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Formel 1 : Wachgeküsster Silberpfeil

  • -Aktualisiert am

Deutsches Doppel: Nico Rosberg vor Michael Schumacher – das Rennen in China liefert ungewohnte Bilder Bild: REUTERS

Endlich ein Silberpfeil ganz oben auf dem Podium: Der Erfolg von Nico Rosberg in Schanghai ist auch ein Sieg über die Kritiker des Mercedes-Projektes in der Formel 1. Es soll erst der Anfang sein.

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          Nach dem Triumph von Schanghai gingen die Verantwortlichen von Mercedes schnell wieder zur Routine über: „Die Jungs müssen für den Transport nach Bahrein alles einpacken. Das ist ein bisschen schade, aber das Feiern können wir ja nachholen“, sagte Nico Rosberg. Der Sechsundzwanzigjährige hatte am Sonntag erstmals seit 1955 in einem Silberpfeil wieder einen Grand Prix in der Formel 1 gewonnen. Doch nicht nur seine Konzentration galt schnell wieder der nächsten Station der diesjährigen Welttournee.

          Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug genoss den großen Moment hingegen in vollen Zügen. Endlich stand ein Silberpfeil ganz oben auf dem Podium - nach zwei Jahren im Niemandsland des Feldes. Nach den immer wiederkehrenden Fragen, warum eine Marke wie Mercedes nicht gewinnen kann. Nach der Kritik, ob der gewählte Weg des Werksrennstalls der richtige war. Ein einziges Rennen gab ihm in allen Belangen recht. Auch der Zweite und Dritte waren mit Mercedes-Kraft unterwegs: Nico Rosberg, Jenson Button und Lewis Hamilton (beide McLaren-Mercedes) wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten. Haug hatte für den Verbleib von Mercedes in der Formel 1 gekämpft. In einer Zeit, in der Honda, Toyota, BMW und Renault der Königsklasse den Rücken zugekehrt hatten. Seine Formel zum Überleben in der Finanzkrise hieß: Für weniger Geld mehr Gegenwert. Damit hat er die Vorstandsetage überzeugt, den Betriebsrat nicht immer. Doch spätestens seit diesem Sieg haben die Gegner im Konzern einen schweren Stand.

          Wenn Mercedes gewinnt, schlägt das hohe Wellen

          Es ist viel Druck abgefallen von denen, die in China für ihre Ausdauer belohnt wurden. Nico Rosberg stand in den ersten zwei Rennen klar im Schatten von Michael Schumacher. Der Jüngere der beiden Mercedes-Piloten hat das mit einer Bilderbuchrunde im Qualifying und einer fehlerfreien Fahrt in seinem 111. Grand Prix wieder gerade gerückt. Teamchef Ross Brawn sah schon seinen Ruf als Superhirn in Frage gestellt, weil die einzige Ausbeute seit 2010 zwei vierte Plätze in der Konstrukteurswertung waren. Weil Mercedes trotz einer großen Personalrochade vor dem Rennen in China mit nur einem Punkt auf Platz neun in der WM-Tabelle stand. Und weil man nach guten Trainingsergebnissen im Rennen immer am gleichen Problem gescheitert war: der falschen Behandlung der Reifen.

          Der Mann für die kreativen Einfälle: Mercedes-Teamchef Ross Brawn

          Auch Haug geriet in die Kritik, weil Mercedes in den Verhandlungen mit Chefvermarkter Bernie Ecclestone über das neue Concorde-Abkommen noch keine Einigung erzielt hat, während Ferrari, Red Bull, McLaren und Lotus längst mit Sonderkonditionen geködert worden sind. Ecclestone stuft Mercedes als ein Team ohne Historie und Erfolge ein, und diese beiden Faktoren bestimmen die Höhe der Auszahlung. Ecclestone: „Die Wurzeln lassen sich zwar bis Tyrrell zurückverfolgen, aber das Team hat seitdem viermal seinen Namen geändert. Ich kann seit dem letzten Namenswechsel von BrawnGP zu Mercedes keine großen Erfolge erkennen.“ Doch die Reaktionen auf den Großen Preis von China zeigen: Wenn Mercedes gewinnt, schlägt das höhere Wellen als bei Red Bull, McLaren oder Williams.

          Die Konkurrenz muss nachlegen

          Der 25-malige Grand-Prix-Sieger Niki Lauda hat Rosberg erzählt, dass nach dem ersten Mal alles viel einfacher von der Hand gehe. Das neue Mitglied im Klub möchte das gern glauben, doch schon am kommenden Wochenende in Bahrein wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Es wird nicht immer so reibungslos laufen wie diesmal“, sagt Rosberg. In Schanghai betrug die Asphalttemperatur fast konstant 24 Grad Celsius. In Bahrein kann sich der Streckenbelag auf bis zu 50 Grad aufheizen. Damit könnte die Reifenmisere von Mercedes zurückkehren. „Wir müssen an diesem Thema weiter arbeiten“, fordert Brawn. „Wir finden eine gute Einstellung für bestimmte Bedingungen, aber sobald die Temperaturen schwanken, liegen wir auch schnell wieder daneben.“

          Das Layout der Strecke in Bahrein sollte den Silberpfeilen liegen. Es geht viel geradeaus und meistens langsam ums Eck. „Unser Schwachpunkt sind eher die schnellen Kurven“, sagt Schumacher. Mercedes ist wieder ein Kandidat für die erste Startreihe. Das macht vieles einfacher. Wer vorn fährt und vorn bleibt, kann den Gegnern seine Taktik diktieren. Die Zweistoppstrategie von Rosberg in China war nicht automatisch eine Trumpfkarte. Auch Sebastian Vettel (Red Bull) und Kimi Räikkönen (Lotus) waren mit zwei Stopps unterwegs. Rosberg hatte als Führender jedoch den Vorteil, dass er nie in den Verkehr gefallen ist. Dort ist man doppelt gestraft. Im Zweikampf steigen die Rundenzeiten und der Reifenverschleiß.

          Genau genommen hat Mercedes zwei Siege in Schanghai gefeiert. Den ersten schon am Donnerstag. Da entschieden die Kommissare des Internationalen Automobil-Verbandes, dass der unter dem Namen F-Schacht bekannte Aerodynamik-Trick legal ist. Der kontrollierte Strömungsabriss am Front- und Heckflügel erlaubt höhere Höchstgeschwindigkeiten. Oder mehr Abtrieb, weil man dafür ein paar Kilometer pro Stunde auf der Geraden opfern kann. Die Konkurrenz muss jetzt nachlegen. Das kostet Zeit und Geld. Und lenkt sie von der regulären Entwicklungsarbeit ab.

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