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Reifenschäden in Aserbaidschan : Die Formel 1 spielt Schwarzer Peter

Was war das? Max Verstappen nach seinem Aus in Aserbaidschan. Bild: Reuters

Max Verstappen und Lance Stroll schlagen beim Rennen in Baku plötzlich in die Streckenbegrenzung ein. Warum hielt bei ihnen ein Reifen nicht? Die Diskussion um den Grund für die Crashs begann sofort.

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          Max Verstappen hatte es geahnt. „Pirelli wird wie immer sagen, dass da ein Teil von einem anderen Crash auf der Straße lag“, sagte der Red-Bull-Pilot auf Nachfrage des Sky-Reporters am Sonntagabend in Baku. Verstappen schien seinen Unfall fünf Runden vor Rennende bereits verkraftet zu haben, nicht nur körperlich.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Er war auf bestem Wege, die Führung in der Weltmeisterschaft mit dem Sieg beim Großen Preis von Aserbaidschan auszubauen, als auf der Start-und-Ziel-Geraden der linke Hinterreifen Druck und Form verlor. Als der Niederländer beim Medizincheck war, erfuhr er, dass Rivale Lewis Hamilton den Neustart versemmelt hatte. Verstappen verließ den Doc gesund, munter und als WM-Führender, in ansteigender Stimmung und mit der erwähnten Vorahnung.

          Das Ende der Dienstfahrt war der Beginn der Diskussion: Warum hielt der Reifen nicht? 15 Runden vor Verstappens Crash war das Rennen des Kanadiers Lance Stroll im Aston Martin auf dieselbe, höchst gefährliche Art und Weise zu Ende gegangen: linker Hinterreifen defekt, Einschlag in die Streckenbegrenzung, ohne größere körperliche Folgen – auch weil wie im Falle Verstappens der nachfolgende Verkehr nicht so dicht war, dass es zu Folgeunfällen kam.

          Formel 1

          Mario Isola, Rennleiter des Monopolisten Pirelli, der die Formel1 seit 2011 beliefert, bestätigte Verstappens Ahnung subito. Es gebe bislang nur Indizien, sagte der Italiener, die Reifen gingen per Luftfracht zur Analyse nach Mailand, bis zum nächsten Rennwochenende in zehn Tagen in Le Castellet solle es einen Report geben.

          Aber eines meinte Isola schon sehr genau zu wissen: „Das waren keine Reifenschäden aufgrund zu großer Abnutzung.“ Seine Vermutung: Ein Trümmerteil sei überfahren worden, auch am Hinterreifen des Mercedes von Hamilton sei ein Cut zu finden gewesen. Der Weltmeister, der das Rennen auf Platz 14 beendet hatte, habe schlicht mehr Glück gehabt als die Konkurrenten.

          Isola setzte sich eine Indizienkette zusammen: Andere Fahrer seien länger, aber problemlos auf einem Reifensatz unterwegs gewesen als Stroll und Verstappen, zudem werde rund um die Altstadt von Baku der rechte, nicht der linke Hinterreifen stärker beansprucht. Da baute jemand vor. Pirelli war im vergangenen Jahr in die Kritik geraten, als sich Reifenschäden häuften.

          Für die laufende Saison hatte der Hersteller die Konstruktion stabilisiert. Man werde die Daten der Teams auswerten, kündigte Isola an. Von Verstappens Red-Bull-Mannschaft dürfte nicht allzu viel Verwertbares kommen. Absolut nichts habe sich über die Telemetrie angekündigt, hatte der WM-Spitzenreiter sehr schnell wissen lassen. Die Formel1 wird noch einige Tage Schwarzer Peter spielen.

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