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Grand Prix von Istanbul : 2.000 Polizisten, Spürhunde und Metalldetektoren

  • Aktualisiert am

Michael Schumacher macht erste Bekanntschaft mit der Rennstrecke Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das erste Gastspiel der Formel 1 am Bosporus findet unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen statt. Der Große Preis der Türkei soll vor allem das Image des Landes verbessern. Im freien Training wurde Michael Schumacher Dreizehnter.

          Die Formel 1 ist eine Insel. Deswegen beschäftigt sie sich auch vor dem Großen Preis der Türkei in Istanbul, dem 14. von 19 Weltmeisterschaftsläufen, hauptsächlich mit sich selbst. Wichtig ist die Frage, ob Renault nach der fruchtlosen Fahrt von Ungarn am Sonntag wieder punkten und Fernando Alonso seine WM-Führung ausbauen kann. Ob Michael Schumachers zweiter Platz im Ferrari das Zeichen zur Wende oder nur ein einmaliger Glücksfall war. Und ob Kimi Räikkönens Sieg in Budapest McLaren weiter beflügeln wird. Und wenn im inneren Zirkel der Vollgasbranche von Politik die Rede ist, meint niemand die Lage in der Welt, in Europa oder am Bosporus.

          Es geht um allfällige Wechsel im eng umgrenzten Beziehungsgeflecht, um Fahrer- und Motorenpoker. Während der dreiwöchigen Sommerpause wurde etwa Barrichellos Abschied von Ferrari in Richtung BAR besiegelt. Dazu Massas Wechsel von Sauber zu Ferrari - der Brasilianer testet bereits nächste Woche für seinen künftigen Arbeitgeber. Und die künftige Partnerschaft von Williams mit Motorenhersteller Cosworth vom kommenden Jahr an (Siehe auch: Ergebnisse Formel 1)

          Fährverkehr für Fans

          Die Fahrer haben in der Zwischenzeit versucht, mit Hilfe von Computerspielen die neue, vom Aachener Architekten Hermann Tilke entworfene Strecke kennenzulernen. Erst am Donnerstag sind sie physisch mit der neuen Piste in Berührung gekommen - und nicht viel früher mit der Elf-Millionen-Stadt am Bosporus, der Dauerbewerberin um Olympische Spiele, die erstmals die Formel 1 zu Gast hat.

          Spätestens, als sie zum ersten Mal den Weg von den großen Luxushotels zur 50 Kilometer vom Zentrum entfernten Strecke zurücklegen mußten, waren aber wohl alle in der Realität angekommen. Das „Otodrom“ liegt in dem Ort Kurtköy auf der asiatischen Seite der Stadt, der Formel-1-Troß muß sich also täglich über die beiden verstopften Bosporus-Brücken quälen. Fährverkehr für Fans soll die Straßen entlasten. Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen dürften auch nicht gerade zum reibungslosen Ablauf beitragen.

          Hunde beschnüffeln Tribünen

          2000 Mitglieder einer paramilitärischen Polizeieinheit, so wird aus Istanbul gemeldet, sollten den Grand Prix vor möglichen Terroranschlägen schützen, dazu Agenten in Zivil und 4000 unbewaffnete Sicherheitskräfte. Hunde werden die Tribünen beschnüffeln, Autos sollen durchsucht werden, und die Fans müssen Metalldetektoren passieren. „Terrorismus“, wird Mumtaz Tahincioglu, der Chef der türkischen Motorsport-Föderation, in mehreren Medien zitiert, „ist auch ein Problem für den Rest der Welt, nicht nur für die Türkei.“

          Eine Serie von Bombenanschlägen im Juli und August auf türkische Tourismus-Zentren hat aber trotzdem gerade in Istanbul die Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen nötig gemacht. Erst vor drei Wochen starben bei der Explosion einer Bombe, die in einem Vorort von Istanbul nahe der Rennstrecke in einem Papierkorb versteckt war, zwei Menschen.

          Bedeutung für den Fremdenverkehr

          Eigentlich soll der Große Preis der Türkei nicht etwa die Ängste der Besucher schüren, sondern genau das Gegenteil bewirken. So hob Premierminister Erdogan bei einem Besuch der Rennstrecke am Montag die immense Bedeutung des Formel-1-Grand Prix für den Fremdenverkehr hervor. „Dies wird dem Image unseres Landes einen bedeutenden Aufschwung geben“, wird er von den englischsprachigen „Turkish Daily News“ zitiert.

          Die Kosten hierfür waren hoch: Zwischen 110 und 120 Millionen Euro soll der Kurs gekostet haben - das ist erheblich mehr als ursprünglich veranschlagt worden war. Finanziert wurde die Strecke von der türkischen Handelskammer. „Manche Dinge sind nicht mit Geld aufzuwiegen“, sagte Erdogan zu diesem Thema.

          Keine Schwierigkeiten mit unbekannten Strecken

          5,240 Kilometer lang ist die türkische Berg-und-Tal-Bahn, die in die karge Landschaft gebaut wurde, sie hat sechs Rechts- und acht Linkskurven und wird - wie die Strecken von Imola und Interlagos - linksherum befahren. Die größte Besonderheit, so Architekt Tilke, sei die 180-Grad-Kurve, die aus geraden Segmenten zusammengesetzt worden sei und deshalb keinen flüssigen Kurvenradius ermögliche. Die Teams, die bis auf Ferrari drei Wochen lang keine Testfahrten bestritten haben, studierten die Verhältnisse mit Hilfe von Computersimulationen, während Reifenhersteller Michelin am Ort die Beschaffenheit des Asphalts prüfte.

          Erst am Donnerstag machte zum Beispiel Michael Schumacher auf dem Motorroller mit der Strecke Bekanntschaft. Die Formel-1-Piloten sind es gewohnt, sich rasch auf neue Pisten einzustellen. Vor zwei Jahren bestritten sie eine Premiere in Bahrein, im vergangenen Jahr in Schanghai. „Ich habe im Normalfall keine Schwierigkeiten mit unbekannten Strecken“, erklärt der erfahrene Schumacher. „Wenn man auf einem neuen Kurs fährt“, erklärt auch Toyota-Pilot Jarno Trulli, „hat das keinen großen Effekt auf das Wochenende.“ Im ersten Training am Freitag lerne man den Kurs kennen, im zweiten Training sei schon alles ganz normal - „und das restliche Wochenende läuft wie gewohnt“.

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