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Grand Prix auf dem Nürburgring : Schumacher bremst Alonso wieder aus

  • Aktualisiert am

Freudentag: Michael Schumacher springt aufs Podium Bild: REUTERS

Zwei gute Boxenstopps, die richtige Strategie und ein fehlerfreies Rennen haben Michael Schumacher den Sieg auf dem Nürburgring beschert. Er feierte vor 121.000 Zuschauern seinen zweiten Saisonerfolg und kommt Weltmeister Fernando Alonso im Titelrennen immer näher.

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          Zwei perfekte Boxenstopps, die goldrichtige Strategie und ein fehlerfreies Rennen haben Michael Schumacher den Sieg beim Formel-1-„Heimspiel“ auf dem Nürburgring beschert.

          Der Ferrari-Star feierte vor 121.000 Zuschauern zwei Wochen nach Imola den zweiten Saisonerfolg und rückt Weltmeister Fernando Alonso im Titelrennen immer näher. Der Renault-Pilot aus Spanien belegte nach einem packenden Duell mit Schumacher den zweiten Platz und führt nach dem 5. von 18 WM-Läufen die Gesamtwertung nur noch mit 13 Punkten Vorsprung vor dem Rekord-Weltmeister an.

          „Es geht gegen Ferrari“

          „Ich bin überglücklich. Beim Heim-Grand-Prix zu gewinnen, ist immer ein schönes Gefühl“, sagte Schumacher und dankte seinen Fans: „Ich hoffe, ihr hattet alle Spaß.“ Auf diesem Ergebnis könne man aufbauen, auch wenn er in der WM nur zwei Punkte aufgeholt habe, meinte der Triumphator weiter: „Wir sind jetzt zuverlässig und schnell.“

          Erster: Michael Schumacher am Ziel

          Alonso konnte mit dem zweiten Platz gut leben: „Ich habe ja nur zwei Punkte verloren, das ist okay.“ Den Grund für die Niederlage hatte er schnell gefunden: „Ich kam bei meinem zweiten Stopp drei Runden vor Schumacher in die Box - das war einfach zuviel.“ Und Renault-Teamchef Flavio Briatore sieht schwere Zeiten anbrechen: „Jetzt wissen wir: Es geht gegen Ferrari. Glückwunsch, denn die haben einen sehr guten Job gemacht.“

          Böllerschüsse im Wohnzimmer

          Für Schumacher war es der fünfte Sieg in seinem „Wohnzimmer“ in der Eifel nach 1995, 2001, 2002 und 2004 sowie der insgesamt 86. seiner beispiellosen Karriere. Die Entscheidung fiel in der 41. von 60 Runden, als Schumacher vor seinem zweiten Boxenstopp für drei Umläufe länger auf der Strecke blieb als der zuvor führende Alonso und in dieser Zeit die entscheidenden Sekunden gutmachte. Für den Spanier war damit der Traum von einer Wiederholung seines Vorjahressieges auf dem Nürburgring ausgeträumt. Als Schumacher 400 Meter vor seinem spanischen Rivalen aus der Boxengasse zurück auf die Piste bog, kannte der Jubel seiner Fans keine Grenzen. Böllerschüsse und ein rotes Fahnenmeer begleiteten den Lokalmatadoren auf jeder der verbleibenden Runden. Damit ist Schumacher bestens gerüstet für das Gastspiel in der „Höhle des Löwen“, denn der nächste Grand Prix findet bereits am kommenden Sonntag (14. Mai) in Alonsos Heimat in Barcelona statt und ist längst mit 135.000 Zuschauern ausverkauft.

          Ralf Schumacher im Pech

          ritter wurde Schumachers Teamkollege Felipe Massa (Brasilien) vor WM-Mitfavorit Kimi Räikkönen (Finnland) im McLaren-Mercedes. Ein Erfolgserlebnis gab es für Neuling Nico Rosberg (Wiesbaden), der bei seinem ersten „Heimspiel“ als Siebter im Williams-Cosworth gleich in die Punkte fuhr. Einen WM-Zähler eroberte auch BMW-Sauber-Pilot Jacques Villeneuve (Kanada) auf Position acht. Teamkollege Nick Heidfeld (Mönchengladbach) ging auf Rang 10 leer aus. Pech hatte Ralf Schumacher, der seinen Toyota sechs Runden vor Schluß an sechster Stelle fahrend mit Motorschaden abstellen mußte.

          Beim Start schaffte es Michael Schumacher nicht, Pole-Mann Alonso bis zur ersten Kurve anzugreifen. Hinter ihm geriet Schumachers Teamkollege Felipe Massa ein wenig unter Druck von Jenson Button und Kimi Räikkönen, behauptete aber Rang drei. Heidfeld erwischte einen guten Start und fuhr vom 13. auf den 9. Platz vor, Ralf Schumacher dagegen fiel vom 10. auf den 15. Platz zurück. An der Spitze fuhren zunächst Alonso und Michael Schumacher ähnliche Zeiten und blieben im Sekundenabstand. In der 17. Runde ging Alonso erstmals an die Box und überließ dem Ferrari-Piloten zunächst die Führung. Der tankte eine Runde später nach und kam knapp hinter Alonso wieder auf die Strecke zurück. Neuer Spitzenreiter wurde Räikkönen, der in Runde vier Button überholt hatte. Der „Iceman“ mußte in Runde 23 zum ersten Stopp und fiel dadurch wieder auf Rang 4 zurück. An der Spitze lagen dann wieder Alonso und Michael Schumacher.

          „Formationsflug“ an der Spitze

          Rosberg, der nach einem Motorwechsel vor der Qualifikation nur auf Startplatz 22 gestanden hatte, blieb am längsten mit der ersten Tankfüllung draußen und hatte sich damit zwischenzeitlich auf den 5. Platz nach vorne gearbeitet. In Runde 33 mußte er dann aber auch die Box ansteuern und fiel wieder auf Position 10 zurück. Ralf Schumacher, der erst in Runde 29 zum ersten Mal gestoppt hatte, lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz 6.

          Alonso und Michael Schumacher setzten unterdessen an der Spitze mit wechselnd schnellsten Runden ihren „Formationsflug“ fort, der Abstand zwischen den beiden blieb ständig zwischen einer halben und zwei Sekunden. In Runde 38, als Schumacher gerade zwei schnellste Runden am Stück gedreht hatte, ging Alonso zum zweiten Mal an die Box. Schumacher fuhr sofort eine weitere Rekordrunde und blieb danach noch zwei Umläufe auf der Strecke, bevor er dann in Runde 41 zum entscheidenden Stopp einbog. Dabei wurde er zwei Sekunden schneller abgefertigt als zuvor Alonso und kam diesmal vor dem Spanier zurück auf die Strecke. Als Räikkonen in Runde 44 zum zweiten Mal tankte, übernahm Schumacher unter dem Jubel der Fans die Spitze.

          Nach dem Großen Preis von Europa, dem 5. von 18 Läufen zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2006, ergibt sich folgender Punktestand in der Fahrerwertung:

          1. Fernando Alonso (Spanien) Renault 44 Punkte
          2. Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari 31
          3. Kimi Räikkönen (Finnland) McLaren-Mercedes 23
          4. Giancarlo Fisichella (Italien) Renault 18
          5. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 15
          6. Juan Pablo Montoya (Kolumbien) McLaren-Mercedes 15
          7. Jenson Button (Großbritannien) Honda 13
          8. Ralf Schumacher (Kerpen) Toyota 7
          9. Mark Webber (Australien) Williams-Cosworth 6
          10. Rubens Barrichello (Brasilien) Honda 6
          11. Jacques Villeneuve (Kanada) BMW-Sauber 6
          12. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) BMW-Sauber 5
          13. Nico Rosberg (Wiesbaden) Williams-Cosworth 4
          14. David Coulthard (Großbritannien) Red-Bull-Ferrari 1
          15. Christian Klien (Österreich) Red-Bull-Ferrari 1
          Bei Punktgleichheit werden für die Ermittlung der Plazierungen die besten Einzelresultate hinzugezogen.

          Teamwertung:
          1. Renault 62 Punkte
          2. Ferrari 46
          3. McLaren-Mercedes 38
          4. Honda 19
          5. BMW-Sauber 11
          6. Williams-Cosworth 10
          7. Toyota 7
          8. Red-Bull-Ferrari 2

          Nächster WM-Lauf: Großer Preis von Spanien am 14. Mai in Barcelona

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