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Renndirektor : Formel 1 trauert um Charlie Whiting

  • -Aktualisiert am

Renndirektor Charlie Whiting ist tot. Bild: Reuters

Er drückte stets den Knopf, der die Signalanlage für den Start aktiviert – und kümmerte sich um die Sicherheit der Fahrer. Jetzt ist Renndirektor Charlie Whiting überraschend gestorben.

          Entsetzt hat die gesamte Formel 1 auf den Tod von Charlie Whiting reagiert. Der  Renndirektor ist in der Nacht zum Donnerstag in Melbourne plötzlich gestorben. Das bestätigte der Internationale Automobil-Verband (Fia) drei Tage vor dem Saisonstart. Demnach erlag der 66 Jahre alte Brite den Folgen einer Lungenembolie. „Ich  bin bestürzt vom plötzlichen Tod Charlies“, teilte Fia-Präsident Jean Todt mit. „Ich kannte ihn seit vielen Jahren. Er war ein großer Renndirektor, eine zentrale Figur der Formel 1. Charlie verkörperte den Geist dieses phantastischen Sports. Meine Gedanken sind bei seiner Familie.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ferrari-Pilot Sebastian Vettel sprach auch für seine Kollegen, als er sagte:  „Das ist ein Schock für mich. Es ist schwer zu verstehen, wenn jemand plötzlich nicht mehr das ist. Ich hatte am Mittwoch noch mit ihm gesprochen. Man konnte ihn immer fragen, er hatte immer ein offenes Ohr für uns.“ Michael Masi wird die Aufgaben von Whiting zum Saisonstart an diesem Sonntag (6.10 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky) übernehmen.

          Whiting arbeitete seit 1988 für die Fia. 1997 wurde er Renndirektor und stieg damit zu einer der einflussreichsten Personen der Formel 1 auf. Den Fernsehzuschauern wurde er bekannt durch die Bilder von der Live-Übertragung der Grand-Prix-Starts. Whiting überwachte dabei in einer verglasten, über der Piste hängenden Kabine den Ablauf der Aufstellung und drückte den Knopf, der die Signalanlage in Betrieb setzt. Er hatte die Macht, das Prozedere oder auch einen Grand Prix im vollen Lauf  abzubrechen, insofern er die Sicherheit für Fahrer oder Publikum gefährdet sah.

          Whiting drückte im übertragenen Sinne viele Knöpfe, weil er nicht nur für das ordnungsgemäße Kreisen von der ersten Trainingsrunde bis zur Zieldurchfahrt verantwortlich zeichnete. Als Leiter der technischen Abteilung der Formel 1 koordinierte er die Logistik der Grand Prix, ließ die Autos überprüfen, setzte Regeln der Fia für die Autos, Teams und Fahrer durch, überwachte das Verhalten der Piloten und erklärte ihnen Rennen für Rennen in den Fahrer-Briefings, was erlaubt und verboten sei. Die Zulassung neuer Rennstrecken für die Formel 1 kam nur mit Zustimmung des Engländers zustande, dem Sicherheitsbeauftragten.

          Whiting nahm auch diese Rolle sehr ernst. Noch am Mittwochnachmittag hatte er die Piste für den Großen Preis von Australien persönlich abgenommen – zu Fuß, wenige Meter hinter Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, mit dem er sich kurz zuvor freundlich unterhalten hatte. Umgeben von einer Gruppe Mitarbeiter und Angestellter des Ausrichters prüfte der Brite mit dem schlohweißen Haar munter die neuralgischen Stellen der Piste. Sie führt teilweise über sonst öffentliche Straßen. Whiting rüttelte am Mittwoch an Gittern, prüfte die Verankerung von Kanaldeckeln und den Zustand von Randsteinen penibel. Seine Interesse galt nicht nur dem Schutz der Piloten, sondern auch der Sicherheit der Zuschauer. „Er war integer, die Stimme der Vernunft und im Herzen ein Racer”, sagte Christian Horner, Teamchef von Red Bull.

          Trotz seiner Umsicht konnte es Whiting nicht verhindern, dass in seiner Amtszeit zwei Streckenposten von Rennwagen-Trümmern, Paolo Gislimberti 2000 in Monza und Graham Beveridge in Australien 2001, erschlagen wurden. 2015 erlag der Formel-1-Pilot Jules Bianchi an den Folgen seiner Kopfverletzungen, die er beim Rennen in Suzuka 2014 erlitten hatte. Bianchi war unter Gelber Flagge bei starkem Regen von der Strecke abgekommen und gegen ein Bergungsfahrzeug geprallt, dass nach dem Unfall von Adrian Sutil auf das Streckengelände gefahren war.

          Whiting begann seine Karriere in der Formel 1 1977 beim Team Hesketh, wechselte in den Achtziger Jahren zu Brabham, bevor er  1988 zur Fia wechselt. „Ich habe mit Charlie als Mechaniker zusammengearbeitet, wir wurden Freunde und haben viel Zeit miteinander verbracht auf den Rennstrecken dieser Welt. Das ist nur ein großer Verlust für mich, sondern für die gesamte Formel 1“, sagte Ross Brawn, der Direktor Motorsport des Formel-1-Besitzers Liberty Media. 

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