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Großer Preis der Steiermark : Mercedes im Schleudergang

Auf und davon in der Steiermark: Aus der Sicht von Mercedes und Hamilton war Verstappen am Sonntag uneinholbar – wegen des Honda-Motors? Bild: Reuters

Souverän gewinnt Max Verstappen das Formel-1-Rennen in Österreich vor dem Silberpfeil-Duo Hamilton und Bottas. Sebastian Vettel geht leer aus.

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          Was ein Glück: Die Formel 1 fährt zweimal binnen einer Woche in Österreich auf derselben Rennstrecke. Darauf freut sich Max Verstappen. Denn ihm winkt eine Wiederholung. Am Sonntag gewann er die erste Ausgabe in seinem Red Bull vor Lewis Hamilton und Valtteri Bottas (beide Mercedes) so souverän, dass Simulationsexperten auf einen kleinen Siegeszug des Niederländers in der Steiermark tippen. Er könnte sich als wichtiger Schritt zu einem erfolgreichen Kampf um den WM-Titel erweisen. Verstappen baute seine Führung in der Fahrerwertung (156) auf 18 Punkte vor Hamilton (138) aus. Dem Weltmeister gelang mit dem Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde eine Schadensbegrenzung.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nuancen entscheiden die Rennen. Das ist die Geschichte dieser Saison. Sie erzählt von einer Leistungsverdichtung im ganzen Feld. Jahrelang hat Mercedes dominiert und sich Fehler leisten können. Vieles von dem, was schiefging während der Fahrt, wurde „überfahren“. Der Vorsprung war zu groß. Inzwischen reicht die Abweichung einer Strategie-Kalkulation um wenige Sekunden; schon ist der Gegner vorbei. So geschehen beim Grand Prix in Frankreich vor gut einer Woche. Am Sonntag sollte es, so die Prognose von Teamchefs, Reifenflüsterern und Spitzenpiloten, wieder so kommen im Duell zwischen Verstappen und Hamilton.

          Verstappen zeigt keine Schwäche

          Wer erlaubt sich ein Fehlerchen? Der Niederländer begann perfekt. Mit einem blitzsauberen Start von der Pole-Position hielt er den siebenmaligen Weltmeister hinter sich und baute einen kleinen Vorsprung auf. Hamilton blieb in Sichtkontakt – bis er beinahe seinen Silberpfeil „verloren“ hätte. Akrobatisch fing der Engländer nach einem Fahrfehler das wedelnde Heck des Mercedes ein. Der Champion im Schleudergang. Das hatte symbolische Bedeutung. Auch am Samstag war er mehrmals deutlich von der Ideallinie abgekommen. Der Mercedes muss am Limit gefahren werden, um mit dem Red Bull mithalten zu können.

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          Das ist wohl auch ein Grund für die Distanz der Teamkollegen. Sie mussten hinter den Titel-Kandidaten abreißen lassen. Das hing allerdings mit ihren Startplätzen zusammen. Ehe Sergio Perez an Lando Norris (Startplatz drei) vorbeigekommen und Bottas seine Strafversetzung wegen eines Dreher in der Boxengasse beim Training auf Platz fünf ausgeglichen hatte mit dem Sprung auf Rang vier, war das Duo an der Spitze rund dreizehn Sekunden voraus. Zuviel für Attacken, aber genügend, um bei den Strategiespielen ihrer Rennställe eine Rolle zu spielen. Wer könnte seinen Chefpiloten stützen? Bottas kam in die Position, aber nur mit Hilfe von Red Bull. Weil die Boxenstopp-Weltmeister quälend lange brauchten, ehe sie Perez mit neuen Reifen losschickten: 4,8 Sekunden.

          Perez' Boxenstopp kostet ihn das Podium

          So hatte der Internationale Automobil-Verband FIA seine Klarstellung nicht verstanden wissen wollen. Seine jüngste Direktive stellte die Regeltreue von Red Bull beim Akkordservice infFrage. Weil die Abfertigung unterhalb von zwei Sekunden dem Menschen nicht möglich sein soll. Bei Perez hatte die Verzögerung andere Gründe als die Folgen der Maßregelung – auf Betreiben der Konkurrenz: Menschliches Versagen unter Stress. Im Fall von Verstappen aber gelang der Crew eine Punktlandung: 2,0 Sekunden. Wieder verpuffte eine Hinterzimmer-Attacke.

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          Nachdem Red Bull den Heckflügel auf FIA-Anordnung mehr oder weniger folgenlos versteift und die neue Reifendruckkontrolle dem österreichischen Rennstall nicht die Luft genommen hat, muss Mercedes Recht gegeben werden: Der Red Bull ist das schnellere Auto. „Ich fühlte mich allein“, bekannte Hamilton, „wir hatten keine Chance auf der Geraden.“ Weil der Honda-Motor im Red Bull 14 PS mehr hat, obwohl die Erneuerung nur einer besseren Standfestigkeit dienen darf? Verstappen mag die Anspielung nicht hören. Zumal ein verlässlicherer Antrieb eine höhere Belastung erlaubt. Sicher ist in dieser Kampfzone nur eines: Die Rennställe suchen fieberhaft nach Sekundenbruchteilen, beim Gasgeben wie beim Bremsen (der Konkurrenz).

          Der Rennverlauf am Sonntag wird die Bemühungen eher steigern. Während die Co-Piloten Bottas und Perez (4.) dreißig Runden vor dem Ende keine gesamtstrategische Bedeutung mehr spielten, kontrollierte Verstappen den Kreisverkehr, zog er Hamilton zehn Touren vor dem Ende auf zehn Sekunden davon. „Wir müssen irgendetwas verbessern“, sagte der Engländer. „Da muss was kommen.“ Am Sonntag blieb den 15.000 Zuschauern nur der hoffnungsvolle Blick auf Spannung im Mittelfeld. Charles Leclerc sauste nach seinem Frontflügelwechsel wegen eines Scharmützels in der ersten Runde bis auf Rang sieben vor, ständig im Überholmodus. In seinem Ferrari zog er früh an Mick Schumacher vorbei.

          Dem war es egal. Ferrari ist (noch) nicht seine Kragenweite. Nach ein paar Problemen kam er in die Gänge und ließ seinen Teamkollegen Nikita Masepin wieder nur Rang zwei im teaminternen Duell bei Haas: 16. Sebastian Vettel hätte Leclerc gerne aufgehalten. Allein um zu zeigen, dass sich seine Abschiebung zu Aston Martin rächt. Keine Chance. Nach zuletzt sehr guten Rennen kam der viermalige Weltmeister in Spielberg nicht auf Tempo. Während sein Teamkollege Lance Stroll Achter wurde, musste sich der Hesse mit Platz zwölf begnügen. Die Piste ist nicht sein Terrain in diesem Jahr. „Vielleicht am nächsten Sonntag.“ Dann werden die Fahrer mehr Zuspruch erhalten. Die Behörden öffnen die Tore. 50.000 Karten, sagt der Veranstalter, sind verkauft.

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