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Formel 1 : Mercedes beschuldigt Rosberg

Sieg in der Schlussrunde: Lewis Hamiltons Freude ist umso größer, weil Konkurrent und Stallgefährte Rosberg auf dem Podium fehlt Bild: AFP

Rosbergs Schaden ist Hamiltons Freude: Der Titelverteidiger gewinnt den Großen Preis von Österreich, obwohl sein Teamkollege als Führender in die Schlussrunde geht. Rosberg verliert an Rückhalt bei Mercedes – und wird nach Rennende bestraft.

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          Seine erste Reaktion nach dem Erfolg war eine Rechtfertigung: „Ich bin auf der Außenlinie gefahren. Ich habe diesen Unfall nicht verursacht“, sagte Lewis Hamilton, als er am Sonntagnachmittag die Ziellinie des Großen Preises von Österreich in Spielberg überfahren hatte. Er wusste längst, dass dieses Formel-1-Rennen ein Nachspiel haben würde. In der zweiten Kurve der letzten Runde hatte er seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg angegriffen, der Deutsche verteidigte mit der aller Härte seine Führung, und dann flogen die Funken.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rosberg beendete den Grand Prix als Vierter ohne Frontflügel, zudem wurde er dreieinhalb Stunden nach Rennende mit einer Zeitstrafe von zehn Sekunden belegt – was sich aber nicht negativ auf seine Platzierung auswirkte. Hamilton siegte zwar vor Max Verstappen (Red Bull) und Kimi Räikkönen (Ferrari), wurde bei der Siegerehrung aber ausgebuht. „Ich verstehe gar nicht, warum“, sagte der Brite: „Aber ich vergebe ihnen. Sie haben das Recht auf ihre eigene Meinung.“

          Zweikampf mit hohen Intensität

          Mercedes aber hat nun ein Problem. Schon in Barcelona und Montreal waren die beiden Silberpfeil-Piloten aneinander geraten. Hamilton und Rosberg führen den Zweikampf um die diesjährige Weltmeisterschaft mit einer Intensität, die das Publikum lange nicht mehr gesehen hat. Das treibt auch die Verantwortlichen von Mercedes an ihre Grenzen.

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          Als Teamchef Toto Wolff die Bilder des Unfalls auf dem Monitor sah, haute er in einer ersten Reaktion auf den Tisch. Später sagte Wolff vor den Fernsehkameras: „Er (Nico) hat ihm nicht genug Platz gegeben. Er hat sich zu hart verteidigt. Das ist einfach schade, das darf nicht passieren. Wir müssen das intern besprechen.“ Zur ersten Analyse gehörte, dass die Bremstemperaturen an beiden Mercedes-Boliden am Ende des Rennen anstiegen und zu Problemen führten. Rosberg hatte damit mehr zu kämpfen und kam auf der Schlussrunde schon langsamer aus der ersten Kurve heraus, Hamilton saugte sich im Windschatten an seinen Konkurrenten heran und starte den letzten Angriff. Als sich Rosberg später zu diesem Vorfall äußern sollte, war ihm all die Enttäuschung anzumerken.

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          „Mannomann! Das ist echt hart“, sagte der Einunddreißigjährige. „Ich war echt überzeugt, dass ich das nach Hause fahre. In der letzten Runde haben meine Bremsen überhitzt. Mein Bremsweg war etwas länger, aber eigentlich war alles unter Kontrolle. Deshalb war ich sehr überrascht, dass er (Lewis) reingelenkt hat. Das sind die Fakten, es ist besser, wenn ich da nicht mehr reingehe.“

          Aber so einfach wird das nicht sein. Teamchef Wolff kündigte schon Minuten nach dem Rennen an: „Ich muss mich mal abkühlen, dann überlegen wir, wie wir damit umgehen. Vielleicht muss man unpopuläre Entscheidungen treffen, eine Teamorder. Das werden wir so machen, wenn wir keine anderen Mittel finden.“

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          Der Vierundvierzigjährige fürchtet, dass Hamilton und Rosberg außer Kontrolle geraten. „Alles Reden hilft scheinbar nicht“, sagte Wolff:. „Wir lassen die fahren, aber der Kontakt muss vermieden werden. Im Nachhinein wäre es gescheiter gewesen von Nico, Rang zwei mitzunehmen.“ Auch Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender Mercedes-Rennstalls, wurde deutlich: „Wir haben eine klare Regel aufgestellt: Mercedes muss gewinnen, und ihr müsst Erster und Zweiter werden. Das wurde jetzt verhindert“, sagte er. Und weiter: „Nico hat versucht mit aller Kraft, mit nicht mehr funktionierenden Bremsen das Überholmanöver von Lewis zu verhindern. Deshalb ist es in erster Linie seine Schuld.“

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