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Start-Debakel in Formel 1 : Verstappen sticht Mercedes aus – Vettel verliert Kontrolle

Das Risiko wurde belohnt: Max Verstappen gewinnt in Silverstone. Bild: Reuters

Direkt nach dem Start hat der deutsche Ferrari-Pilot große Probleme. Zwischenzeitlich ist Sebastian Vettel sogar Letzter. In der Spitze durchbricht ein mutiger Max Verstappen erstmals die Mercedes-Dominanz.

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          Der blaue Rennwagen vorne? Nochmal hinschauen. Nein, das war keine optische Täuschung, als Max Verstappen im Red Bull durch das Ziel von Silverstone sauste und dann elf Sekunden lang kein weiterer Bolide auftauchte: Bis der ersten schwarze Renner mit Lewis Hamilton am Steuer und dahinter dann sein Teamkollege Valtteri Bottas: Der Seriensieger Mercedes geschlagen auf dem eigenen Terrain, in Silverstone, und dann noch zum Jubiläums-Grand-Prix 70 Jahre Formel 1.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Da lachte Verstappen und sprach nicht nur für sein Team: „Was für eine wunderbare Überraschung.“ Auf so ein Glücksgefühl wartete Sebastian Vettel vergeblich. Als es im Grand Prix um Reifendrücke bis zum Bersten ging, war die Luft beim Ferrari-Piloten raus: Nur Zwölfter wegen eines Drehers in der ersten Kurve.

          Vettel ganz hinten

          Es kann noch ein anderer gewinnen? Ins Selbstverständnis von Hamilton passt diese Variante nicht. Silverstone soll sein Reich sein. Und so jagte er nach dem Start erst den Teamkollegen aus Finnland, der es in den vergangenen Jahren immer mal wieder geschafft hatte, Schwächen des Engländer auszunutzen. Fünf Runden setzte Hamilton nach dem Start Bottas unter Druck, drückte den Rückstand immer wieder unter eine Sekunde, das Richtmaß für eine aussichtsreich erscheinende Attacke. Aber Bottas leistete sich nicht den Anflug eines Fehlers.

          Ganz im Gegensatz zu Vettel. Von Startplatz elf schoss der Heppenheimer los, aber schon beim Herausbeschleunigen aus der ersten Kurve verlor er bei durchdrehenden Reifen kurz die Kontrolle über den Ferrari. Als Fahrer und Bolide wieder in die Spur fanden, war das Feld vorbeigezogen: Letzter. Und so richteten sich die Augen aus deutscher Perspektive zunächst auf den Landsmann im Feld: Wo ist Hülkenberg? Auf Rang vier im ersten Grand Prix nach 252 Tagen ohne Rennerfahrung in der Formel 1. Chapeau. Aber das Tempo der Spitze konnte der Rheinländer in seinem Racing Point nicht halten. Nach zehn Runden sauste die Mercedes-Fraktion gut zehn Sekunden voraus, allein dicht verfolgt vom Niederländer Verstappen im Red Bull.

          Schwierigkeiten in der ersten Runde: Sebastian Vettel erlebt in England wieder einen problembehafteten Formel-1-Tag.
          Schwierigkeiten in der ersten Runde: Sebastian Vettel erlebt in England wieder einen problembehafteten Formel-1-Tag. : Bild: AP

          Was war da los? Hamilton nur Zweiter und Mercedes nicht allein auf weiter Flur des ehemaligen Militärflughafens? Als noch Könige die Formel 1 besuchten, etwa am 13. Mai zur Premiere der Formel 1 1950, King George VI., wurde Majestäten noch der rote Teppich ausgerollt. Verstappen ließ den Königen der modernen Formel 1 am Sonntag keine Atempause. Auf den harten Reifen losgefahren, blieb er 13 Runden länger bis zum ersten Boxenstopp im Kreisverkehr, übernahm die Führung von den zum Reifenservice abgebogenen Silberpfeilpiloten und überraschte mit besseren Rundenzeiten auf den gebrauchten Pneus. „Ich manage nur den (Reifen) vorne links ein bisschen“, rief er und verwarf kess die Warnung seiner Renningenieurs, nur ja auf die Gummis zu achten. Der Mercedes verschleißt die Reifen bei Hitze schneller, was die Teamführung auch zur Vorsicht mahnte: Beim ersten Rennen in Silverstone am 2. August hatte sich Hamilton trotz eines sich auflösenden linken Vorderreifens als Sieger ins Ziel gerettet. Bottas fiel aus dem gleichen Grund von Position zwei zurück auf Rang 13.

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          Am Sonntag klagte Hamilton über Blasen auf seinen Pneus. Und Verstappen? Der verlor zwar seine Führung beim ersten, diesmal nicht so für Red Bull typisch ultraschnellen Boxenstopp an Bottas. Aber zurück auf der Piste fackelte er nicht lange. Tauchte nach Sekunden formatfüllend im Rückspiegel des Mercedes-Piloten auf. Da sog sein Teamchef Christian Horner für einen Moment die Luft ein. Als der Brite ausatmete, sah er seinen Chefpiloten wieder in Führung und in der Position des Favoriten für den Tagessieg. Wie das? „Verstappen muss mit geringerem Reifendrücken fahren“, behauptete Hamilton bei voller Fahrt. Champions haben bei Tempo 300 den Spielraum im Oberstübchen, alles im Geiste zu kombinieren. Etwa eine Missachtung des Reifenherstellers, der Vorgaben macht für den Luftdruck, um nicht haftbar gemacht werden zu können.

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          Hamilton schien zu platzen, als er auf seine Reifen schaute und Verstappen davonfliegen sah, auch Bottas aus dem eigenen Stall. Selbst Leclerc im Ferrari zog vorbei. Was geht da noch mit neuen Reifen auf den letzten acht Runden und ein paar Zehntelsekunden hinter dem Ferrari-Mann? Bestzeiten in Serie. Um ein Haar in den roten Renner gerauscht, weil Leclerc in der Anbremszone bei Tempo 300 herumzackte, wie es schwer verboten ist in der Formel 1 der Gegenwart. Das Manöver mag die Pulsfrequenz von Hamilton hinaufgetrieben haben in den roten Bereich. Aber er ließ sie samt Leclerc sofort hinter sich und jagte Bottas: Vier Runden noch, 1,1 Sekunden Rückstand im teaminternen Duell. „Ihr habt freie Fahrt“, lautete das Kommando von der Boxenmauer. Ein schöner Zug. Aber ohne größere Bedeutung. Die erste Attacke reichte zu einem ungefährlichen Überholmanöver und einer betriebsinternen Korrektur: Der Chef fuhr wieder vorne und so ins Ziel, wenn auch elf Sekunden hinter Verstappen. Bottas klagte über eine schlechte Strategie zu seinem Nachteil.

          Blieb die Frage nach den Deutschen: Hülkenberg? Siebter, noch hinter seinem Teamkollegen wegen eines dritten Boxenstopps, weil der Reifensatz Vibrationen auslöste. Und Vettel? Als Zwölfter ohne Punkte. Eine weiterer, mühsamer Nachmittag, den der viermalige Weltmeister nicht ohne Missmut über das Missgeschick seiner Strategen vergehen ließ. Sie hatten ihn aus seiner Sicht zu früh für den Reifenwechsel aus dem Verkehr genommen. Als Vettel ins Rennen zurückkehrte, hing er hinter langsameren Kollegen fest. „Wir haben das heute Vormittag besprochen, das war Quark“, sagte der Hesse. Ferrari nahm die Kritik gelassen hin. Die Scuderia hatte auf Leclerc gesetzt. Dem Monegassen unterlief kein Fehler.

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