https://www.faz.net/-gtl-7uzft

Kommentar : Gebremste Hoffnung in der Formel 1

Wer bremst verliert - und schließt dennoch nicht alle Risiken aus Bild: Reuters

Die Formel 1 verordnet sich ein ferngesteuertes Tempolimit für gefährliche Situationen. Das ist eine gute Idee. Und dennoch bleibt ein Risiko.

          1 Min.

          Ein Tempolimit in der Formel 1? Der Sport, dessen Geschwindigkeitsrausch so viel Faszination auslöst, dass Potentaten in aller Welt ihren Teams den Hof machen, wie an diesem Wochenende in Sotschi, soll jetzt bei Bedarf von außen, auf Knopfdruck gebremst werden können. Das ist die Konsequenz, die der Internationale Automobilverband Fia und sein Rennleiter, Charlie Whiting, aus Jules Bianchis schwerem Unfall vergangene Woche in Suzuka ziehen. Um zu verhindern, dass riskante Bergungsaktionen zur Gefahr für andere Fahrer und die Streckenposten werden, sollen die Piloten bei einer ähnlichen Situation wie in Japan in Zukunft ferngesteuert eingebremst werden. In Sotschi sagte der Mexikaner Sergio Perez, wie er sich verhält, wenn ihm Streckenposten mit gelben Flaggen signalisieren, langsamer zu machen: „Kurz lupfen.“ Heißt übersetzt: Wer bremst, verliert. So funktioniert der Instinkt der Rennfahrer. Deshalb ist die Bremsung auf Knopfdruck eine gute Idee.

          Aber Bianchis Unfall hat gezeigt, dass bei allen Verbesserungen der Sicherheit in der Formel 1 eine kurze Kette unglücklicher Umstände ausreicht, um Leib und Leben in höchste Gefahr zu bringen. Bianchis Fahrzeug war außer Kontrolle geraten. Bei einer minimalen Veränderung der physikalischen Variablen, die in dieser unglückseligen Gleichung wirkten, hätten Streckenposten sterben können.

          Ein Sekundenbruchteil reicht

          Solange das Tempolimit noch nicht gilt, solange Radlader zur Bergung gestrandeter Fahrzeuge eingesetzt werden, bleibt das Risiko so hoch wie in Suzuka. Dort, sagt Whiting nun, hätte „nichts bessergemacht werden“ können. Trotzdem kämpft Bianchi im Krankenhaus um sein Leben. Und in Sotschi stehen wieder Radlader zur Bergung bereit.

          Vermutlich werden die Streckenposten kaum ohne den gleichzeitigen Einsatz des Safety Cars ausrücken. Ob das reicht? Man kann nur hoffen. Auf ein Rennen ohne Schicksalsschlag. Das ist zu wenig. In Suzuka hatte ein Sekundenbruchteil gereicht, um zu zeigen, wie schnell die Hoffnung vergeblich sein kann.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.