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Formel 1 : Silberfarbenes Spekulationsobjekt

  • -Aktualisiert am

Geheimtipp: Mercedes vor der Saison Bild: dpa

Mysteriöse Kanäle im Inneren des Mercedes wecken die Neugierde der Gegner. Das Team gilt zu Beginn der neuen Formel-1-Saison als Geheimtipp.

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          Was drin steckt, wollen sie wissen. Diesmal auch bei Mercedes. Das ist ein gutes Zeichen. Flops werden gleich ignoriert. Aber potentielle Aufsteiger kriegen einen Extrabesuch abgestattet. So scharten sich Neugierige am Donnerstag um die Box des deutschen Rennstalls. Aufgeputscht von guten Testfahrten und Geschichten über mysteriöse Kanäle im Inneren des neuen Formel-1-Boldien. Viel gesehen haben sie nicht vom Silberpfeil.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          So kurz vor Beginn der Saison ist das den Konstrukteuren auch nicht recht. Wenn doch geschulte Kiebitze mit ein paar tieferen Blicken erahnen könnten, was das Auto vielleicht zum Renner macht. Schwupps verschwand das Mobil nach den Boxenstopp-Tests wieder in der Tiefe der Garage. Den Einblick in die neueste Technik konnte Mercedes verhindern, Spekulationen rund um den W03 nicht. Inzwischen kursieren sogar kühne Hochrechnungen mit den Deutschen als ersten Jägern von Sebastian Vettel im Red Bull.

          Selbst der kenntnisreiche Chef des Reifenlieferanten riet seinen Freunden, für 2012 auf den ersten Sieg von Michael Schumacher in einem Formel-1-Silberpfeil zu setzen. Der Mercedes hat sich still und fast heimlich zum Spekulationsobjekt entwickelt. Er gilt als Geheimtipp.

          Michael Schumacher: Erster Sieg im Silberpfeil scheint möglich

          Eigentlich kann das nicht sein. Nach dem Saisonstart vor einem Jahr, als Mann und Maus mit einem Angriff auf die Spitze, Schumacher zumindest mit Podiumsplätzen, ja Siegen rechnete, folgte die Ernüchterung: Mehr als vierte Plätze mit teils deutlichem Abstand sprangen nicht heraus. Aber Mercedes verstand die Botschaft, stellte fünfzig Mitarbeiter ein und setzte neue Ziele: „Wir haben jetzt eine Basis“, sagte Nico Rosberg in Melbourne, „das neue Auto ist ein Schritt nach vorne, ganz klar.“

          Qualifikationstraining als Maßstab

          Aber was die harte Arbeit wert sei, fügte Schumacher hinzu, werde man erst am Samstag beim Qualifikationstraining sehen. Umstrukturierte Rennställe wie Mercedes-AMG brauchen ihre Zeit, bis es rund läuft. Laut Plan will man 2013 vorne mitmischen, 2014 um die WM kämpfen. „Wir waren Vierter 2011. Drei Sprünge in einem Jahr zu machen“, sagte Motorsportchef Norbert Haug, „das ist unmöglich.“

          Und so nahm Teamchef Ross Brawn beim Eröffnungsempfang des Rennstalls vor der spannenden Enthüllung am Samstag die Spitze: „Ein Sieg? Das ist ein bisschen zu optimistisch. Es sei denn, die Umstände spielen mit.“ Das Wetter etwa. Just in diesem Moment tauchte die Sonne durch den bewölkten Himmel über dem Meer.

          Hoffnungsvoll: Nico Rosberg

          Bei Mercedes sieht man mehr als ein Lichtlein am Horizont. Aber die Diktion des Hauses nach den schlechten Erfahrungen 2011 gebietet bis zum Beweis von Triumph und Titeln Zurückhaltung. Rosberg ließ zumindest im Tonfall erkennen, dass ihn Aufbruchstimmung gepackt hat, die Aussicht etwa auf den ersten Sieg seiner Karriere nach nun 108 Grands Prix. Schumacher warnte mit neutraler Stimmlage dagegen vor einer neuen Qualität der Formel 1: „Es scheint sehr eng zuzugehen, da kann man schnell mal weiter hinten stehen.“ Oder nach vorne kommen.

          Sprung nach vorn

          Die Dauerläufe von Mercedes bei den Testfahrten werten aufmerksame Beobachter zumindest als untrügliches Zeichen für einen Sprung von Mercedes auf wenigstens Rang drei hinter Red Bull und McLaren. Denn so betont vorsichtig, wie sich Brawn und Schumacher äußerten, arbeiteten die Tüftler und Taktiker am Teamsitz in Brackley nicht: „Wir haben nicht nur ein konventionelles Auto“, sagte Haug, „sondern auch pfiffige Lösungen.“

          Nach Recherchen des Fachmagazins „Auto Motor und Sport“ ist es Brawns Denkern unter anderem gelungen, die Bewegung des Heckflügels mit der Wirkung einer Luftströmung (passiver F-Schacht) durch das Cockpit zu kombinieren. Funktioniert die Technik, dann soll der Mercedes auf den Geraden davonfliegen. Die Konkurrenz rätselt noch. Selbst Rosberg will mit dem Thema F-Schacht nichts anzufangen wissen: „Was ist das?“ Vielleicht eine neue Variante von Meister Brawn. 2009 präsentierte er - unter dem Protest der Gegner - den ein Jahr später verbotenen Doppeldiffuser. Nur deshalb gewann Jenson Button den WM-Titel.

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