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Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton : Raus aus der Wagenburg

  • -Aktualisiert am

Hamilton: Kritik versteht er als Angriff auf seine Position als Top-Pilot Bild: dpa

Lewis Hamiltons Tempo ist unerreicht. Keiner in der Formel 1 hat mit 24 Jahren mehr erreicht. Und früher die Härten zu spüren bekommen: im Oktober als Champion gefeiert, im April als Komplize eines Komplotts entlarvt. Der brillante Pilot will wieder punkten für den in die Kritik geratenen Menschen Hamilton.

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          Auch das noch. Der Weltmeister steht. Das linke Hinterrad des McLaren-Mercedes ist abgeknickt. Die Rennleitung hat das Qualifikationstraining zum Großen Preis von Monaco unterbrochen. Für 19 Piloten geht es ein paar Minuten später weiter. Lewis Hamilton aber stützt sich auf die Leitplanke neben der Mirabeau-Kurve. Er braucht in diesem Moment Halt. In Monaco hatte er Punkte sammeln wollen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der brillante Pilot für den in die Kritik geratenen Menschen. Kratzer wegpolieren mit einem kühnen, atemraubenden Ritt durch die Straßenschluchten des kleinen Fürstentums (siehe: Formel 1 in Monaco: Ritterschlag für eine Stadtrundfahrt ), „meinen Lieblingskurs“. Nirgendwo kann ein Formel-1-Pilot mehr für sein Image tun, die Schwäche des Boliden wenigstens für eine Runde überfahren. Vier hat Hamilton am Samstag im Zeittraining geschafft, in der fünften treibt ihn die Lust und die Last des Siegenmüssens voran. Bestzeit im ersten Sektor. Hamilton wie im Tiefflug. Ein paar Minuten später schwebt nur noch der Bolide - am Haken des Krans. Als Zuschauer begreift der Weltmeister, was er in der Leitplanke verloren hat. Nicht nur Form und ein bisschen die Fassung, sondern auch die Chance auf einen Sieg. „Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte er später: „Das Auto lief sehr gut, das ist sehr bitter.“ Am Ende wurde er nur 16 (siehe auch: Formel 1 in Monaco: Button auf der Pole Position).

          Hamiltons Tempo ist unerreicht. Keiner hat mit 24 Jahren mehr erreicht, schneller den Aufstieg vom Talent zum Star geschafft. Und früher die Härten zu spüren bekommen: im Oktober als Champion gefeiert, im März vom langsamen McLaren auf Mittelmaß gebremst, im April als Komplize eines Komplotts entlarvt. Seine aktive Rolle im Team bei der absichtlich falschen Darstellung einer Rennszene während des Großen Preises von Australien löste eine Welle der Empörung aus.

          Der Dienstwagen am Abschlepphaken: Lust und Last des Siegenmüssens

          Selbst die moralische Instanz des britischen Motorsports, Sir Stirling Moss, sprach von einer großen Enttäuschung. Aber Hamilton reagiert wie alle Weltmeister vor ihm in schlechten Zeiten. Erst mit einem kurzen Rückzug in die Wagenburg und dann mit einem Angriff: „Ich gehe heim, lade dort meine Akkus wieder auf und habe die ganze Zeit meine Familie um mich herum. Solange ich meine Angehörigen hinter mir weiß, werde ich kämpfen. Mich kann man mental nicht besiegen.“

          Stirling Moss sprach von einer großen Enttäuschung

          Hamilton hat es auf die vorsichtige Tour versucht. Erst mit einer öffentlichen Entschuldigung, die bei vielen nicht ankam, weil er sich als Fehlgeleiteter darstellte. Als ein vom Teammanager in einem lange autokratisch geführten Rennstall in die Lüge getriebener Champion. Dann bat er die Kritiker, ihn wie einen Menschen von nebenan zu behandeln: „Die Leute schauen mich an wie einen Superstar, und sie erwarten viel, wie von Superhelden oder so. Dabei sind wir auch nur ganz normal.“ Auf eine unspektakuläre Erdung aber lässt sich die Szene nicht mehr ein.

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