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Formel 1 : Talent zahlt sich nicht aus

Aus der Traum: Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg ist erst mal auf der Ersatzbank Bild: dpa

Weil in der Formel 1 die Fahrer zum Budget der Rennställe beitragen müssen, schauen manche zu, die eigentlich in den Kreisverkehr gehören. Nun trifft es auch Nico Hülkenberg.

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          Am kommenden Dienstag gibt er wieder Gas. Aber das Gefühl während dieses ersten Testtages der neuen Saison in Valencia wird ein anderes sein als noch vor einem Jahr. Seinerzeit betrat Hülkenberg eine neue Welt, er hatte Träume und wollte sich mit Williams in der Formel 1 etablieren. Zwölf Monate später bleibt für ihn nur die Rolle des Ersatzfahrers bei Force India. „Die Situation ist frustrierend“, sagt der Dreiundzwanzigjährige. „Aber damit muss ich jetzt klarkommen.“ Er hat keine andere Wahl. Im November 2010 hat Hülkenberg noch viele erstaunt, als er im Qualifikationstraining zum Grand Prix von Brasilien auf einer abtrocknenden Strecke auf die Pole Position fuhr. In einem unterlegenen Boliden. Doch auch das war am Ende kein Argument für einen Platz am Steuer. Er kann seinem Arbeitgeber kein Geld bieten, bringt keine Sponsoren mit. Hülkenberg hat nur eines: Talent.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch das ist inzwischen bei einigen Rennställen zu wenig. Die Formel 1 erlebt eine Renaissance, die Rückkehr des so genannten „Pay Drivers“. Piloten, die nicht unbedingt wegen ihres Können sondern vor allem wegen eines prall gefüllten Portemonnaies Kreise drehen. „Pay Driver“ haben immer schon dazu gehört. Mal mehr - und mal weniger. Zur neuen Saison aber schlägt ihr Anteil im Fahrerfeld wieder nach oben aus. Sehr zum Missfallen von Willi Weber. Als Manager brachte er Michael Schumacher 1991 in die Formel 1, jetzt betreut er Hülkenberg. „Wenn das so weitergeht, haben wir bald keine Talente mehr, sondern nur noch Leute mit Geld.“

          Dabei war genau das auch für Schumacher die Eintrittskarte in das PS-Abenteuerland. 250.000 Pfund wurden seinerzeit an Eddie Jordan überwiesen, damit sich der spätere Rekordweltmeister der Branche beim Großen Preis von Belgien erstmals versuchen durfte. Doch während früher vorwiegend kleine Rennställe ihre Cockpits verkauften, kommt man nun auch ans Steuer eines Williams, Sauber oder Renault, wenn man nur ausreichend Dollar dafür in Aussicht stellt. Nach der Weltwirtschaftskrise und dem Verlust potenter Sponsoren ringt selbst der vermeintlich gut situierte Mittelstand um seine Existenz.

          Mit der Zielflagge für die Karriere: Nico Hülkenberg (l.) ist nur noch als Force-India-Ersatzfahrer dabei

          Anstelle von Hülkenberg fährt deshalb der Venezolaner Pastor Maldonado für Williams. 2009 gingen beide noch zusammen für ART Grand Prix in der Nachwuchsserie GP2 an den Start, und die Machtverhältnisse waren schnell geklärt. 10:0 - so stand es nach den Duellen im Qualifying für den Deutschen. Doch der 25 Jahre alte Maldonado weiß potente Geldgeber hinter sich. Bis zu 15 Millionen Euro soll Williams auf diesem Wege erhalten, und so geriet Hülkenberg auf das Abstellgleis. Weil sich der Rennstall für den weitaus erfahreneren Rubens Barrichello als zweiten Fahrer entschied.

          Auch Heidfeld muss auf die Ersatzbank hoffen

          Erfahrung hätte auch Nick Heidfeld zu bieten, doch sein Engagement bei Sauber endete nach nur fünf Rennen. Für ihn rückt der Mexikaner Sergio Perez in das Team, weil er den reichsten Mann der Welt in seinem Rücken weiß: Landsmann Carlos Slim, der laut Forbes ein Vermögen von rund 53,5 Milliarden Dollar besitzen soll und fortan mit seinem Telekommunikationsunternehmen Telmex als Sponsor von Sauber auftritt. Slim stellte Bedingungen und wollte Perez fahren sehen. Heidfeld bleibt nur noch die Hoffnung, dass ihn Mercedes wieder als Ersatzfahrer anstellt.

          Er wäre ein Leidensgenosse von Hülkenberg, der immerhin jeweils an den Freitagen vor den Rennen für eineinhalb Stunden auf die Strecke darf. Dabei lag ihm neben der Offerte von Force India auch ein Angebot von Virgin vor, wo er der zweite Pilot neben dem Deutschen Timo Glock werden sollte. Hülkenberg lehnte ab, weil ihm das Risiko zu groß erschien. „Als Fahrer kannst du in so einem Auto keine Glanzmomente setzen“, sagt er. „Du kannst nicht mehr auf dich aufmerksam machen und gerätst in einen Teufelskreis, aus dem du dann nicht mehr rauskommst.“

          „Ich will in die Formel 1, weil ich gut bin“

          Nur wer sich im Fokus der Kameras im Kreis dreht, empfiehlt sich für höhere Aufgaben. Genau das ist der Plan von Adrian Sutil, der deshalb bei Force India offenbar nur einen Einjahresvertrag unterschrieben hat. „Sicherlich hat Adrian das Ziel, Weltmeister zu werden. Aber das geht nur bei einem der Top-Teams“, sagt Manager Manfred Zimmermann, und dorthin will er seinen Klienten bringen.

          Dann wäre auch Hülkenberg wieder im Geschäft. Als Nachfolger von Sutil. „Ich will in die Formel 1, weil ich gut bin“, sagt er. „Aber nicht, weil ich Geld mitbringe. Deshalb werde ich mir jetzt ganz sicher keine dicken Sponsoren suchen, um mir so ein Cockpit zu erkaufen.“

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