielle Zuschauerzahl (160.428) für das Rennen im vergangenen Mai Beobachtern Rätsel aufgibt. Ist jeder Besucher dreimal gezählt worden?

          Dass auch das Rennen in Spanien ein hohes Verlustgeschäft sein muss, geht aus der Vertragslaufzeit hervor: Über 2020 hinaus trauen die Amerikaner den Spaniern offenbar nicht. Aber Vietnam, wo die Sozialistische Einheitspartei auf eine große Sause in Hanoi setzt. Angeblich soll die Wirtschaft zahlen zur Ankurbelung des Tourismus und das Rennen in der Hauptstadt die Enkel von Ho Tschi Minh für den besonderen Kreisverkehr begeistern. Damit irgendwann eine schöne Tradition daraus wird? So weit wollen die Amerikaner nicht denken. Es reicht ihnen schon, dass auch ein großer niederländischer Bierbrauer mit der Formel 1 einfahren möchte.

          An dieser Stelle wird es schmerzhaft. Unerschrockene Formel-1-Fans der großen Biertrinkergemeinde in Deutschland werden im nächsten Jahr im dann hoffnungslos überfüllten Zandvoort sehen, wie es eigentlich läuft. Dass die Rückkehr der Formel 1 in die Heimat des potenten F-1-Sponsors Heineken sowie von Red-Bull-Pilot Max Verstappen kein Zufall ist. Und der Spott bitter: Die Wohnwagen-Nation hat die Autonation abgehängt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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