https://www.faz.net/-gtl-93acy

Formel-1-Kommentar : Vettel und Ferrari auf dem richtigen Weg

  • -Aktualisiert am

Auch in dieser Saison holte Sebastian Vettel mit Ferrari nicht den WM-Titel. Bild: AFP

Drei Jahre, null Titel: Die Bilanz mit Sebastian Vettel genügt nicht den Ansprüchen von Ferrari. Und es wird nicht leichter. Doch es bleibt gar nichts anderes übrig, als den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

          „Wenn du merkst, dass es nicht reicht, ist es schwierig“, sagte Sebastian Vettel in Mexiko-Stadt, nachdem die Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 endgültig verloren war. Vettel musste eine Niederlage einstecken, die sich über Wochen angekündigt hatte – und ihn doch hart traf. Das war schon 2009 so, als der junge Vettel in der zweiten Hälfte der Saison dem haushoch führenden Briten Jenson Button nachgejagt war, vergeblich. Und doch war Vettel überaus enttäuscht, den Titel nicht gewonnen zu haben. Die Karriere, die folgte, der Titel 2010 als bis heute jüngster Weltmeister, drei weitere mit Red Bull, hat ihn als Frontmann zu Ferrari geführt. Als denjenigen, dem zugetraut wird, die Scuderia wieder aufzurichten.

          Vor dem Rennwochenende in Mexiko hatte Vettel noch einmal zurückgeblickt, daran erinnert, was er vorgefunden hatte, als er unterschrieben hatte im Herbst 2014. Der Vergleich mit der zerstrittenen, erfolglosen Mannschaft von damals spricht für Vettels Führungsqualitäten, spricht dafür, dass die Italiener damals den richtigen Fahrer unter Vertrag genommen haben. Und doch lässt sich die Statistik auch anders lesen: drei Jahre, null Titel. Zu wenig für die Ansprüche in Maranello, zu wenig vor allem für die Ansprüche von Konzernboss Sergio Marchionne.

          Und in diesem Jahr, das wissen Vettel und Marchionne, war es ja tatsächlich so, wie der neue Weltmeister Lewis Hamilton nach dem spektakulären Rennen in Mexiko feststellte: Der Mercedes war nicht unbedingt das beste Auto – Ferrari war, wenigstens auf etlichen Strecken, vorbeigezogen. Und trotzdem musste Vettel feststellen: „They were the better bunch“ – sie, Mercedes also, waren der bessere Haufen. Haben weniger Fehler gemacht, konnten stattdessen von den Fehlern profitieren, die Ferrari machte. Die Rennen, die Vettel in der zweiten Hälfte hätte gewinnen können, bisweilen müssen, gewann Hamilton. Mal setzte sich der Engländer, wie in Spa, überaus knapp gegen Vettel durch; häufiger noch legte sich Ferrari selbst lahm.

          Und selbst wenn der beeindruckende Hamilton abgehängt wurde, war Max Verstappen zur Stelle, nicht Vettel. Das wirft ein Szenario für die Zukunft an die Wand, das Vettel nicht gefallen dürfte: Es wird eher noch schwieriger mit dem Weltmeistertitel, der Niederländer und das immens erstarkte Red-Bull-Team sind mittendrin im Kampf um die Weltmeisterschaft 2018.

          Trotzdem ist Ferrari auf dem richtigen Weg. Dass sich das enorme Tempo bei der Entwicklung womöglich rächen könnte, war ein Risiko, dass die Scuderia eingehen musste. Die Maschine im Heck des SF70-H war durchaus langlebig, eine Zündkerze war es, zum Beispiel in Suzuka, nicht. Mercedes konnte in der entscheidenden Phase der Saison auf die eigene Erfolgserfahrung setzen, so wie es einst in den Schumacher-Jahren bei Ferrari war. Es bleibt Vettels Team gar nichts anderes übrig, als den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Größere Personalrochaden stellen eher selbstgebaute Hindernisse da. Gleichwohl scheint die Zukunft von Teamboss Maurizio Arrivabene noch immer ungewiss. Vettel plädierte in Mexiko-Stadt engagiert für seinen Verbleib: „Ich bin ein Fan.“

          Der Mittelpunkt der Formel-1-Welt: Lewis Hamilton holt seinen vierten WM-Titel. Bilderstrecke

          Weltmeister Hamilton kündigte im Moment des Sieges an, alles dafür tun zu wollen, dass Ferrari ihn auch in den kommenden Jahren nicht mögen werde. Die Scuderia setzt auf Vettel. Der, obwohl schwer geschlagen in diesem Jahr, hat gerade in Mexiko gezeigt, was in ihm steckt. Die 4,3 Kilometer des Autodromo Hermanos Rodriguez sind rutschig wie kaum ein anderer Kurs, die Höhenluft raubt den Autos viel von ihrem Anpressdruck.

          Auf die Pole Position, die er am Samstag mit beeindruckender Konzentration in letzter Sekunde herausgefahren hatte, folgte nachdem folgenschweren Dreikampf in der ersten Schikane eine bis ins Ziel spektakuläre Jagd über einen der schwierigsten Kurse des Rennkalenders. Vettel, der Verlierer, gratulierte Hamilton. Und sagte, anschließend bei aller Niedergeschlagenheit: „Ich habe keine Angst vor ihm.“ Warum auch? Vettel fuhr meisterhaft in Mexiko.

          Weitere Themen

          Neuer not amused

          Nach ter-Stegen-Aussagen : Neuer not amused

          „Auch wir Torhüter müssen zusammenhalten“: Manuel Neuer hat sich kritisch gegenüber Marc-André ter Stegen geäußert. Der Nationalmannschaftskollege vom FC Barcelona hatte sich zuvor frustriert über seine Ersatzrolle gezeigt.

          „Es gibt immer Idioten“

          Böllerwurf beim Rheinderby : „Es gibt immer Idioten“

          Sportlich war das 122. Rheinderby weniger ansehnlich. Neben dem Platz geschah außerdem viel Unrühmliches. Aus dem Kölner Block heraus gab es einen Böllerwurf, und zuvor war es schon zu einem Buttersäure-Anschlag gekommen.

          Topmeldungen

          Zu häufiges Nutzen des Smartphones kann krank machen. Aber ganz darauf verzichten geht heutzutage auch nicht.

          Data Detox : Wie man mit wenigen Schritten seine Datenflut eindämmt

          Unsere Datenflut kommt Konzernen wie Facebook und Google zugute, wobei alles andere als klar ist, was genau mit den Informationen geschieht. Mit einigen Tipps kann man sein Handy vor Zugriffen schützen.
          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.