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Formel-1-Tests in Barcelona : Regenschirme bei blauem Himmel

  • -Aktualisiert am

Der Red Bull ist wieder das erste Objekt der Begierde in der Szene Bild: AFP

Geheimniskrämerei gehört zum Spiel der Formel 1. Interessante Erkenntnisse gibt es nach den letzten Testfahrten von Vettels „Zicke“, Problemfall Ferrari und den Silberpfeilen dennoch.

          4 Min.

          Wer Weltmeister wird? Die Formel-1-Teams wissen nicht einmal, ob sie die erste Runde des ersten Rennens in Melbourne am 18. März überstehen. Jedenfalls taten die meisten am Sonntag in Barcelona so, als müssten sie in eine große Glaskugel schauen, um etwas aus der nahen Zukunft zu erfahren.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Selbst nach dem Abschluss der letzten Testfahrten zur Vorbereitung auf die neue Saison um Punkt 17 Uhr wagte niemand eine handfeste Prognose. Manche stapelten tief, manche verharmlosten ihre Probleme. Dabei liegen den Rennställen Millionen von Daten vor, die meisten sind auch schon längst ausgewertet.

          Die Teams mögen zwar nicht ganz genau im Bilde sein, wer auf eine Runde, also beim Qualifikationstraining mit kaum Benzin im Tank, ganz vorne liegt. Die Rennsimulationen über einen Grand-Prix-Distanz aber haben Hinweise auf die gegenwärtige Hackordnung gegeben. Demnach fährt der Weltmeister, Red Bull, wieder voran, dichter gefolgt von McLaren und vielleicht Mercedes in der Verfolgerspur.

          Ein vielversprechendes Auto präsentierte Lotus dem Rückkehrer Kimi Räikkönen, während Ferrari deutlich hinter den eigenen Ansprüchen liegt und Nerven zeigte. Sauber dagegen festigte durch einen beeindruckenden Dauerlauf am Samstag den Eindruck, die Kreise der Schnelleren stören zu können. „Es geht ziemlich eng zu hinter Red Bull“, sagte Michael Schumacher unmittelbar nach seiner letzten von 100 Runden am Sonntag, „umso wichtiger wird es sein, das Auto optimal einzustellen.“

          Was hat Red Bull, was andere nicht haben?

          Nur nichts erkennen lassen. Das gehört seit Jahren zum Spiel in der Testphase. Es hat längst groteske Züge angenommen. Am Samstag versuchten Red-Bull-Mechaniker einem Ferrari-Mann die Sicht auf den blauen, mit neuen Teilen aufgemotzten Boliden zu nehmen. Als der Herr in rot eine Position veränderte, baute sich ein Red-Bull-Ingenieur vor ihm auf und blockte bei jedem Ausweichmanöver den Weg zur Red-Bull-Box wie ein Basketball-Spieler den Zug des Angreifers zum Korb.

          Am Sonntag stülpten Red-Bull-Mechaniker dann Vettels an die Box zurückgehrtem Dienstwagen in Windeseile eine Haube über den hinteren Flügel, andere hielten aufgespannte Regenschirme über das Heck - bei blauem Himmel. Früher sprach man von einer Paranoia. Heute sollen diese Abschirmdienste von existentieller Bedeutung sein. Obwohl längst Fotos von jeder äußeren Veränderung in der Datenautobahn um den Globus kreisen.

          „Manchmal ist der Hund drin. Es ist ganz normal, dass ein neues Auto noch ein bisschen rumzickt. So lange es schnell ist, kann man das verzeihen“: Sebastian Vettel

          Red Bull ist also wieder das erste Objekt der Begierde in der Szene. Dabei wurde die „Zicke“, wie Champion Vettel sein jüngstes Modell nannte, ihrem Namen am Sonntag gerecht. Ein Getriebeschaden, der dritte in diesem Winter, hielt den Champion aus Hessen stundenlang in der Box, erst zehn Minuten vor Ende der Versuchsfahrten begann Vettel seine 16. Runde, 23 wurden es, nur fünf davon fuhr er am Stück mit dem neuen Aeropaket.

          So kann man kaum Erfahrungen sammeln. Andere drehten mehr als 100 Touren auf dem „Circuito de Catalunya“. „Manchmal ist der Hund drin. Es ist ganz normal, dass ein neues Auto noch ein bisschen rumzickt. So lange es schnell ist, kann man das verzeihen“, sagte Vettel schon zur Mittagspause.

          Michael Schumacher landete im Kiesbett - dennoch scheint der Mercedes besser in Fahrt zu sein als vor einem Jahr

          „Ich freue mich schon, in Melbourne mit der „Zicke“ an den Start zu gehen. Ich denke, wir sind gut dabei. Wir schätzen McLaren stark ein. Mercedes ist definitiv stärker als im vergangenen Jahr. Ferrari scheint im Moment noch ein bisschen Schwierigkeiten zu haben. Lotus ist vielleicht ein Geheimtipp. Ich denke, es ist alles etwas enger zusammen.“

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