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Formel 1 : „Silberpfeile“ auch sportlich geschlagen

  • -Aktualisiert am

Markenweltmeister unter Vorbehalt Bild: AP

Doppelerfolg für Ferrari: Räikkönen siegte beim Großen Preis von Belgien vor seinem Teamkollegen Massa. Die McLaren-Piloten Hamilton und Alonso sind sich derweil ganz nahe gekommen - im Duell auf der Piste. Von Anno Hecker.

          3 Min.

          Und, sind sie nun Weltmeister? Theoretisch ja. In der Wirklichkeit aber weiß niemand, ob Ferrari am Sonntag beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps mit dem Triumph von Kimi Räikkönen vor Felipe Massa, Fernando Alonso und Lewis Hamilton (beide McLaren-Mercedes) die Konstrukteurs-Meisterschaft 2007 unwiderruflich gewonnen hat.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zwar wurden McLaren wegen der Spionageaffäre alle Punkte im Markenpokal gestrichen. Ferrari führt nun uneinholbar. Doch McLaren wird erst nach Prüfung der Verhandlungsprotokolle entscheiden, ob man das Berufungsrecht wahrnimmt oder - eher wahrscheinlich - die Verurteilung murrend akzeptiert.

          Alonso nutzte die ganze Breite der Straße

          Vielleicht verschwindet die Schlagzeile vom Sonntag: „Weltmeister unter Vorbehalt.“ In jedem Fall spitzt sich der Zweikampf um den Fahrertitel zu. Hamilton führt drei Rennen vor Ende der Saison mit 97 Punkten vor Alonso (95). Räikkönen (84) und Massa (77) rechnen sich noch Chancen aus (Siehe: Ergebnisse Formel 1): „Es könnte ja auch jemand ausfallen“, sagte Räikkönen nach seinem dritten Sieg in Spa seit dem Erfolg 2004. Wenn bei McLaren-Mercedes zurzeit auch einiges bricht, der Bolide hält. Pannenfrei im Rennbetrieb steuert das Team mit Höchstgeschwindigkeit auf einen Standfestigkeitsrekord zu.

          Sind sie nun Weltmeister? Theoretisch ja!

          Was die Maschine verspricht, schafften die Menschen nicht. Das Haltbarkeitsdatum der Zweckgemeinschaft scheint abgelaufen (Siehe: Spionageaffäre: Wollte Alonso McLaren erpressen?). So nah wie am Sonntag auf der Piste werden sich Alonso und Hamilton wohl abseits des Cockpits nicht mehr kommen. Als der Weltmeister gut 300 Meter nach dem Start um die Haarnadelbiegung „La Source“ bog und als Dritter hinter Räikkönen und Massa den Boliden seines Teamkollegen auf der Außenbahn entdeckte, nutzte er die ganze Breite der Straße.

          Rad an Rad

          Alonso ließ seinen McLaren bei der Beschleunigung mit 750 PS so weit freien Lauf, dass der Renner weit nach links zog, Hamilton auf Abwege zwang. Der Brite schoss erst über den Grünstreifen und dann auf dem asphaltierten Seitenstreifen zurück ins Rennen, ohne auch nur um einen Millimeter vom Gas zu gehen. Beide McLaren-Rennwagen flogen im Pas de Deux auf die Senke vor der berühmten Kurve „Eau Rouge“ zu.

          Rad an Rad und so rasant, dass Zuschauern in der McLaren-Box einschließlich Chef Ron Dennis die Münder offen standen. Dort, wo die Fahrer in der Rechtskurve steil bergauf rasen und nur noch Wolken sehen, wirkte die McLaren-Demonstration wie ein Himmelfahrtskommando. Alonso reichte der leichte Vorteil auf der Innenseite. Hamilton gab nach. Der Crash blieb aus. Der nächste Krach kommt bestimmt (Siehe auch: Zoff bei McLaren: Fernando Alonsos Alleingang).

          Ferrari kreiste um den Erzfeind

          Selbst ohne diese Einlage der Kurvenkünstler hätte sich die Scuderia abgesetzt. Peu á peu zog Räikkönen mit Massa halbwegs im Schlepptau im hohen Venn Alonso und Hamilton davon. Vor und nach dem ersten Boxenstopp um rund sieben Zehntelsekunden pro Runde. Ein Zeitsprung in der Formel 1. Vor einer Woche noch, auf Ferrari-Terrain in Monza, bewegte sich McLaren-Mercedes auf einer Umlaufbahn. Sieben Tage später kreiste Ferrari um den Erzfeind.

          Die sich früh abzeichnende Entscheidung im Kampf um den Sieg in Spa nach den ersten aufregenden Sekunden und den sportpolitischen Turbulenzen lenkte den Blick auf alles, was nach Ferrari und McLaren-Mercedes kommt. Zur Hälfte des Grand Prix über 44 Runden und gut 300 Kilometer mussten die mehr als 65.000 Zuschauer allerdings schon 40 Sekunden warten, ehe die Schnellsten der zweiten Klasse um die Kurve sausten - mit BMW-Sauber an der Spitze und den Deutschen im Jahr nach Schumacher in der Verfolgerrolle.

          Renault gegen Rosberg

          Nick Heidfeld, am Start zurückgeworfen von Rang sechs auf acht, übernahm schnell wieder die Stammposition der Bayern in diesem Jahr: Fünfter. Mehr ist kaum drin 2007 und mehr beansprucht BMW-Sportchef Mario Theissen auch vorerst nicht. Selbst wenn sein Team in der Konstrukteurswertung nun an Rang zwei geführt wird: „Wir wollen unsere Gegner auf der Strecke in einem fairen Wettbewerb schlagen.“ Spätestens nächstes Jahr.

          Von hinten brauchte BMW keinen Angriff zu fürchten. Nico Rosberg fuhr als Sechster zu weit hinterher (20 Sekunden), als dass er im Rückspiegel hätte auftauchen können. Aber das Format, die große Kurve in seiner Karriere zu schaffen, besitzt der in Wiesbaden geborene, in Monaco aufgewachsene, mit deutschem Pass lebende Europäer. Teamchefs wie Flavio Briatore (Renault) gehen schon dazu über, ihre Gegner zu personifizieren: „Wir fahren gegen BMW und Rosberg.“

          „Ich fahre 2008 definitiv bei Williams“

          An BMW reicht der Weltmeister des vergangenen Jahres zwar nicht wirklich heran. Aber Rosberg zöge Briatore wohl gerne an seine Brust - und ins Team. Den 22-jährigen Williams-Piloten aber haben auch andere im Blick. Unter anderem wohl McLarens Teamchef Ron Dennis, einst Boss von Rosbergs Vater und Manager Keke, dem Weltmeister von 1982. Kurzfristig soll sich nichts ändern: „Ich fahre 2008 definitiv bei Williams“, erklärte Rosberg junior.

          Ralf Schumacher wäre schon zufrieden, wenn er eine Arbeitsplatzgarantie für nächstes Jahr in der Tasche hätte. Rang zehn vor dem Teamkollegen bei Toyota, Jarno Trulli, half dem Rheinländer am Sonntag auch nicht weiter. Adrian Sutil werden größere Chancen auf eine Beförderung innerhalb der Formel 1 eingeräumt. Als 14. fuhr er im Spyker am Limit und darüber hinaus. Das aber leisteten sich auch WM-Kandidaten.

          Als Hamilton drei Runden vor Schluss auf der Jagd nach Alonso zu schnell in die Doppel-Rechts-Kurve namens „Stavelot“ fuhr, musste er zum zweiten Mal an diesem Tag kurz die Piste verlassen. Alonso blieb trotz des großen Drucks ohne Fehl und Tadel. Dabei war er zuletzt neben der Spur unterwegs

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