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Formel 1 : Wer stoppt Red Bull?

  • -Aktualisiert am
So soll der V6 Motor von Renault in der kommenden Saison in den Rennwagen plaziert werden

Auch Mercedes kaufte auf dem Techniker-Markt fleißig ein. Letzter Einkauf war Gerald Murphy, der CFD-Chef von Lotus. Mercedes verfolgte die gleiche Fährte wie Ferrari. Aufsichtsratschef Niki Lauda fordert jetzt noch ein Umdenken: „Red Bull geht mit allem ans Limit, manchmal auch drüber. Wir müssen auch so denken.“ Der Aufstieg von Mercedes ist aber noch nicht gefestigt. Interne Differenzen um Kompetenzen könnten ihn gefährden. Es geht um die Rolle von Ross Brawn. Der Architekt des Erfolges wird das Team wohl verlassen, weil er eine Konstellation, bei der er sich die Chefposition mit Toto Wolff und Paddy Lowe teilen muss, nicht akzeptiert.

Brawns Abgang wäre ein herber Verlust. Er ist die Integrationsfigur. Red Bull nutzt die Personalrochade, weil sie nicht nur die Kreise von Mercedes stört. Ein Mann wie Brawn auf dem Markt weckt anderswo Begehrlichkeiten. Ferrari könnte ein Interessent werden, wenn Präsident Luca di Montezemolo ein Bauernopfer sucht. Teamchef Stefano Domenicali thront auf einem Schleudersitz. Und Fernando Alonso erweckt trotz gegenteiliger Beteuerungen den Eindruck, als wolle er weg. Offenbar traut er Ferrari die Wende nicht mehr zu. Sein einziger Trost: „Die nächste Saison verlangt ein anderes Fahrzeugkonzept. Vielleicht stellt das alle Uhren auf Null.“

Ohne das nötige Kleingeld geht nichts

Lotus macht auf der Rennstrecke und im Designbüro ziemlich viel richtig, doch dem Rennstall fehlt das nötige Kleingeld, mit Red Bull, Ferrari und Mercedes um die Wette zu fahren. Teambesitzer Gerard Lopez gibt mehr aus, als er hat. Im letzten Saisondrittel wird regelmäßig das Budget knapp. Deshalb werden Rechnungen und Gehälter erst im letzten Augenblick bezahlt, in der Hoffnung vielleicht doch einen Sponsor zu finden, der die Finanzlücke schließt. Kimi Räikkönen wartet immer noch auf seine Gage. Vor dem Großen Preis von Abu Dhabi drohte der Finne erstmals mit Streik. Lopez beruhigt: „Kimi bekommt sein Geld. Er hat es auch letztes Jahr erhalten. Nur halt etwas später.“

Bis jetzt ging es jedes Mal gut. Zu dem Preis, dass Lopez mit einer dreistelligen Millionensumme bei sich selbst in den Miesen steht. Nächstes Jahr aber wird wegen der neuen Motoren alles viel teurer. Lopez rechnet damit, dass sein Budget von 170 auf 200 Millionen Euro steigen müsste, wenn sein Team um den Titel kämpfen soll. Im Moment kann sich Lotus nicht einmal Nico Hülkenberg leisten. Das Team könnte gezwungen sein, Pastor Maldonado mit seinen 40 Millionen Euro aus dem venezolanischen Ölkartell PDVSA zu verpflichten. Damit würde sich Lotus aber aus dem Titelrennen 2014 verabschieden.

McLaren hat zuletzt 2008 mit Lewis Hamilton einen Fahrertitel gewonnen. Die letzte Konstrukteurs-WM datiert aus dem Jahr 1998. „Wir waren oft knapp dran. Das ist frustrierend“, gibt Teamchef Martin Whitmarsh zu. In diesem Jahr war McLaren vom WM-Titel so weit weg wie seit 1980 nicht mehr. Zum ersten Mal konnten die Ingenieure das Ruder nicht mehr herumreißen. Der McLaren MP4-28 blieb trotz zahlreicher Umbaumaßnahmen ein Flop. Whitmarsh beteuert, dass sich dieser Fehler nicht wiederholen wird. Er hat von Red Bull die beiden leitenden Aerodynamiker abgeworben, auf die er aber erst 2015 zugreifen kann. Er hätte gerne Alonso im Auto, der aber vertraglich bis 2016 an Ferrari gebunden ist. Und er wird 2014 mit einem Minimum an Informationen über den Mercedes-Motor auskommen müssen. Mercedes hat Angst vor einem Technologietransfer zu Honda, die 2015 mit McLaren ein Comeback feiern. Keine guten Voraussetzungen, um gegen ein Team wie Red Bull zu gewinnen.

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