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Kommentar : Unterwegs ins Nichts

  • -Aktualisiert am

Das Geld reicht nicht: Das Risiko Formel 1 ist für den Nürburgring zu hoch Bild: dapd

Wird der Formel-1-Zirkus bald keinen Halt mehr in Deutschland machen? Für die Betreiber des Hockenheimrings ist das Rennen jedenfalls ein erhebliches finanzielles Risiko. Und der Traum am Nürburgring scheint geplatzt.

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          Es war im Sommer 2014: Da glaubte die halbe Motorsport-Welt ernsthaft, auf dem Nürburgring würde von 2015 an fünf Jahre die Formel 1 kreisen, Hockenheim sei aus dem Spiel. Aus diesem Wunschtraum eines sich selbst überschätzenden Investors ist viel weniger geworden, als selbst Pessimisten glaubten: gar nichts. Obwohl die Promotoren in der Eifel den nach Monaco (keine Antrittsgebühren) wohl billigsten Grand Prix des Jahres ausgerichtet hätten, reicht das Geld nicht. Die Formel 1, das machte Geschäftsführer Carsten Schumacher gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deutlich, ist ihm kein Risiko wert.

          Diese Haltung ist nicht nur ein Zeichen für die schwierige Lage in der Eifel. Sie beschreibt auch den gesunkenen und weiter sinkenden Marktwert der Formel 1 in Deutschland. Ihre ständig wechselnden Regeln, die Miesmacherei in den eigenen Reihen, der drohende Zusammenbruch selbst etablierter Rennställe beschleunigen diese Entwicklung. Die Hockenheimring GmbH hat sie schon zu spüren bekommen. Zum Rennen im vergangenen Jahr kamen trotz bescheidener Ansprüche, trotz des spannenden Teamduells bei Mercedes mit dem deutschen Fahrer Rosberg noch weniger Zuschauer als 2012. Die Bilanz der Abrechnung: ein Minus, das sich diese private, weder vom Land noch von der Industrie subventionierte Gesellschaft nicht leisten kann.

          Den wiedererstarkten Formel-1-Manager Ecclestone hinderte das nicht, das badische Motodrom wie aus dem Nichts zur Austragungsstätte des Rennens in diesem Sommer zu erklären. Man müsse doch nur die Jahreszahlen des Vertrages ändern. Prompt hat der Internationale Automobil-Verband (Fia) im Kalender 2015 Hockenheim eingetragen. Dabei gibt es noch gar keinen Vertrag. Es hat nicht mal detaillierte Gespräche gegeben. Falls Ecclestone seine Ansprüche nicht erheblich reduziert, dann wird es auch nicht zu einer Vereinbarung kommen können.

          Ist Eccleston der deutsche Merkt doch zu wichtig?

          Hockenheim müsste zuletzt – geschätzt – zwölf Millionen Dollar hinblättern und für jede verkaufte Karte jenseits von 50.000 weitere 100 Euro an den Vermarkter überweisen. Ein Schnäppchen verglichen mit den kolportierten 40 Millionen Dollar, die mancher Potentat in Übersee allein als Antrittsgeld zu zahlen bereit ist. Aber dennoch zu viel für die Hockenheimer, denen auch der Absturz des Euro gegenüber dem Dollar gewaltig zusetzt. Sie müssten 1,5 Millionen Euro mehr zahlen als beim letzten Mal.

          Vielleicht lässt sich Ecclestone in diesem Jahr noch einmal auf Sonderkonditionen ein, weil ihm der deutsche Markt wichtig ist. Auf Dauer aber wird der Weg nicht mehr über Deutschland führen: „Wir würden uns finanziell in der Tendenz besserstellen“, sagt der Nürburgring-Manager Schumacher. Diese ernüchternde Rechnung kann das Auftrittsende hierzulande einläuten, aber auch ein Anfang sein: Falls die sogenannte Formel-1-Führung begreift, dass ihr Kurs geradewegs auf eine Wand zuführt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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