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Formel-1-Weltmeister Vettel : Hoffnungsschimmer Hockenheim

Innerlich umgeschaltet: Sebastian Vettel denkt schon jetzt an die kommende Saison Bild: REUTERS

Vom Weltmeister zum Hinterherfahrer: Sebastian Vettel setzt vor dem Heim-Grand-Prix von Hockenheim an diesem Sonntag seine Hoffnung auf das kurvige Terrain - und eine neue Benzinmischung.

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          Eine halbe Stunde vom Ring entfernt ist er aufgewachsen, ein paar Kilometer weiter saß er erstmals in einem Go-Kart. „Ich habe jedes Mal sehr viele Erinnerungen, wenn ich hier herkomme“, sagt Sebastian Vettel (Red Bull) vor dem Qualifying zum Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring an diesem Samstag (14 Uhr / RTL, Sky und im FAZ.NET-Liveticker). Erinnerungen – derzeit ist es nicht viel mehr, was dem Siebenundzwanzigjährigen bleibt vom Erfolgsrausch der vergangenen Jahre. Aus dem Champion ist ein Hinterherfahrer geworden, der in der Gesamtwertung der Formel 1 im Augenblick nur auf Platz sechs liegt – 96 Punkte hinter dem WM-Führenden Nico Rosberg (Mercedes). „Das ist natürlich nichts, das einen fröhlich stimmt“, sagt Vettel. „Aber es gibt eben gute und schlechte Zeiten im Leben.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit Monaten steht er unter Beobachtung in den Fahrerlagern dieser Welt. Die Experten wollen wissen, wie ein Erfolgsverwöhnter darauf reagiert, wenn der Erfolg auf einmal ausbleibt. „Sebastian ist total relaxed, er hat die Situation akzeptiert und treibt uns alle weiterhin an“, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Dreimal ist Vettel in dieser Saison wegen technischer Probleme ausgeschieden, oft klagte er nach den Rennen zudem darüber, dass die Renault-Antriebseinheit zu schwach sei, um mit den Mercedes-Fahrern mithalten zu können. Offiziell trägt der neue Red Bull die Typennummer RB10, Vettel selbst aber nannte ihn schon einmal eine „Gurke“. In Australien und Malaysia wirkte er deshalb noch frustriert, inzwischen scheint er innerlich umgeschaltet zu haben und denkt schon an die kommende Saison.

          Und an den Moment. Erst vor zwei Wochen etwa blitzte die Qualität von Vettel wieder auf. Dreizehn Runden lang kämpfte er beim Rennen in Silverstone gegen Fernando Alonso (Ferrari), oft jagten die beiden dabei im Parallelflug in die Kurven, nutzten die Strecke auf ihrer gesamten Breite und schossen manchmal sogar darüber hinaus. Die Formel 1 produzierte auf einmal wieder Bilder, die die Faszination dieser Sportart ausmachen und die hohe Kunst des Rennfahrens zeigen. „Ich habe sehr viel Respekt vor Fernando, es gibt nicht viele Fahrer, mit denen ich mich trauen würde, Rad an Rad so eng zu fahren“, sagte Vettel nach dem Rennen. „Aber nachdenken darf man dabei eigentlich nicht.“ Vettel gegen Alonso – das war der Kampf um Platz fünf in Großbritannien, und trotzdem sah der Deutsche danach abgekämpft und glücklich aus.

          In Hockenheim hofft Vettel auf mehr Leistung durch eine neue Benzinmischung

          Vor dem Rennen auf dem Hockenheimring wurde Vettel nun gefragt, ob er nicht lieber in einem Silberpfeil sitzen wolle. Der Mercedes mit der Typennummer W05 ist schließlich so stark, dass Rosberg und sein Teamkollege Lewis Hamilton derzeit nur dadurch gestoppt werden können, dass die Technik heiß läuft, weil die interne Auseinandersetzung mit offenen Visieren geführt wird – vom Start bis zum Ziel. Vettel aber lächelte nur milde, dann schüttelte er den Kopf und sagte, wie glücklich er dort sei, wo er gerade ist. Seit 2009 fährt er nun für Red Bull, Ende 2015 läuft sein Vertrag dort aus. Als eine Alternative für ihn wird vor allem ein Team immer wieder genannt: Ferrari. Der Vertrag von Kimi Räikkönen dort endet ebenfalls 2015. Ob er Angst habe, Vettel zu verlieren? Teamchef Horner reagiert auf diese Frage stets mit denselben Mustern: „Nein“, sagt er dann. „Warum sollten wir Angst haben?“

          Ein paar Pferdestärken mehr

          Dabei ist das Weltmeister-Team Red Bull schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Zuletzt wurde bekannt, dass sich Chefdesigner Adrian Newey vom Kommandostand zurückziehen werde. Der Fünfundfünfzigjährige wird dem Rennstall zwar als Berater erhalten bleiben, künftig aber vor allem für das neue Technologie-Zentrum von Red Bull arbeiten und dort an verschiedenen Projekten tüfteln – vom Straßenauto bis zum Flugzeug ist alles denkbar. Damit verliert Vettel einen der kreativsten Köpfe, immerhin aber ist es den Verantwortlichen gelungen, einen Wechsel Neweys zur Konkurrenz zu verhindern. Ferrari etwa soll ihn mit einem Jahresgehalt in zweistelliger Millionenhöhe gelockt haben.

          Bleibt Vettel bei Red Bull? Es wird über einen Wechsel zu Ferrari spekuliert

          In Hockenheim hofft Vettel vorerst auf kurzfristige Effekte. Die Spezialisten vom Mineralölkonzern Total haben eine neue Benzinmischung geliefert, so sollen aus dem Motor ein paar Pferdestärken mehr herausgeholt werden. Zudem wurde die Software der Antriebseinheit verändert. Eine andere Hoffnung stützt sich auf das Layout des Hockenheimrings. „Endlich gibt es eine Strecke ohne lange Geraden. Das könnte unser Terrain sein“, sagt Teamchef Horner. Schließlich schlängelt sich der Red Bull so schnell und geschmeidig durch die Kurven wie kaum ein anderer Rennwagen. Erst einmal hat Vettel den Großen Preis von Deutschland gewonnen, im vergangenen Jahr ist ihm dies auf dem Nürburgring gelungen. Nun sagt er: „Wir sind sicher nicht die Favoriten. Aber ein Sieg ist immer möglich.“ Vor nicht allzu langer Zeit waren Siege für ihn selbstverständlich.

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