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Formel 1 : „Wir sind die Mafia“

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Unterschiedliche Talente und ein Ziel: Mosley (r.) und Ecclestone Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Bernie Ecclestone und Max Mosley sprechen vor dem Grand Prix in Silverstone im Interview mit der F.A.Z. über Geld, abgebrochene Flügel und Enzo Ferraris Geschäftsmethoden.

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          Bernie Ecclestone und Max Mosley sprechen vor dem Grand Prix in Silverstone im Interview mit der F.A.Z. über Geld, abgebrochene Flügel und Enzo Ferraris Geschäftsmethoden.

          Was wäre die Formel 1 heute ohne Sie?

          Mosley: Ohne Bernie wären wir vielleicht noch im Jahre 1969. Bestenfalls aber auf dem Niveau der Rallye-WM.

          Ecclestone: Bevor Max FIA-Präsident wurde, gab es keine starke Sportbehörde. Wir haben damals Regelkonflikte selbst gelöst. Als Colin Chapman und ich den Verdacht hatten, daß McLaren einen illegalen Frontflügel einsetzte, sind wir draufgestiegen und haben ihn abgebrochen.

          Der fünfjährige Streit mit den Automobilkonzernen ist mehr oder weniger beendet. Es wird keine rivalisierende Serie geben. Fühlen Sie sich als Sieger?

          Mosley: Gewinnen ist das falsche Wort. Das Ergebnis ist gut für den Sport. Der Ausgang dieses Streits stand immer fest. Es war nur eine Frage der Zeit, wieviel Ärger wir alle bereit waren zu ertragen.

          Ecclestone: Es gibt keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren der Formel 1 sehr geschadet. Die Teams haben viel Geld verloren, weil viele Sponsoren aus Zweifel wie es weitergeht, gezögert haben. Wir haben ohne Grund einen Sport mit stabilen Abläufen destabilisiert.

          Hatten Sie in den fünf Jahren nie Sorgen, daß die andere Partei die Macht ergreift?

          Ecclestone: Die Hersteller wollten sich nie länger als zwei Jahre verpflichten. Nicht einmal Ferrari. Glauben Sie, ein Veranstalter oder eine Fernsehanstalt läßt sich auf so ein Risiko ein? Max und ich wissen, was es heißt, eine Konkurrenzserie ins Leben zu rufen. Wir haben es 1980 versucht, gegen eine FIA, die mit Jean-Marie Balestre (als Präsident) nur einen starken Mann hatte. Das Ende vom Lied war, daß nicht einmal wir es riskiert haben. Welche Chance sollten da die Hersteller haben?

          Es heißt häufig, daß die Achse Mosley-Ecclestone eine Art Mafia ist, die alles kontrolliert. Richtig oder falsch?

          Ecclestone: Falsch. Wir sind nicht nur ein Art Mafia, wir sind die Mafia.

          Mosley: Wenn die Teams unsere Entscheidungen zu treffen hätten, würde Stillstand herrschen.

          Welche Ära in der Formel 1 haben Sie am meisten genossen?

          Mosley: Das Jahr 1971. Mein March-Rennstall wurde Dritter in der Konstrukteurs-WM, unser Fahrer Ronnie Peterson Zweiter. Und wir hatten weniger Geld als unsere Konkurrenten.

          Ecclestone: Die frühen siebziger Jahre. Da hatte ich noch die Macht, Rennen abzubrechen. Das ist zweimal passiert, und zweimal hat ein March gewonnen. War das Zufall, Max?

          Mosley: 1975 hat es in Zeltweg wie aus Kübeln geschüttet. Wir haben (Vittorio) Brambilla mit einer Regenabstimmung ins Rennen geschickt, obwohl der Wetterbericht davon sprach, daß es später abtrocknen würde. Brambilla lag in Führung, es regnete immer stärker, und Bernie fragte mich plötzlich, ob ich einverstanden wäre, wenn wir das Rennen abbrechen, dafür aber nur halbe Punkte kriegen. Ich habe nicht nein gesagt.

          Der Internationale Automobil-Verband will die Technik in Zukunft einfrieren. Muß die Königsklasse denn auf diesem Gebiet nicht führend sein?

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