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Formel-1-Weltmeister positiv : Corona bremst Hamilton aus

  • Aktualisiert am

Fällt mit Corona aus: Lewis Hamilton in der Formel 1 Bild: AP

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton wird positiv auf das Coronavirus getestet – trotz aller Sicherheitsvorkehrungen. Droht dem Formel-1-Weltmeister nun ein vorzeitiges Saisonende?

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          Wer fährt demnächst in der Formel 1? Das war die Kernfrage am Dienstag. Lewis Hamilton jedenfalls nicht. Er wird zuschauen, wenn es am Sonntag zum zweiten Mal binnen einer Woche rund geht in Bahrein, dem vorletzten Grand Prix der Saison. Der Brite war am Montag positiv auf Covid-19 getestet worden, wie sein Rennstall Mercedes und die Formel 1 mitteilten. Statt auf die nächste Ehrenrunde als alter und neuer Weltmeister einbiegen zu können, muss der Chefpilot der Branche in der Isolation auf seine Heilung warten. Leichte Symptome hatte der 35-jährige Brite gezeigt, ehe ein Test und die Wiederholung zur schlechten Nachricht führten.

          Ein Trost ist der Zeitpunkt. Hätte das Virus Hamilton mitten in der Saison erfasst wie seine Kollegen Sergio Perez und Lance Stroll von Racing Point, wäre es zwischendurch wohl enger geworden im Zweikampf um den Titel mit seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. 13 der bislang 15 Grand Prix gewann Mercedes, allerdings elf davon allein Hamilton. Den Rekord von Michael Schumacher und Sebastian Vettel, 13 Triumphe in einer Saison, wird er nicht einstellen 2020.

          Es ist sogar fraglich, ob er bis zum 6. Dezember, dem Finale in Abu Dhabi, wieder die Erlaubnis erhalten wird, ins Cockpit steigen zu dürfen. Die Anordnungen zur Begrenzung der Pandemie im Emirat sind sehr streng. Eigentlich müssen Einreisende in Quarantäne. Nur mit einer Sondererlaubnis und weil der gesamte Tross mit einem Charterflug nach Abu Dhabi reist, gestatten die Behörden eine Ausnahme. Voraussetzung ist das Blasen-Prinzip der Formel 1. Niemand kommt ohne negativen Test ins Fahrerlager, jeder mit Zutrittserlaubnis wird regelmäßig getestet, Hamilton vor der Entdeckung seiner Infizierung am Sonntagvormittag: negativ.

          Sein Team vermutet, dass der Champion vor der Abreise angesteckt wurde. Dann sauste der Weltmeister als unentdeckter Hotspot durch die Formel 1. Die Gefahr, andere Piloten anzustecken, ist zwar gering. Die Herren gehen sich eher aus dem Weg. Kommt es zu Berührungen, dann in der Regel auf der Piste, stark vermummt tief im Boliden. Da fliegen zwar mitunter die Fetzen, die Aerosole beim Fluchen schaffen es aber nur bis zum Visier. Es sei denn, man trifft sich zur Siegerehrung. Am Sonntag gewann Hamilton vor den Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Alexander Albon.

          Wer kann Hamilton ersetzen?

          Die Vermutung, niemand könne den Star der Szene ersetzen, ist so abwegig nicht. Aber jeder will einmal im Silberpfeil sitzen. Mercedes verzichtete am Dienstag auf eine Nominierung. Der Rennstall Haas ist dem Branchenführer voraus. Zumindest einmal. Erst entschloss er sich fix, für das schwer verunglückte, aber nur leicht verletzte Glückskind vom Sonntag, Romain Grosjean, Pietro Fittipaldi ins Cockpit zusetzen; immerhin den Enkel des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters Emerson Fittipaldi. Dann stellte das amerikanische Team am Dienstag auch den mittelfristigen Ersatzmann für Grosjean vor, dessen Vertrag nicht verlängert worden war. Nikita Mazepin, Sohn eines russischen Oligarchen, wird Stammpilot im nächsten Jahr. Zur Morgengabe gehört ein in der Höhe unbekannter Fahrtkostenzuschuss des Papas.

          Was nicht unbedingt die grundsätzliche Eignung des jungen Piloten als Steuerkünstler in Frage stellt. Immerhin wurde er am vergangenen Sonntag Dritter im Sprintrennen der Formel 2. Aber es gibt Bessere, die keinen Platz finden in der Königsklasse. Callum Ilott, zum Beispiel. Der Brite kämpft mit Mick Schumacher um den Titel in der Sprungbrettliga. Er verkürzte am Wochenende den Rückstand um acht Punkte von 22 auf 14, es hätten mehr sein können, wäre er nicht so ungestüm gewesen. 48 werden noch vergeben. Aber der Ausgang der Meisterschaft hat keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung von Haas.

          Teamchef Steiner sprach vor kurzem etwas pathetisch von einer „Ehre“, falls der Sohn des Rekordweltmeisters in seinem Team landen würde. Da wusste er längst, dass der Kooperationspartner Ferrari auch 2021 nicht nur ein komplettes Antriebssystem, sondern auch einen Formel-1-Lehrling schickt. Schumacher, Mitglied der Ferrari-Fahrer-Akademie, hat die Scuderia überzeugt mit seinem Aufstieg in dieser Saison an die Spitze der Formel 2. Sie will ihn bei Haas in die Formel-1-Schule stecken. Die Bekanntgabe dieser Vereinbarung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das ist so sicher wie die spöttische Formel-1-Weisheit vom Dienstag: Hamiltons Teamkollege Bottas hat beste Chancen, wieder ein Rennen zu gewinnen.

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