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Großer Preis von Indien : Maharadscha der Formel 1

Vijay Mallya ist indischer Milliardär, charmanter Playboy, knallharter Konzernchef, Besitzer der Brauerei-Kette United Breweries, der Fluglinie Kingfisher, eines Rennpferdegestüts, einer Kunstsammlung - und eines halben Formel-1-Teams. Bild: AFP

An diesem Wochenende macht der Formel-1-Zirkus erstmals in Delhi Station. Damit erfüllt sich ein Traum des Inders Vijay Mallya. Dem Milliardär gehört der Rennstall Force India - und er polarisiert wie kaum ein anderer.

          4 Min.

          Dieser Mann lässt keinen kalt. Die einen lachen über ihn, seine zur Schau gestellte Eitelkeit, seine Brillanten. Die anderen ärgern sich über ihn, weil seine Unternehmen überall in der Kreide stehen, Rechnungen ungern bezahlen. Dann gibt es die Speichellecker, die sich auf ihn einlassen, in seinem Windschatten groß und mächtig werden wollen. Und jene, für die er ein Idol ist, ein Vorbild an Lebensfreude, Bauernschläue und Durchsetzungskraft. Vijay Mallya, der selbsternannte „king of goodtimes“, indischer Milliardär, charmanter Playboy, knallharter Konzernchef, Besitzer der Brauerei-Kette United Breweries, der Fluglinie Kingfisher, eines Rennpferdegestüts, einer Kunstsammlung und eines halben Formel-1-Teams. Er polarisiert.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mit Edelsteinen in beiden Ohrläppchen, der goldenen Sonnenbrille von Porsche-Design und dem breiten Diamant-Armband mit seinen Initialen VJM, nimmt er nach dem freien Training an diesem Freitag auf der neuen Rennstrecke Greater Noida die Parade der Gratulanten ab. Seine Fahrer, der Bayer Adrian Sutil und der Schotte Paul di Resta, machen sich nach Rundenzeiten im oberen Mittelfeld Hoffnung, bei der Indien-Premiere am Sonntag ein paar Punkte gewinnen zu können. „Ich bin sehr, sehr stolz, dass wir das Rennen nach Indien holen konnten. Schon vor 30 Jahren sind wir Rennen in Chennai gefahren. Aber dass die Formel1 in Indien fährt, hätten wir uns nicht träumen lassen.“

          Bild: F.A.Z.

          Da stört es Mallya kaum, dass ihm sein Rennstall nicht mal mehr zur Hälfte gehört. Er musste einen weiteren schillernden Geschäftsmann an Bord holen, Subrata Roy, der rund 100 Millionen Dollar für seine 42,5 Prozent auf den Tisch gelegt haben soll. Das Geld hat Roy, obwohl ihn die indischen Steuerbehörden gerade unter die Lupe nehmen. Sein Konglomerat Sahara India Pariwar verdient am Betrieb von Krankenhäusern, Versicherungen, Banken, Fernsehkanälen und Einzelhandel. Roy machte Schlagzeilen, als sein Unternehmen versuchte, die Hollywood-Studios Metro-Goldwyn-Mayer zu kaufen.

          Er führt sein Haus mit einem starken mythischen Überbau, begreift seine rund 900.000 Mitarbeiter als „Familienmitglieder“. Das Hindi-Wort Pariwar im Firmennamen steht für „Familie“. Seit Roys Einstieg ins Formel-1-Geschäft heißt der Rennstall Sahara Force India, seine Aufgabe aber ist dieselbe geblieben: Er soll das Image seiner Besitzer und Indiens heben, er soll Spaß machen, und er soll Geld bringen. Bislang aber frisst er vor allem Kapital.

          Die erste private Fluglinie Indiens

          Mallya und Roy ergänzen sich prächtig: Beide sind bunte Vögel, Roy, der sich als „Managing Worker“ im Sahara-Konzern bezeichnet, ist eher verschlossen, Mallya offenherzig, solange es ihm nutzt. Beide sind Mitte fünfzig, beide investieren in ein Spektrum von Sportarten, wie in den Nationalsport Cricket. Beide gründeten Fluggesellschaften. Beide wuchsen in der Intellektuellen-Metropole Kalkutta auf, sprechen Bengali. Und beide sind Nationalisten, was den Indern gut gefällt. „Unser Einstieg geht weit über den Kauf eines Anteils hinaus. Er ermöglicht uns, die indische Fahne in einer der weltweit am meisten verfolgten Sportarten hochzuhalten“, sagt Roy. Mallya nickt.

          Der Bayer Adrian Sutil und der Schotte Paul di Resta fahren für Mallyas Rennstall.  Nach Rundenzeiten im oberen Mittelfeld machen sich die beiden Hoffnungen, bei der Premiere in Indien punkten zu können.
          Der Bayer Adrian Sutil und der Schotte Paul di Resta fahren für Mallyas Rennstall. Nach Rundenzeiten im oberen Mittelfeld machen sich die beiden Hoffnungen, bei der Premiere in Indien punkten zu können. : Bild: dpa

          Etwas anderes könnte er auch nicht. Denn der Gründer der ersten privaten Fluglinie Indiens hat hoch gepokert und wartet immer noch auf den Gewinn. Seine Fluggesellschaft muss restrukturiert werden, große Pläne im internationalen Geschäft sind auf Eis gelegt. So unkonventionell Mallya daherkommt, ihn als exzentrischen Paradiesvogel zu unterschätzen, wäre ein großer Fehler. Aus seinem Büro an Bombays Südspitze, im fünften Stock des Hoechst-Hauses, in dem auch das Deutsche Konsulat sitzt, dreht er ein großes Rad. Den Einstieg ebnete ihm sein Vater Vittal, der lange Zeit das Geschäft von Hoechst in Indien leitete.

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