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Formel 1 : Vettels Hunger ungestillt

Der Dominator: Sebastian Vettel gewinnt auch in Indien Bild: REUTERS

Weltmeister Sebastian Vettel hat noch nicht genug. Auch beim ersten indischen Grand Prix der Formel 1 gewinnt der Deutsche. Damit kann er noch den Rekord von Michael Schumacher von 13 Siegen in einer Saison einstellen.

          3 Min.

          Sebastian Vettel? War kaum zu sehen. Zumindest nur am Anfang und am Ende für längere Zeit. Zwischendrin zeigten die Formel-1-Sender nur die Stippvisiten des Weltmeisters an der Box. So ungefährdet fuhr der Heppenheimer in seinem Red Bull am Sonntag bei der Premiere der Formel 1 in Indien zum nächsten Sieg: Nummer elf in der laufenden Saison. Hinter ihm kamen die Geschlagenen des Jahres: Jenson Button im McLaren auf Rang zwei ins Ziel vor Ferrari-Star Fernando Alonso und Mark Webber im zweiten Red Bull. Fünfter wurde Michael Schumacher vor seinem Teamkollegen bei Mercedes, Nico Rosberg. Adrian Sutil (Force India) belegte Rang neun. Timo Glock schied ins einem Marussia Virgin aus.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Das ist ein unglaublicher Moment, erster Indien-Sieger, danke Jungs“, brüllte Vettel ins Bordmikrophon. „Das hat einen Riesenspaß gemacht.“
          Was aber bekamen die Inder zum Auftakt ihres Formel-1-Abenteuers geboten? Zwar die nächste Sondervorstellung von Vettel: Pole-Position am Samstag, die 13., ein Blitzstart am Sonntag und Führung bis ins Ziel: fehlerlos, präzise, unnahbar - und unspektakulär.

          Wenigstens im Ziel macht Jenson Button Sebstian Vettel nass
          Wenigstens im Ziel macht Jenson Button Sebstian Vettel nass : Bild: REUTERS

          Das ist die Krux der nahezu perfekten Vorstellung in der Formel 1. Kein Drift, kein Schleudern, keine Attacken des Besten. Und so hielt das Publikum lange Ausschau nach Unterhaltung. Wenn Webber wenigstens an Button vorbei gekommen wäre. Aber im zweiten Red Bull reichte es für den Australier nicht zu einem Überholmanöver, nachdem er in der ersten Runde vom Engländer überholt worden war. Im Gegenteil. Button entferne sich immer mehr von Vettels Teamkollegen, der sogar im Zuge des zweiten Boxenstopps noch Rang drei an Alonso verlor.

          Vor Jahresfrist noch kämpfte Webber um den WM-Titel. Nun soll er wenigstens Zweiter in der Gesamtwertung werden. Vettel hatte seine Hilfe indirekt angekündigt. Die Voraussetzungen aber erfüllte Webber nicht. Er hätte dem Hessen schon auf den Fersen folgen müssen auf dem „Buddh International Circuit“. So brauchte sich Vettel keine weiteren Gedanken machen. In der letzten Runde gab er noch einmal richtig Gas – und fuhr die schnellste Tour. Nur so als Zeichen, wer in Indien der König des Speeds ist. „Es war ein wirklich gutes Rennen für uns“, sagte Vettel nach dem elften Sieg der Saison. „Das Auto hatte eine gute Balance.“

          Vettel hinterließ anschließend noch einmal Eindruck: Er sprach über über Indien, die Lebensfreude der Menschen im Land und darüber, dass am Ende des Lebens zählt, ob „Du Freude hast und Freunde gefunden hast“. Dann fügte der Weltmeister noch einige einfühlsame Sätze an bezüglich seiner Empfindungen nach den beiden Todesfällen im Rennsport an den beiden vergangenen Rennwochenenden. Der Indy-Car-Pilot Wheldon und der Motorradfahrer Simoncelli waren bei Rennen ums Leben gekommen. Diesen Worten schlossen sich anschließend auch Jenson Button und Fernando Alonso an.

          Aufregung zwischen Massa und Hamilton

          Noch zwei Siege in Abu Dhabi und zum Finale in Brasilien, dann wäre der Sieg-Rekord in einer Saison eingestellt. Schumacher hat ihn aufgestellt, 2004, als er 13 Grand Prix gewann. Einen anderen Rekord hat er indes schon in Indien eingestellt: Vettel hat nun während einer Saison genauso viele Runden das Feld angeführt wie einst Nigel Mansell in seinem besten Jahr.

          Aufregung gab es dann doch noch. Es dauerte ein halbes Rennen, ehe sich zwei alte Bekannte ins Gehege kamen. Massa und Hamilton, eine Fortsetzungsgeschichte bei Tempo 300. Diesmal gab es die fünfte Folge. Der Engländer wählte die linke Spur für seinen Überholversuch, zog auf halbe Höhe des Ferrari.

          Hat Massa das denn nicht gesehen in dem kleinen Rückspiegel? Am Kurveneingang zog der Brasilianer nach links in die Spur des McLaren, drehte sich auf die Seite und rutschte in die Auslaufzone, bevor er das Rennen auf Rang fünf wieder aufnahm. „Er hat mir überhaupt keinen Platz gelassen“, schimpfte Hamilton am Funk und raste mit einem gebrochenen Frontflügel zur Box. Massas Position hatte er übernehmen wollen nach einem Fahrfehler des Brasilianers kurz zuvor. Die Zwangsreparatur aber warf ihn auf Platz neun zurück.

          Immerhin besänftigte die Rennleitung den Weltmeister von 2008. Sie ordnete eine Durchfahrtsstrafe für Massa an. Der kämpfte um seine Position, wechselte noch die Reifen und den Frontflügel bei nächster Gelegenheit und scheiterte wieder. Wie am Samstag schoss er über die Randsteine hinaus. Dabei brach diesmal die linke Radaufhängung: Feierabend.

          Tendulkar raubt Aufmerksamkeit

          Neben den - geschätzt - 60.000 Zuschauern haben zwei Beobachter besonders profitiert. Nico Rosberg und Michael Schumacher rückten zunächst auf die Ränge fünf und sechs vor. Mühsam wie die Eichhörnchen sammelt Mercedes Punkt und Pünktchen.

          Insgesamt aber stimmt es rundherum nicht: das Auto kann mit den besten nicht mithalten, Schumacher hat im Qualifikationstraining bislang kaum Chancen gegen Rosberg (3:14), kommt beim Start aber regelmäßig besser in die Gänge. Diesmal schoss er von Platz elf auf acht vor, während Rosberg auf Platz sieben hängenblieb. Im Verlauf des Grand Prix näherte sich der Altmeister immer mehr. Beim zweiten Boxenstopp zog er an seinem 16 Jahre jüngeren Teamkollegen vorbei. Schon deutete sich ein kleines deutsch-deutsches Duell neun Runden vor Ende des Rennens an. „Ihr dürft frei fahren“, teilte die Teamleitung mit: „Aber seid vorsichtig.“

          Schöne Hoffnung auf ein letztes Spektakel. Schumacher ließ es nicht dazu kommen. Er blieb außer Reichweite für Rosberg. Wem das in Indien aufgefallen ist? Das Interesse der Fans an der Strecke galt vor allem den Bollywood-Stars. Sharukh Khan oder Singha. Dutzende indische Jorunalisten haben sich am Samstag die Nase an der Mercedes-Lounge plattgedrückt. Als Schumacher herauskam, scherte sich keiner um den erfolgreichsten Piloten der Formel-1-Geschichte. Alle schauten weiter durch das Glas. Warum? In der Lounge saß ihr Star, der ehemalige Cricketstar Sachin Tendulkar.

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