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Formel 1 : „Wie Russisches Roulette“

Not verbindet: Nach den Reifenschäden von Silverstone sind sich nun alle Teams weitgehend einig Bild: AP

Die Formel-1-Piloten drohen nach den Reifenschäden mit Streik. Der Motorsportverband Fia verlangt von Pirelli eine Sicherheitsgarantie. Der Hersteller schickt für das Rennen am Nürburgring andere Reifen.

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          Das Bild bleibt im Kopf: Gummifetzen wirbeln durch die Luft, die Lauffläche des Reifens samt Stahlgürtel löst sich von der Felge des McLaren von Sergio Perez, der Mexikaner kann seinen Rennwagen nur mit Mühe auf der Strecke halten. Tempo 290 auf dem Silverstone International Circuit, Fernando Alonso fährt mit seinem Ferrari direkt im Windschatten. Cockpitaufnahmen zeigen, wie der Spanier nach rechts lenkt, um von den Trümmerteilen nicht erwischt zu werden. Sie verfehlen seinen Kopf nur um wenige Zentimeter. „So etwas will niemand erleben“, sagte Alonso später. „Natürlich hatte ich Angst.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fünf Reifenschäden im Rennen, einer im Training - der Große Preis von Großbritannien am vergangenen Wochenende hat ein Nachspiel, und dieses Mal geht es um mehr als nur um Siege. „Die Verantwortlichen müssen das analysieren, denn so etwas ist nicht gut für die Formel 1“, sagte Sieger Nico Rosberg (Mercedes). Das Problem: Am Freitag soll die Raserei mit dem Training zum Großen Preis von Deutschland weitergehen - Formel Risiko.

          Krisensitzung am Mittwoch

          An diesem Mittwoch kommen die Verantwortlichen zu einer Krisensitzung zusammen. Bis dahin wollen die Spezialisten des Reifenherstellers Pirelli analysiert haben, was die Ursache für die Schäden war. An der Strecke in England wurden Schnitte auf der Innenseite der Gummis entdeckt, möglicherweise wurden sie von den Randsteinen verursacht.

          Noch während des Rennens reagierte Pirelli und wies die Teams an, den Reifendruck zu erhöhen. Die Unsicherheit aber blieb, und so gab Charlie Whiting, der Renndirektor des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), nach dem Grand Prix zu: „Es war knapp davor, die Roten Flaggen zu zeigen. Dieser Gedanke ging mir schon durch den Kopf.“ Ein Rennabbruch, weil niemand wusste, was als Nächstes geschehen würde. „Wenn so etwas passiert, dann ist das wie Russisches Roulette“, sagte Mark Webber, im Red Bull Zweiter am Sonntag vor Alonso.

          Geplatzt: Der hintere linke Reifen am Mclaren von Sergio Perez

          Seit Beginn dieser Saison wird in der Formel 1 über die Reifen diskutiert und gestritten. Zunächst ging es manchen nur nicht schnell genug. Schon nach wenigen Kilometern ließ die Haftung der Pneus nach, die Rundenzeiten stiegen um drei oder vier Sekunden. Das aber war die Aufgabe für Pirelli: Kaum zu „verstehende“ Reifen sollten spannende Rennen erzeugen. Immer wieder aber gab es Zwischenfälle, mittlerweile kam es in dieser Saison zu zwanzig Reifenschäden.

          Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) bezeichnete die Gummis schon vor Wochen als „unsicher“. Die Fahrervertretung (GDPA) schickte vor einem Monat einen Brief an Fia-Präsident Jean Todt und bat ihn darum zu handeln. Am Sonntagabend sagte Todt: „Von dem Moment an, in dem es Sicherheitsprobleme gibt, müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen und dürfen nicht emotional reagieren.“ Die Verantwortlichen von Pirelli wollten längst eine neue Konstruktion zum Einsatz bringen, allerdings war das nicht möglich.

          Laut Reglement müssen die Reifenmischungen und Reifentypen im September vor der jeweiligen Saison bestimmt werden. Änderungen sind dann nur noch möglich, wenn alle Teams zustimmen. Andernfalls müssten Pirelli oder die Fia von einem Sicherheitsproblem sprechen - ein PR-Desaster. Bisher legten Lotus, Ferrari und Force India stets ihr Veto ein. „Wir haben dagegen gestimmt, weil es für uns bisher nicht um die Sicherheit ging“, sagte Lotus-Teamchef Eric Boullier. „Wenn das jetzt ein Thema ist, dann werden wir Änderungen unterstützen.“

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