https://www.faz.net/-gtl-6zt04

Formel 1 : Vom Glück der zweiten Chance

  • -Aktualisiert am

Eines Tages Weltmeister? Frankreich wartet auf einen wie Grosjean. Bild: REUTERS

Fünfter Sieger im fünften Rennen? Die Formel 1 traut sogar einem Nobody einen Erfolg zu: Romain Grosjean im Lotus. Für Frankreichs Formel-1-Pläne käme ein Siegfahrer aus der Grande Nation gerade recht.

          3 Min.

          Wird es einen fünften Sieger geben? Das fragt man sich im Fahrerlager der Formel 1 vor den Toren von Barcelona nach dem abwechslungsreichsten Auftakt seit rund einem Vierteljahrhundert: In Melbourne gewann Jenson Button (McLaren), in Malaysia hatte niemand an den Triumph von Fernando Alonso (Ferrari) geglaubt, in China gelang Nico Rosberg (Mercedes) der Premieren-Erfolg und in Bahrein kam Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) zum Zuge. Anschließend haben Mann und Maus in Mugello die Boliden getestet, neue Teile eingesetzt für eine möglichst erfolgreiche Präsentation beim Großen Preis von Spanien am Sonntag. Aber vor dem Rennen auf dem Circuit de Catalunya, dem vertrautesten Kurs im Kalender, rätselt die Szene wieder. Und schließt auch deshalb die nächste Premiere nicht aus. Was, wenn Lotus ein Homerun gelänge, etwa mit einem Nobody im Cockpit?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Romain Grosjean knetet seine Hände. Er sitzt im Motorhome von Lotus vor zwölf Mikrofonen. Um ihn herum drängeln sich Journalisten aus halb Europa. Sie wollen wissen, was nun kommt nach Rang sechs in China und Platz drei in Bahrein. Ein Sieg? Grosjean, in Bluejeans und schwarzes Teamtrikot gekleidet, druckst herum, greift immer wieder unter dem Tisch nach seiner Sponsorkappe, die ständig von seinem linken Knie rutschen will. „Es muss alles passen, das Qualifikationstraining, die erste Runde, die Boxenstopps, der Rennspeed - ja, dann wäre es möglich.“

          Jeder Antwort schickt Grosjean ein Lächeln hinterher. Als wollte er seine Zuhörer milde stimmen. Sie sind auch nicht sicher. Ist dieser schlaksige, freundliche Mann der Typ, auf den man achten muss, wenn doch Kimi Räikkönen im zweiten Lotus in Bahrein Zweiter wurde? „Romain lag knapp hinter Kimi im Ziel und nur zehn Sekunden hinter Vettel“, sagt sein Teamchef Eric Boullier, „er hat gezeigt, dass er auf höchstem Niveau konkurrieren kann, er hat den Speed und das Talent, eines Tages Weltmeister zu werden.“

          „Du hast den Sitz“

          Grosjean hat etwas länger gebraucht für diese Würdigung. Im April ist er 26 Jahre alt geworden. In diesem Alter hatten Michael Schumacher und Fernando Alonso schon zwei WM-Titel gewonnen, Vettel könnte mit 25 schon den dritten eingesammelt haben. Aber deren Karrieren verliefen gradlinig. Grosjean genießt dagegen das seltene Glück der zweiten Chance in der Beletage des Motorsports. 2009 erfüllte der Bankkaufmann nicht die Ansprüche als Ersatzmann bei Renault für den geschassten Nelson Piquet Jr.: sieben Rennen, null Punkte, Rang 23 in der Fahrerwertung neben Fernando Alonso, dem Protegé des Teamchefs Flavio Briatore.

          „Rakete mit Grip“: Der Lotus E20 Bilderstrecke

          Damals lief nicht alles sauber bei Renault. Der im Umgang mit Fahrern mitunter gnadenlose Briatore musste wegen des Rennbetruges von Singapur im Herbst die Formel 1 verlassen. Ist Grosjean das letzte Opfer des intriganten Italieners gewesen? Bei dieser Frage weicht für einen Moment die Farbe aus seinem Gesicht. Nach einer kleinen Pause sagt Grosjean: „Ach, das habe ich hinter mir gelassen.“ Nämlich manche Ungerechtigkeit, aber auch eine erzieherische Maßnahme. Denn Briatores Nachfolger Boullier nahm Grosjean aus dem Rennen.

          Der versuchte sich in der GT1, gewann 2011 die Nachwuchsserie GP2 und schien auf dem Weg zum Tourenwagenfahrer für BMW, als ihn nach einer Testfahrt in Sevilla der „wichtigste Anruf meines Lebens“ erreichte, ein Rückruf von Boullier: „Du hast den Sitz.“ Und dazu eine Reife, die ihm 2009 fehlte. Grosjean soll beim ersten Formel-1-Versuch auch wegen seiner auffälligen Überheblichkeit aus der Kurve geflogen sein. „Er brauchte“, sagte Lotus-Mitbesitzer Gerard Lopez im März, „diesen Denkzettel.“

          Wiederbelebungsprojekt der Grande Nation

          Das Interesse an Grosjeans Erfolg hat auch einen sportpolitischen Hintergrund. Erstmals seit 1998 ist in Bahrein wieder ein Franzose unter die besten drei gekommen. Der Sohn eines Schweizer Bankiers und einer Französin könnte mit etwas Erfolg das Wiederbelebungsprojekt der Grande Nation beflügeln. Frankreich will 2013 wieder einen Grand Prix austragen. Da käme ein Sieg als Zeichen seiner fahrerischen Exzellenz zupass. Aber weil Grosjean in Melbourne und Malaysia seinen Boliden nicht auf der Strecke halten konnte, haben die berühmten Kollegen um ihn herum vorerst die Maschine und weniger den Neuen im Blick. „Lotus leistet Phantastisches“, sagte Lewis Hamilton (McLaren), „die sind auf jeder Strecke schnell.“

          Schon bei den Testfahrten im März bestach der E20 mit seiner stabilen Straßenlage. Force-India-Pilot Nico Hülkenberg staunte über eine „Rakete mit Grip“. Die Testergebnisse von Anfang Mai in Mugello sprechen für die Fortsetzung der Entwicklung eines stabilen, berechenbaren und damit vergleichsweise leicht zu fahrenden Boliden. Grosjean soll Schritt halten können. In Bahrein aber machte er Platz. Räikkönen zog vorbei und winkte zum Dank. „Ich fuhr nicht am Limit“, gab Grosjean zu. Seine Förderer verteidigen die „defensive Taktik“ als kluges Aufbauprogramm. Er sollte viele Punkte sammeln, nichts riskieren. Von Siegertypen aber weiß man, dass sie immer alles haben wollen - und kriegen.

          Weitere Themen

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Bayern retten sich ins Ziel

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.