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Formel-1-Vorbereitung : Schumachers alpine Fluchtfahrten im Stil von Bond

  • -Aktualisiert am

Vollgas auch auf Skiern: Michael Schumacher Bild: dpa/dpaweb

Jeder will wissen, wie gut der neue Rennwagen von Ferrari ist. Michael Schumacher weiß es schon. Noch bevor er den Flitzer in natura gesehen hat, geschweige denn gefahren ist.

          3 Min.

          Jeder will wissen, wie gut der neue Rennwagen von Ferrari ist. Michael Schumacher weiß es schon. Noch bevor er den Flitzer in natura gesehen hat, geschweige denn gefahren ist. Das Wunderwerk der Technik wird erst am 26. Januar mit einem feierlichen Akt in Maranello enthüllt. Aber der Champion kennt längst alle Pläne, ist über die Daten und Hochrechnungen informiert. Und so verkündete er allen, die mit Leib und Seele an Ferrari glauben, sieben Wochen vor dem Beginn der neuen Formel-1-Saison verspätet seine frohe Botschaft: "Der neue", sagte der Champion in Madonna di Campiglio, "wird schneller als der alte sein."

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber auch schneller als die Konkurrenz? Da winkte der Chefpilot, jeglicher Spekulationen überdrüssig, routiniert ab. Zwar kann er es auch vor seiner 14. Saison kaum abwarten, den Boliden anno 2004 auf Herz und Nieren zu prüfen und den schärfsten Gegnern zum Leistungsvergleich vorzuführen. Doch gut Ding will Weile haben. Vorerst führte Ferrari - notgedrungen - im dolomitischen Wintersportort aller Welt Form und Fassung seiner Piloten vor: In dieser Woche kam der Mensch mal vor der Maschine.

          Im Hinterkopf tickt die Stoppuhr

          Früher hätte man wohl gesagt, die Buben durften sich noch einmal auf Eis und Schnee austoben, bevor (beim ersten Grand Prix am 7. März in Melbourne) der Ernst des Lebens beginnt. Tagsüber mit Ski oder Snowboards über die Pisten und abends mit Karts über einen zugefrorenen See sausen: Da hatten Schumacher, sein Teamkollege Rubens Barrichello, Testfahrer Luca Badoer und der Motorradstar Loris Capirossi einen Heidenspaß. Nur tickt bei den Sportsleuten der ultraschnellen Sorte bei aller Freude meistens die Stoppuhr mit. Zumindest im Hinterkopf. Auf den Gedanken muß man kommen, wenn man Schumacher auf Ski erlebt. Es erinnert stark an alpine Fluchtfahrten im Stil von James Bond, allenfalls unterbrochen von den nun mal unvermeidlichen Liftfahrten.

          Kart im Schnee

          Ein Wunder ist das nicht. Erstens steigt der 35jährige Schumacher immerhin seit seinem 18. Lebensjahr regelmäßig auf die Bretter. Und zweitens versteht es seine in Rot gewandete Führungs- und Geleitschutztruppe, ihm ein vertrautes Tempo zu bieten. Der Skilehrer des Weltmeisters in Madonna weist alltags Skilehrer auf Haltungsfehler hin. Seine Kompetenz erwarb er sich als Kadermitglied des italienischen Abfahrtsteams.

          Fitneßprogramm mit einem Kick

          Da hatte es Rubens Barrichello schon etwas gemütlicher auf seinem Snowboard. Den Brasilianer ließ die Scuderia nicht so frei fahren wie seinen rheinischen Rivalen. Was weniger mit einer vermeintlichen Stallorder auf der (Schnee-)Piste, sondern eher mit den alpinen Vorerfahrungen zusammenhängt. Wintersport ist in Barrichellos Geburtsstadt Sao Paulo nicht unbedingt der Renner. So glitt der 31jährige Hochgeschwindigkeitsexperte im Sicherheitsgriff seines Instruktors gemächlich zu Tale. Trotzdem kam er pünktlich zum inoffiziellen Lieblingswettstreit mit seinem Vorfahrer. Denn wenn die Lifte schließen, neigt Schumacher gerne dazu, sein Fitneßprogramm mit einem Kick zu ergänzen. Da gibt's dann für Brasilianer keine Ausreden, diesmal eher Erklärungsbedarf. Warum rennt Schumacher in einer Sporthalle auf 1520 Meter Höhe 45 Minuten bis zum ersten Päuschen hin und her, während sein südamerikanischer Kollege den Acht-Minuten-Takt vorzieht? Beim Stande von 15:2 hörte die Schumacher-Fraktion mit dem Zählen auf.

          Vielleicht wollte sich Barrichello für den weitaus wichtigeren, offiziell zweiten Teil des teaminternen Wettbewerbs mit den Disziplinen Ski- und Kartfahren schonen. Am Freitag abend rief Ferrari seine Chauffeure zum Duell auf der Eispiste, auf einem See mitten in Madonna di Campiglio. Das entsprach schon eher einem aussagekräftigen Leistungstest für die neue Formel-1-Saison. Und siehe da, als die Formel-1-Heroen in ihren Lieblingsspielzeugen saßen, sah selbst das geübte Auge kaum einen Unterschied.

          Barrichello krachte Schumacher ins Heck

          Meistens lag sogar Barrichello in Führung. Wer allerdings nach der Uhr schaute, konnte allenfalls die Tageszeit ablesen. Rundenzeiten wurden den Zaungästen vorenthalten. Weil es doch nur eine Show und kein Rennen um die Zementierung oder Aufweichung der Hackordnung sein sollte.

          Fast wäre der Plan aufgegangen. Wenn die lustigen Burschen unter Führung Schumachers ihre Ehrenrunde nicht vom Eis auf die Schneepiste rund um ihre Strecke verlegt hätten. Das gehörte nicht zum Protokoll. Und so stand der "König der Autofahrer" plötzlich mit seinem Kart auf einem quer im Weg liegenden purpurroten Teppich gefangen, weil sich die Nägel der Reifen verhakten. Sein Verfolger Barrichello schaffte es nicht mehr rechtzeitig. Er krachte Schumacher ins Heck. Die Bemerkung eines Fernseh-Kommentators, der Brasilianer schaffe es nun mal nicht auf den roten Teppich, war gemein. Allerdings darf der zweite Mann von Ferrari trotz seiner Niederlage im Gesamtwettbewerb behaupten, er habe ausgerechnet beim Kartfahren, der Prestigedisziplin unter den Fahrensleuten, die Nummer eins beschädigt. Das Nummernschild mußte ausgewechselt werden.

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