https://www.faz.net/-gtl-7semp

Freie Fahrt für Bernie : Der nächste Fehler

Bild: afp

All den jubelnden Ecclestone-Anhängern zum Trotz hilft die Einstellung des Verfahrens der Formel 1 nicht weiter. Im Gegenteil.

          2 Min.

          Fehler macht doch jeder mal“, hat Niki Lauda, Aufsichtsrat des Formel-1-Teams von Mercedes, neulich dieser Zeitung gesagt. Wohl wahr. Aber das ist doch kein Grund, voll Kummer zurückzuschauen. Schon gar nicht, wenn es um Bernie Ecclestone geht. Der Brite, behauptet Lauda, sei schließlich „nicht zu ersetzen“. Und so soll die Lösung des Problems vor Gericht mit viel Geld – so ähnlich agiert Ecclestone auch in der Formel 1 – kein Skandal, sondern ein Segen für den Sport sein.

          Ecclestones Freunden in der Rennserie gibt der Verlauf des Prozesses in einem Punkt Recht: Verfahrenseinstellungen gegen Geldauflage sind Alltag vor deutschen Gerichten, geschehen hunderttausendfach jedes Jahr. Spektakulär wird es bei Ecclestone durch die Höhe der Zahlung: 100 Millionen Dollar (75 Millionen Euro) hielten Staatsanwaltschaft und Verteidigung schließlich angesichts der Vermögens- und Einkommensverhältnisse für angemessen. Mit der Einlösung des Zahlbefehls hat Ecclestone nun offiziell als unschuldig zu gelten. Hätten die Ankläger Beweise für die Bestechung präsentiert, hätten Zeugen der vermeintlich geschädigten Bayerischen Landesbank dem Verdacht nicht teilweise widersprochen, wäre es nie zu diesem auf den ersten Blick suspekten Finale gekommen.

          Egoismus der Großen, Angst der Kleinen

          Lauda und all den jubelnden Ecclestone-Anhängern zum Trotz hilft die Einstellung des Verfahrens der Formel 1 aber nicht weiter. Im Gegenteil. Die bekannteste Motorsportserie der Welt befindet sich in einem arg ramponierten Zustand: Klamme Teams suchen Sponsoren und werden von Ecclestone mehr schlecht als recht über Wasser gehalten, die wenigen reichen Rennställe suchen und finden dank Ecclestone immer wieder neue Wege, den Wettbewerb zu ihren Gunsten zu gestalten, während der kleine Brite schamlos und deshalb erfolgreich Autokraten, Potentaten und Diktatoren hofiert, damit sein Rennzirkus, die Teams und der Besitzer der Vermarktungsrechte Millionen einstreichen können, demnächst in Putins Sotschi.

          Lauda und die Teamchefs der großen Rennställe wie Ferrari, Red Bull und McLaren applaudieren Ecclestone dafür. Obwohl auch sie genau wissen (müssten), dass dessen Geschäftsmodell allenfalls ihrer Positionserhaltung dient, aber eigentlich längst überholt ist. Ecclestone, bald 84 Jahre alt, lässt weder die modernen Medien nutzen, noch investiert er in Marketing, um das Spielfeld der Formel 1 zu erweitern. Laudas Lob sozusagen als Sprecher der Beletage ist umso erstaunlicher, weil sein Chef, Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Ecclestone unabhängig vom Ausgang des Verfahrens aufforderte, für eine dringend notwendige Modernisierung Macht abzugeben. Sollte Zetsches Forderung ohne Konsequenz verhallen, wird der Serie kaum zu helfen sein. Der Egoismus der großen Rennställe und die Angst der Kleinen führt sie in die Starre. Ja, jeder macht Fehler – die Formel 1 gerade den nächsten.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Weitere Themen

          Djokovic muss Australien verlassen Video-Seite öffnen

          Gericht weist Einspruch zurück : Djokovic muss Australien verlassen

          Kurz vor dem Start der Australien Open beschloss das Bundesgericht in Melbourne, dass der serbische Tennis-Star Ausreisen und zusätzlich die Gerichtskosten tragen muss. Bis zu seiner Ausreise muss er in Gewahrsam bleiben.

          Topmeldungen

          Entscheidung von Bundesgericht : Novak Djokovic muss Australien verlassen

          Nach tagelangem Chaos entscheiden drei Bundesrichter endgültig gegen den weltbesten Tennisspieler: Novak Djokovic darf nicht in Australien bleiben. Kurz danach kommentiert der Serbe das Urteil in einer Erklärung.