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Formel 1 in Montreal : Die wilde Jagd des Sebastian Vettel

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Von ganz hinten fast noch auf das Podest: Sebastian Vettel wird Fünfter Bild: AFP

Nach dem Debakel von Monaco schlägt Lewis Hamilton beim Formel-1-Rennen in Kanada zurück und gewinnt vor Nico Rosberg. Sebastian Vettel pflügt sich von hinten durch das Feld – und erlebt einen turbulenten Grand Prix.

          3 Min.

          Nach sieben Rennen fühlen sich die Hamilton-Fans bestätigt: Vier gewonnen, ein Sieg, vor zwei Wochen in Monaco, wegen eines taktischen Fehlers verschenkt. Nach mehr als einem Drittel dieser Formel-1-Saison ist die Dominanz des Engländers auf allen Gebieten nicht mehr zu übersehen. Vor allem für seinen einzigen ernsthaften Rivalen im Feld: Was Nico Rosberg auch versucht, an dem Weltmeister kommt er im Rennen nur vorbei, wenn der sich einen eklatanten Fehler erlaubt.

          Ein Verbremser beim Großen Preis von Kanada am Sonntag auf der „Île Notre-Dame“ reichte nicht, dem ersten Gegner auch nur näher zu kommen. Als Rosberg nur noch 1,2 Sekunden hinter Hamilton lag, gab der Champion Gas. Prompt erhöhte er seinen Vorsprung – quasi aus dem Stand – innerhalb von einer Runde um eine Sekunde.

          Da der Deutsche dann noch via Funk vor einem technischen Problem gewarnt wurde, schien das Rennen für den Verfolger gelaufen: „Der Bremsverschleiß ist jetzt kritisch. Schone die Bremsen.“ Für zehn Runden vor der nächsten Attacke: „Du kannst am Ende des Rennens noch mal angreifen.“ Konnte er nicht. Weil ihm das Team Informationen zu Hamiltons Auto versagte, die es im umgekehrten Fall dem WM-Führenden mitteilte?

          Über die Bremsprobleme Rosbergs war der Brite unterrichtet. Als der Deutsche nach dem Benzinverbrauch seines Vordermannes fragte, verweigerten die Strategen an der Box – regelgerecht – die Auskunft: „Can’t comment.“ Kein Kommentar. Aber an dem Sieg vor Rosberg und dem Finnen Valtteri Bottas im Williams hätte wohl auch ein beidseitiger Informations-Austausch nichts geändert.

          Nach dem Fiasko von Monaco darf Lewis Hamilton diesmal wieder den größten Pokal küssen

          Erst eine Runde vor dem Ende bremste Hamilton früher, um Sprit zu sparen. „Nico ist schnell, aber ich hatte das Gefühl, ihn unter Kontrolle zu haben“, sagte Hamilton: „Ich konnte immer zulegen. Ich hatte Spaß.“ Rosberg wirkte gelassen: „Er hat keinen Fehler gemacht. Gratulation. Entscheidend ist bei uns das Qualifying. Daran arbeite ich.“  

          Das Bild aus der Mercedes-Box lässt sich zurzeit auf die gesamte Formel 1 übertragen. Hamilton startet vor Rosberg – und gewinnt vor ihm. Ferrari, nach dem Sieg von Sebastian Vettel in Malaysia auf dem gefühlten Sprung an die Spitze, konnte die leichten Fahrfehler auch von Rosberg nicht nutzen. Im Gegenteil.

          Räikkönen vergibt eine Chance mit einem Dreher

          Kimi Räikkönen vergab die kleine Chance, den zweiten Silberpfeil unter Druck zu setzen nach seinem Boxenstopp mit einem Dreher bei der Beschleunigung aus der Haarnadelkurve. Statt das Heck von Rosbergs Boliden in den Blick zu bekommen, sah er sein eigenes auf der linken Seite. Wegen des Missgeschicks fiel er auf Rang vier hinter Bottas zurück. Was die Frage aufwarf, ob Vettel an seiner Stelle weiter gekommen wäre.

          Der Heppenheimer entwickelte sich nicht nur aus deutscher Sicht zum Unterhaltungsfaktor des Nachmittags in Montreal. Wegen eines Elektronik-Schadens im Qualifying und einer Rückversetzung in der Startaufstellung wegen eines Verkehrsvergehens (Überholen unter Gelber Flagge) musste der Hesse von Rang 18 losfahren. Von hinten nach vorne? Das ist auf dem Kurs von Montreal nicht unmöglich, verlangt aber viel Action.

          In Kanada waren anders als in Monaco nur Grid Girls zu sehen

          Vettel wühlte sich durch das Feld. Überholte bis zum ersten Boxenstopp (9. Runde) vier Kollegen und bis zum zweiten weitere zehn Autos. Mal schoss er vorbei, mal kämpfte er Rad an Rad um jeden Zentimeter. Erst mit dem früheren Weltmeister Alonso im McLaren, der später aufgab wie Teamkollege Jenson Button, und dann im deutschen Duell: Vettel gegen Nico Hülkenberg im Force India mit dem Mercedes-Motor im Heck.

          Ein heikles Spiel bei Tempo 330. Kein Vorbeirauschen mit einem Tritt auf das Gaspedal, weil Gegner mit den schwachen Renault-Aggregaten keine Chance hatten in Montreal. Auf den erst acht Plätzen landeten nur Teams mit Mercedes oder Ferrari-Antrieben im Heck. Der Zweikampf entschied sich nicht am Ende einer Geraden, sondern mitten in der ersten Kurve. Hülkenberg drehte sich, als der  Ferrari-Star ihn außen zu überholen begann. Der Rheinländer ratterte über die Randstande und verlor die Balance, wurde aber noch Achter.

          Vettel: „Nico hat das clever gemacht“

          „Ich habe ihn nicht berührt“, rief Vettel über das Bordmikrofon und erkundigte sich nach dem Verbleib des Landsmannes. „Nico hat das clever gemacht. Ich glaube, er war zu spät dran.“ Der antwortete indirekt anklagend auf den Akt einer Verdrängung: „Ich hatte keine Chance. Wenn ich ihm nicht Platz gemacht hätte, wäre es zu einer Kollision gekommen. Es hätte geknallt. Aber eine Strafe fordere ich nicht.“ Die Streckenkommissare sahen auch keinen Grund einzugreifen.

          Dagegen begann mit Rennende eine Diskussion unter den Experten der BBC: Sollte Ferrari Vettel noch an Räikkönen vorbeilotsen, um seinen Punkt-Verlust im WM-Kampf so klein wie möglich zu halten. Als Fünfter lag der viermalige Weltmeister zu Beginn der letzten Runde nur noch neun Sekunden hinter dem Finnen. Obwohl er 15 Ränge hinter dem Teamkollegen losgefahren war. Von 18 auf fünf, auch das war eine Antwort auf die Frage, wer bei Ferrari in dieser Saison bislang schneller über die Runden kommt.

          Die Silberpfeile dominierten das Rennen in Kanada

          Hamilton baute seinen Vorsprung in der Fahrerwertung nach dem mit 151 Punkten vor Rosberg (134) aus. Vettel ist vor dem nächsten Rennen in Österreich Dritter (108). „Ich wäre gerne weiter vorne losgefahren. Das hätte es einfacher gemacht. Aber alles im allem war wohl nicht mehr drin“, sagte Vettel: „Ich glaube, wir hätten vorne mitmischen können. Aber dazu muss man weiter vorne losfahren.“

          Grand Prix von Kanada, in Montréal (70 Runden à 4,361 km/305,270 km)

          1. Lewis Hamilton (England) Mercedes 1:31:53,145 Std. (Schnitt: 199,337 km/h);
          2. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 2,285 Sek.;
          3. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 40,666;
          4. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 45,625;
          5. Sebastian Vettel (Heppenheim) Ferrari + 49,903;
          6. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 56,381;
          7. Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus + 1:06,664 Min.;
          8. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 1 Runde;
          9. Daniil Kwjat (Russland) Red Bull + 1 Runde;
          10. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 1 Runde;
          11. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 1 Runde;
          12. Carlos Sainz jr. (Spanien) Toro Rosso + 1 Runde;
          13. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 1 Runde;
          14. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber + 1 Runde;
          15. Max Verstappen (Niederlande) Toro Rosso + 1 Runde;
          16. Felipe Nasr (Brasilien) Sauber + 2 Runden;
          17. Will Stevens (England) Manor + 4 Runden

          Ausfälle: Fernando Alonso (Spanien) McLaren Honda (44. Runde); Jenson Button (England) McLaren Honda (54. Runde); Roberto Merhi (Spanien) Manor (57. Runde)

          Schnellste Rennrunde: Kimi Räikkönen (Ferrari) 1:16,987 Min.
          Pole Position: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:14,393 Min.

          Fahrer-Wertung nach 7 von 19 Rennen:

          1. Lewis Hamilton 151
          2. Nico Rosberg 134
          3. Sebastian Vettel 108

          4. Kimi Räikkönen 72
          5. Valtteri Bottas 57
          6. Felipe Massa 47
          7. Daniel Ricciardo 35
          8. Daniil Kwjat 19
          9. Romain Grosjean 17
          10. Felipe Nasr 16
          11. Sergio Perez 11
          12. Nico Hülkenberg 10
          13. Carlos Sainz jr. 9
          14. Max Verstappen 6
          15. Pastor Maldonado 6
          16. Marcus Ericsson 5
          17. Jenson Button 4

          Team-Wertung nach 7 von 19 Rennen:

          1. Mercedes 285
          2. Ferrari 180
          3. Williams 104
          4. Red Bull 54
          5. Lotus 23
          6. Sauber 21
          7. Force India 21
          8. Toro Rosso 15
          9. McLaren Honda 4

          Nächstes Rennen: Grand Prix von Österreich am 21. Juni in Spielberg

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