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Hamilton attackiert Ecclestone : „Ignorant und ungebildet“

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Lewis Hamilton (r.) attackiert Bernie Ecclestone (l.) für dessen Äußerungen über Rassismus von Schwarzen gegenüber Weißen scharf. Bild: AFP

Weltmeister Lewis Hamilton reagiert mit scharfer Kritik auf die Aussagen des früheren Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone bezüglich Rassismus. Die Rennserie hatte sich umgehend von Ecclestones Worten distanziert.

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          Weltmeister Lewis Hamilton hat mit scharfer Kritik auf die Aussagen des früheren Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone bezüglich Rassismus reagiert. Diese seien „ignorant und ungebildet“, schrieb der sechsmalige Champion auf Instagram: „Wenn jemand, der den Sport über Jahrzehnte geführt hat, so wenig von den tief verwurzelten Problemen versteht, mit denen wir Schwarze jeden Tag umgehen müssen, wie können wir von den Leuten unter ihm erwarten, dass sie es verstehen. Es beginnt an der Spitze.“

          Ecclestone hatte in einem CNN-Interview geäußert, dass Schwarze in vielen Fällen rassistischer als Weiße seien. Als Erklärung für seine Behauptung führte Ecclestone Dinge an, die ihm „im Laufe der Jahre aufgefallen sind“. Dass Statuen im Zuge der „Black Lives Matter“-Demonstrationen demontiert wurden, bezeichnete er als „völlig dumm“. Zwar lobte Ecclestone Hamiltons Engagement gegen Rassismus, wies den Vorwurf der Diskriminierung in der Formel 1 aber zurück.

          Die Erfahrungen von Hamilton mit Diskriminierung im Motorsport haben Ecclestone „überrascht“. Er sei „wirklich unglücklich“, sollte Hamilton „es ernst genommen haben. Ich dachte nicht, dass es ihn beeinflusst hätte“, erklärte er.

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          „Verdammt, ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll“, leitete der 35 Jahre alte Hamilton seine Reaktion ein. Der 89 Jahre alte Ecclestone sei zwar nicht mehr Teil der Formel 1 und aus einer anderen Generation, seine Kommentare würden aber zeigen, was falsch laufe. „Es macht für mich nun komplett Sinn, warum nichts gesagt oder getan wurde, um unseren Sport diverser zu machen oder den rassistischen Angriffen zu begegnen, denen ich in meiner ganzen Karriere ausgesetzt war“, schrieb Hamilton, der sich zuletzt häufig für die „Black Lives Matter“-Bewegung eingesetzt hatte.

          Der Weltmeister sieht in den Kommentaren des langjährigen Chefs die Bestätigung, „wie weit wir als Gesellschaft noch gehen müssen, ehe es echte Gleichberechtigung gibt“. Zudem warf er der Formel 1 vor, ein „von Weißen dominierter“ Sport zu sein und gründete eine Kommission, die mehr schwarzen Menschen den Weg in die Formel 1 ebnen soll. Er bekräftigte: „Die Zeit des Wandels ist jetzt gekommen.“

          Die Formel 1 hatte sich umgehend von Ecclestones Worten distanziert. „In einer Zeit, in der eine Einheit erforderlich ist, um Rassismus und Ungleichheit zu bekämpfen, sind wir mit Bernie Ecclestones Äußerungen, die in der Formel 1 oder in der Gesellschaft keinen Platz haben, absolut nicht einverstanden“, hieß es in einem Statement der Königsklasse. Die Formel 1 betonte, Ecclestone habe nach seinem Abschied 2017 keine Rolle mehr in der Rennserie gespielt, seinen Ehrentitel als emeritierter Vorsitzender habe er seit Januar 2020 nicht mehr.

          Nach der scharfen Kritik an seinen Aussagen zum Rassismus attackierte wiederum Ecclestone seinen Nachfolger. „Ich bin froh, dass er gesagt hat, dass ich nicht Teil der Formel 1 bin, dann kann man mich auch nicht mit Dingen in Verbindung bringen, die sie nicht geschafft haben“, sagte der 89 Jahre alte Brite der „Mail on Sunday“. Ecclestone konterte nun, die Formel 1 sei „wegen der Ereignisse in Amerika plötzlich auf das Rassismus-Ding aufgesprungen“.

          Ecclestone meinte, Nachfolger Carey solle sich lieber um die Anteilseigner kümmern. „Covid war gut für ihn. Er konnte alles damit begründen, was er nicht erreicht hat“, sagte der langjährige Boss der Formel 1. Ihn künftig nicht mehr an die Rennstrecke zu lassen, „würde ich ihnen nicht empfehlen“, sagte Ecclestone. Er beteuerte zudem: „Ich bin nicht gegen schwarze Menschen. Ganz im Gegenteil.“ Es sei nicht sein Fehler, dass er weiß sei oder auch etwas kleiner als andere. „Schwarze Menschen sollten sich um sich selbst kümmern“, fügte der Brite hinzu.

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