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Formel 1 : Letzte Chance für Vettel

  • -Aktualisiert am

Blick in eine ungewisse Zukunft: Vettels Wechsel zu Aston Martin bietet viele Chancen, lässt aber auch Fragen offen. Bild: AFP

Sebastian Vettel wird nicht künftig bei Aston Martin fahren, um wie James Bond die Welt zu retten. Dem Deutschen geht es um etwas ganz anderes. Doch er wird sich in Geduld üben müssen.

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          Sebastian Vettel im Aston Martin. Die altehrwürdige, winzige Sportwagenschmiede und der viermalige Weltmeister mit dem ausgeprägten Faible für historische Momente; das klingt nach einer wunderbaren Symbiose, nach einer Reise zurück in die Zukunft. Aston Martin soll eine bedeutende Rolle spielen in der Formel 1, 60 Jahre nach dem letzten Auftritt.

          Vettel, nicht viel weniger erwartet sein neuer Teamchef, werde den gesamten Rennstall mit seiner Erfahrung und seiner Steuerkunst auf das nächste Niveau heben. Dieser Vorschuss könnte den Heppenheimer aus der Krise seiner großen Karriere ziehen. Vettel braucht, wie alle Rennfahrer, Vertrauen ins Auto und von der Teamführung, wenn er bestens funktionieren soll. Beides kann und will ihm Ferrari nicht mehr bieten. Insofern erscheint der Wechsel des viermaligen Weltmeisters in den vorerst noch als Racing Point kreisenden Rennstall wie ein Gewinn, als Start eines großen Projektes.

          Getrieben von der Siegermentalität

          Nüchtern betrachtet ist es die letzte Chance für den glühenden Formel-1-Liebhaber Vettel gewesen, halbwegs aussichtsreich im Rennen zu bleiben. Weder Mercedes noch Red Bull trauten sich, einen Fahrer ins Team holen, der als viermaliger Champion nichts weniger als die Chefpiloten-Position akzeptiert. Vettel treibt die Siegermentalität, 2021 in seine 15. Saison einzusteigen. Bei Aston Martin wird er sich in Geduld üben müssen. Der Mercedes-Antrieb im Heck garantiert zwar eine bessere Beschleunigung als der Ferrari. Und die Ingenieure im vergleichsweise kleinen Team arbeiten wesentlich effizienter als die Konkurrenz.

          Aber die großen Entwicklungssprünge in der Formel 1 entstehen aus einer Kombination von Gehirnschmalz, Führungsstärke – und Geld. Ohne die schier unerschöpflichen Ressourcen seines Teams wäre es Michael Schumacher nicht möglich gewesen, Ferrari als Steuermann im doppelten Sinne in eine goldene Ära zu führen. Erst als der Daimler-Konzern massiv zu investieren begann, entwickelte sich der Silberpfeil zum seit 2014 unschlagbaren Goldboliden.

          Noch ist nicht zu erkennen, ob hinter Aston Martin viel mehr steckt als ein kanadischer Milliardär mit einer großen Idee zu einem günstigen Zeitpunkt. Die Formel 1 wird wegen der Budgetdeckelung vom nächsten Jahr an zwar endlich etwas billiger. Aber um Mercedes und Red Bull einholen zu können, wird Cleverness nicht ausreichen. Zumal andere Rennställe auf dem besten Weg sind, in die Führungsgruppe der Formel 1 vorzustoßen, Renault wie McLaren.

          Bei aller formulierten Vorfreude auf die neue Renngemeinschaft ist Vettel zu lange im Geschäft, um geblendet werden zu können von der Aura. Er fährt den Aston Martin im Auftrag seiner Lustzentrale zur Befriedigung eines ungebrochenen Siegeswillens – und nicht, wie einst James Bond im getunten DB5, um die Welt zu retten. Vermutlich ist die Vereinbarung mit Vettel, dem es nicht ums Honorar gegangen ist, auch deshalb freundschaftlich gehalten. Sie soll über das Jahr 2021 hinausreichen. Falls sich für Vettel wieder andere Türen öffnen, wird er ohne weiteres ziehen können.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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