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Schein und Scheine : Die Formel 1 bleibt ein Rätsel

  • -Aktualisiert am

Mehr als eine Lackierung? Sebastian Vettel im grünen Formel-1-Wagen Bild: AFP

Inzwischen macht die Formel 1 auf Werte jenseits des Geldes wie Menschenrechte und Umweltschutz. Wie sie nicht Teil des Problems sein will, sondern Teil der Lösung werden möchte, bleibt aber unklar.

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          Das Formel-1-Management (FOM) ist ein bisschen stolz: 23 Rennen hat es für 2021 auf die Beine gestellt. Ein Rekord. Was dahintersteckt? Eine beeindruckende Organisation. In Zeiten der Pandemie im Zickzack durch 22 Länder auf fünf Kontinenten rauschen zu dürfen ist ein verblüffendes Programm.

          Da kann der gemeine Reisefreund angesichts aller Verordnungen, Verbote und Quarantäne-Zeiten nur staunen. Aber kein Neid. Die Formel 1 hat sich strengste Regeln auferlegt. Sie saust jetzt ganz offiziell in einer Blase. Ihr Hygienekonzept dient dem internationalen Sport als Vorbild. Aber muss es gleich eine Welttournee mit 2000 Menschen sein?

          Wird das Programm wieder gekürzt?

          Muss es, sagt das Formel-1-Management FOM. Es gehe ums Überleben. Denn bei der schönen Sause über diesen Planeten versucht die Formel 1 zwar zu den Menschen zu kommen, aber die dürfen nicht zu ihr, nicht auf die Tribünen, keine Eintrittskarten kaufen. Zumindest nicht für den Grand Prix an diesem Sonntag in Imola (15.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky) und vorerst auch nicht an einigen anderen Rennplätzen.

          Deshalb halten die Promotoren eher die Hand auf, als dass sie, wie sonst üblich, Millionen, zweistellig, an die FOM überweisen. So bleiben nur die Fernsehgelder und das Tingeln über die Weltdörfer. FOM-Chef Stefano Domenicali hat angekündigt, das Programm wieder zu kürzen, wenn die Pandemie vorbei ist. Wir sind gespannt. In den ersten 71 Jahren ihres Daseins hat die Formel 1 eher genommen, was sie bekommen konnte.

          Aber inzwischen geht sie, laut eigenen Angaben, bewusster auf Reisen. Sie macht auf Werte jenseits der Scheine. Sie trägt ihre Menschenrechts-Kampagne durch die Welt. Und sie arbeitet an ihrer Energieversorgung. 2030 soll die Formel 1 CO2-neutral kreisen. Das neue Grün ist zwar mehr als eine Oberflächenlackierung. Aber selbst Sebastian Vettel klagte, der Prozess dauere viel zu lange. Wie die Formel 1 nicht Teil des Problems sein will, sondern Teil der Lösung werden möchte, das behauptet sie, bleibt ein Rätsel.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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