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Formel 1 : Wer zahlt, der fährt

  • -Aktualisiert am

Ein typischer Paydriver: Vitaly Petrow bringt russische Millionen mit Bild: dpa

Was lange ein Schimpfwort war, hat wieder Konjunktur in der Formel 1: „Paydriver“. Piloten, die das Team finanziell unterstützen, weil es sonst kaum überleben könnte. Der Deutsche Nick Heidfeld könnte dieser Entwicklung zum Opfer fallen.

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          Die Optik trügt. Mit 24 Autos ist das Formel-1-Feld auch an diesem Wochenende beim Großen Preis von Japan in Suzuka (siehe: Formel 1: Qualifying auf Sonntag verschoben) so gut bestückt wie seit 15 Jahren nicht mehr. Eine schöne Fassade, die nicht hält, was sie verspricht. Finanziell gesund sind nur Ferrari, McLaren, Red Bull und Mercedes. Der selbst auferlegte Sparzwang der Branche hat die Sorgen nicht kleiner werden lassen, sie beginnen jetzt bereits beim vermeintlich gut situierten Mittelstand. Das macht den Bezahlfahrer wieder attraktiv. Oder solche Piloten, deren Verpflichtung an einen lukrativen Sponsorvertrag gekoppelt ist.

          Schon in den neunziger Jahren suchten die ärmeren Teams ihre Wunschpiloten nach der Höhe ihrer Mitgift aus. Diese Praxis war in den fetten Jahren zwischen 2000 und 2009 etwas aus der Mode gekommen. Der englische Begriff „Paydriver“ wurde zum Schimpfwort, und es setzte sich die Erkenntnis durch, dass Resultate der bessere Weg sind, Geld zu verdienen. Doch in der vergangenen Saison erlebte der GP-Sport eine Zäsur. BMW und Toyota stiegen aus, das Renault-Team wurde zu 75 Prozent privatisiert. Sponsoren zogen sich zurück, weil die Formel 1 mehr schlechte als gute Nachrichten produzierte. Über Nacht war die Maßlosigkeit einer neuen Bescheidenheit gewichen. Und damit feiert nun auch der Paydriver ein Comeback.

          Selbst Teams wie Renault, Williams, Force India und Toro Rosso haben keine langfristig abgesicherte Perspektive. Sie träumen davon, dass es ihnen geht wie Sauber, die mit dem mexikanischen Telekommunikationsunternehmen Telmex das große Los gezogen haben. Man sagt, dass der Vorzeigekonzern von Carlos Slim, dem nach dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ reichsten Mann der Welt, rund 25 Millionen Euro für sein Engagement bezahlen wird. Nicht ohne Bedingungen. Mit Telmex kommt auch der zweite Fahrer neben dem gesetzten Kamui Kobayashi und ersetzt ab 2011 bei Sauber den Deutschen Nick Heidfeld.

          Sportliche Leistung zählt nur ein bisschen: Sutil bringt aber auch Geld mit
          Sportliche Leistung zählt nur ein bisschen: Sutil bringt aber auch Geld mit : Bild: dapd

          Seit Kart-Tagen gehört Sergio Perez zum Kader des Telefonriesen, der ein ähnliches Nachwuchsprogramm auf die Beine gestellt hat wie Red Bull. Perez ist also so etwas wie der mexikanische Sebastian Vettel. Für Sauber ist es kein Opfer, den 20-Jährigen an Bord zu nehmen. Der augenblicklich Zweite der GP2-Serie gilt immerhin als Talent.

          Kosten-Nutzen-Abwägung

          Bei Vitaly Petrow gehen die Meinungen auseinander, ob er den Platz bei Renault neben Robert Kubica auch wirklich verdient. Der 26 Jahre alte Russe ist hauptsächlich wegen seiner Nationalität im Team. Der neue Hauptaktionär des Rennstalls sah im russischen Markt eine brachliegende Geldquelle. Doch bislang sprudelt sie noch nicht so, wie es sich Gerard Lopez ausgemalt hat. Zwar soll Staatschef Wladimir Putin persönlich verfügt haben, dass Lada sich mit dem Projekt identifiziert, doch der russische Autohersteller gehört längst zur Renault-Familie. Der Konzern sponsert sich selbst. Seit einem Monat wirbt ein Schiffbauunternehmen aus Petrows Heimatstadt Vyborg auf den gelb-schwarzen Autos. Vater Petrow sitzt im Vorstand der Firma. Man kann sich also ausmalen, wie dieses Engagement zustande gekommen ist.

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