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Kommentar zur Formel 1 : Machtspiel des Paten

  • -Aktualisiert am

Bernie Ecclestone (rechts) mit Chase Carey, dem neuen starken Mann Bild: Imago

Der Führungswechsel in der Formel 1 führt in eine Phase der Destabilisierung. Ecclestones Ära ist zu Ende, doch mit dem neuen Triumvirat ist es nicht getan.

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          Wenn Bernie Ecclestone in der Formel 1 sprach, haben alle Zeugen andächtig zugehört, ob nun Lakaien oder Konzernführer. Hinterher wurde schon mal verstohlen gelacht über seinen schwarzen Humor oder über seine unsägliche Bewunderung für Diktaturen. Aber selten ist so wenig gezweifelt worden wie an dieser frei übersetzten Prophezeiung des Briten: „Mich werden sie mit den Füßen voran aus dem Fahrerlager tragen.“

          Jetzt ist er achtkantig hinausgesetzt worden, quicklebendig. Aber er möge doch Teil der Familie bleiben, sein Rat werde gebraucht. Der neue Chef aus den Vereinigten Staaten, Chase Carey, will den alten gerne behalten: Ecclestone soll Frühstücksdirektor werden. Nur über meine Leiche, das könnte man dem Engländer in den Mund legen, ohne eine Falschaussage zu formulieren. Niemals wird der Milliardär als Alterspräsident dem neuen Projekt seinen Segen geben. Und sei der Job noch so gut dotiert. Ecclestone interessiert nicht Geld, sondern Macht.

          Was wird aus Ecclestones Vertrauten?

          Mit der Installierung eines Triumvirates samt Carey, dem Formel-1-Insider Ross Brawn und dem Marketingexperten Sean Bratches ist es also nicht getan, falls das alte Machtsystem des Paten wirkungsvoll beseitigt werden soll. Dazu müsste der Nachfolger in die Tiefe des Formel-1-Netzwerkes vordringen und die über Jahrzehnte geflochtenen Verbindungen kappen, Ecclestone-Vertraute ebenfalls von ihren Aufgaben entbinden. Sie haben enorm von ihrem Patron profitiert, von seinen Zuwendungen und Vergünstigungen. Sie werden ihm weiterhin zur Seite stehen und mit Informationen füttern, die der gewiefte Ecclestone nutzen könnte.

          Es wäre nicht das erste Mal, dass er, totgesagt wegen einiger Skandale, ganz munter wieder hineinspaziert in den Zirkus. 2014 entkam er einem Verfahren wegen des Verdachtes der Bestechung mit der Zahlung von 100 Millionen Dollar. Niemand aus der Branche nahm öffentlich Anstoß an Ecclestones intensiver Verwicklung in diesen Fall. Die Angst vor Repressionen war zu groß.

          Das Ende der Ära könnte also befreiend wirken. Aber darin liegt auch eine Gefahr für die neue Führung. Wenn hier und da herauskäme, was so getrieben worden ist in den vergangenen Jahren. Wenn alte Geschichten genutzt würden, um sich neu zu positionieren. Der Führungswechsel führt bei allem Respekt vor dem Ansatz von Carey und Brawn, Gerechtigkeit walten zu lassen und Vertrauen zu schüren, zunächst in eine Phase der Destabilisierung. Niemand weiß, ob Liberty seine Versprechen halten und die Formel 1 so überteuert verkaufen kann, wie es Ecclestone teilweise gelang. Er wird ihnen dabei nicht helfen, jedenfalls nicht im Range eines Frühstücksdirektors. Solange Liberty nicht liefert, ist das Machtspiel noch nicht beendet.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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