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Rennsport-Kommentar : Eine Warnung an die Formel 1

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hat bislang noch keinen würdigen deutschen Nachfolger in der Formel 1. Bild: Picture-Alliance

2010 stellte Deutschland mit sieben Piloten noch fast ein Drittel des Fahrerfeldes. Nun bleiben zwei von zwanzig, beide sind auf der Zielgeraden ihrer Karriere. Alles führt zu einem alten Namen.

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          Erst Schumacher, dann Vettel – und danach? Mehr als ein Jahrzehnt schien das Geschäft mit der Formel 1 ein Selbstläufer zu sein. Michael Schumacher hat den Motorsport hierzulande zu einem Massenphänomen gemacht. Mit dem Aufstieg des Mannes aus Kerpen zum Seriensieger und Rekordweltmeister machten TV-Anstalten auf einmal fette Gewinne, Sponsoren und Konzerne entdeckten das PS–Spektakel für sich, und überall in der Republik schossen Kartbahnen wie Primeln aus dem Boden. Schumacher legte mit seinen Erfolgen den Grundstein für Talente wie Sebastian Vettel. Doch Vettel ist inzwischen 30 Jahre alt, seine Karriere geht auf die Zielgerade.

          Das allein müsste eine Warnung sein, schließlich gibt es in Nico Hülkenberg in der kommenden Formel-1-Saison nur noch einen weiteren deutschen Fahrer. Auch Hülkenberg ist dreißig Jahre alt, er steht bei Renault unter Vertrag, einem Mittelklasseteam, mit dem er an guten Tagen mal auf dem Podium landen könnte, das mit dem Kampf um den Titel aber nichts zu tun haben wird. Sicher, Hülkenberg ist ein außergewöhnlicher Fahrer – ein Typ für das Scheinwerferlicht ist er nicht. Niemand, der die Massen bewegen könnte. Vettel hingegen hatten dies viele zugetraut, aber selbst Siege und Titel in Serie, der Wechsel von Red Bull zu Ferrari und der Kampf gegen Lewis Hamilton und Mercedes um den Titel in der vergangenen Saison konnten den Schumacher-Boom nicht wiederbeleben. In diesem Jahr wird zum vorerst letzten Mal ein Grand Prix in Deutschland ausgetragen.

          2010 stellte Deutschland mit sieben Piloten noch fast ein Drittel des Fahrerfeldes. Nun bleiben zwei von zwanzig. Anderen Motorsportnationen ergeht es da nicht besser. Die Engländer? Haben Hamilton und sonst niemanden. Die Franzosen? Ocon, Grosjean, Gasly, immerhin drei Fahrer, ja, aber keinen, der um Siege fahren könnte. Die Italiener? Ferrari, klar, die Marke überstrahlt vieles, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es schon seit Jahrzehnten keinen Fahrer von Weltklasse mehr gibt. Die letzten Titel gewann Alberto Ascari Mitte des vergangenen Jahrhunderts, 1952 und 1953. Die Brasilianer? Leben von Erinnerungen an Senna, nach dem Karriereende von Massa zum Ende der vergangenen Saison geht keiner ihrer Landsmänner mehr an den Start in der Formel 1. Und Österreich? Seit 2011 ohne Pilot.

          Ein Deutscher, der für den Sprung in ein Top-Team in Frage kam, war Pascal Wehrlein. Doch nach Lehrjahren bei Manor und Sauber kreist der Dreiundzwanzigjährige im kommenden Jahr wieder in der DTM. Ein Umweg, der in der Regel nicht zurückführt in die Formel 1, zumal auch seine Förderer bei Mercedes allmählich das Vertrauen in ihn verlieren. Wer nach neuen Talenten sucht, landet beim alten Namen: Schumacher. Dessen Sohn Mick, 18 Jahre alt, geht in sein zweites Jahr in der Formel 3. Dass er gut ist, hat er bewiesen. Ob er gut genug ist für die Formel 1, ist nicht sicher. Gleiches gilt für David Schumacher, 16 Jahre alt, Formel-4-Fahrer und Sohn von Ralf Schumacher. Die Formel 1 in Deutschland steht vor einer ungewissen Zukunft.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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