https://www.faz.net/-gtl-6mnaj

Formel 1 : Sutil und Hülkenberg kämpfen ums Cockpit

  • -Aktualisiert am

Der Etablierte: Adrian Sutil hat inzwischen 95 Rennen hinter sich Bild: dpa

Force India lässt die Cockpit-Frage für 2012 weiter offen: Der Schotte di Resta scheint gesetzt, ums den zweiten Sitzplatz streiten sich die Deutschen Adrian Sutil und Nico Hülkenberg. Fortsetzung an diesem Freitag in Monza.

          2 Min.

          Zukunftsfragen entscheidet die Formel 1 gerne im Spätsommer. So steht vor dem Großen Preis von Italien an diesem Sonntag in Monza fest, dass einige Rennställe die Entwicklung ihrer Boliden einstellen werden, um – volle Kraft voraus – alle Energie in den nächsten Renner fließen zu lassen. Wenn doch nicht mehr viel zu gewinnen oder zu verlieren ist beim anscheinend unaufhaltsamen Zug von Sebastian Vettel im Red Bull zum zweiten WM-Titel. Auch die Cockpitbesetzung der besten Teams ist fix. Und doch wird in den nächsten Tagen und Wochen erbittert um Sekundenbruchteile, um Millionen-Gewinne gekämpft und, im Schatten der Großen, sogar um die Existenz.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Stimmung bei Force India ist gut. Das sagen die Piloten. Dabei steht für den Rennstall im Privatbesitz viel auf dem Spiel. Er könnte Sauber noch vom sechsten Platz der Konstrukteurswertung verdrängen, was bei der Auszahlung der Vermarktungsanteile einen Zuschlag von – geschätzt – zwölf Millionen Dollar ausmachte. Geld, was dringend benötigt wird. Vielleicht lässt Besitzer Vijay Mallya deshalb seine Piloten zappeln. Der Schotte Paul di Resta und Adrian Sutil wissen noch nicht, ob sie auch 2012 im Stammcockpit hocken.

          Denn im Nacken sitzt ihnen Testpilot Nico Hülkenberg. Die inszenierte „Reise nach Jerusalem“, so glaubt man im Fahrerlager, laufe allerdings auf ein deutsch-deutsches Duell um den heiß begehrten Stuhl hinaus. „Nico wird versuchen, das Cockpit zu ergattern, denn ich glaube nicht, dass man woanders einen besseren Platz finden kann“, sagte Sutil am Donnerstag, „das wir spannend.“

          Der Herausforderer: Nico Hülkenberg möchte mehr als nur testen Bilderstrecke

          Im fünften Jahr kreist Sutil um seinen Aufstieg in der Formel 1 im gleichen Team. Er gilt trotz Schwankungen mit inzwischen 95 Rennen als etablierter Pilot, bewies immer wieder seinen Mut und sein Tempo unter schwierigen Bedingungen. Die Niederlagen gegen den Debütanten di Resta im Qualifikationstraining bis zur Saisonhalbzeit hat er weggesteckt. Seit dem Großen Preis von Deutschland ließ er den drei Jahre jüngeren Kollegen (25) beim Sprintwettbewerb dreimal hinter sich.

          „Mit dem Umbau des Autos habe ich jetzt wieder mehr Vertrauen. Es ist besser zu fahren, stabiler. Ich habe mehr Spaß und Selbstbewusstsein“, begründet Sutil seine Beschleunigung. Kurz vor dem Saisonstart hatte sich Force India zu einem radikalen Umbau des Autos entschlossen. Aus der ehemaligen „Baustelle“ (Sutil) ist ein Modell mit Perspektive entstanden. Entsprechend warmherzig formulierte Sutil seinen Wunsch, am Steuer bleiben zu wollen. „Absolut. Ich fühle mich wohl, ich mag das Team und Vijay“, sagte Sutil, „ich mache mir auch keine Sorgen. Was soll ich denn verlieren?“

          Vielleicht einen der begehrtesten Arbeitsplätze im Motorsport. Wie schnell das gehen kann trotz ansprechender Leistungen erlebte Hülkenberg im vergangenen Jahr. Im vorletzten Grand Prix 2010 in Brasilien stellte er den Williams auf die Pole Position. Die Demission des Debütanten war aber längst beschlossen. Bei Williams ist das nichts Besonderes. Die Briten jagten schon ihre eigenen Weltmeister vom Hof, Nigel Mansel (1992), Alain Prost (1993) und Damon Hill (1996).

          „Bislang hatten wir Spaß zusammen“

          Hülkenberg wurde nicht vom nächsten WM-Kandidaten verdrängt, sondern vom unbekannten Pastor Maldonado aus Venezuela und dessen Mitgift. Gegen die Millionen eines Ölkonzerns ließ sich nicht anfahren. Der Rheinländer hat schließlich vorwiegend Talent zu bieten. Davon aber so viel, dass Force-India-Ingenieure, wie ein Mitarbeiter des Teams bestätigte, von der Steuer-Qualität des Rheinländer überzeugt sind.

          Als Testfahrer wird Hülkenberg freitags vor den Rennen jeweils im Tausch mit Sutil und di Resta für anderthalb Stunden ins Auto gesetzt. Ein heikles Spiel, das Sutil, eng verbunden mit dem Teamsponsor Medion, zuletzt gegen den Strich ging. In Belgien bot sich dem Bayer wegen des Regens zu seiner Einsatzzeit keine Chance einer angemessenen Grand-Prix-Vorbereitung. Als Hülkenberg fuhr, trocknete die Piste ab: „In solchen Situationen muss man als Team erkennen, dass es nicht besser ist, wenn der Testfahrer im Auto sitzt“, klagte Sutil, „wir sollten unser Glück nicht allzu sehr herausfordern.“ Vielleicht steht es auf der Kippe. „Bislang hatten wir Spaß zusammen“, sagte Hülkenberg am Donnerstag, „mal sehen, wie das in den nächsten Rennen wird.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

          Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
          Ein Kuss sagt mehr als 1000 Worte: Die britische Prinzessin Eugenie bei ihrer Hochzeit im Oktober 2018 mit Ehemann Jack Brooksbank.

          Ein wahres Feuerwerk : Was im Gehirn passiert, wenn wir uns küssen

          Wenn sich Lippen berühren, bricht im Gehirn ein Feuerwerk aus. Nervenzellen und Synapsen befinden sich im Ausnahmezustand. Mit Hilfe moderner Technik können Wissenschaftler die Leidenschaft nun abbilden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.