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Zukunftssorgen in Formel 1 : Die entscheidende Frage für Sebastian Vettel

  • -Aktualisiert am

Könnte doch eine Zukunft in der Formel 1 haben: Sebastian Vettel Bild: dpa

Racing Point hat bereits zwei Fahrer unter Vertrag, dennoch wird über einen Wechsel von Sebastian Vettel spekuliert. Ist es nur eine Frage des Geldes und der Perspektive? Oder geht es noch um mehr?

          3 Min.

          Sebastian Vettel bei Racing Point – vor einem Jahr wäre diese Beziehung undenkbar gewesen. Da hatte Sebastian Vettel noch einen Vertrag mit Ferrari, und Racing Point war ein kleiner Rennstall aus dem Mittelfeld. Keine attraktive Destination für einen viermaligen Weltmeister. Nun ist Racing Point Vettels einzige Chance. Und sportlich gar keine so schlechte Option. Der RP20 ist das drittschnellste Auto im Feld. Wenn der Rennstall, der 2018 vom kanadischen Milliardär Lawrence Stroll aus der Insolvenz gerettet wurde, nun noch lernt ein Topteam zu sein, dann haben McLaren, Ferrari und Renault einen wehrhaften Gegner im Kampf um den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM.

          Mercedes, Red Bull, McLaren und Renault kommen für Vettel als neues Team aus verschiedenen Gründen nicht mehr in Frage – Racing Point aber sehr wohl. „Auf dem Papier mag es so aussehen, als wäre das meine einzige Option, aber die Wirklichkeit hat oft gezeigt, dass sich die Dinge in der Formel 1 schnell ändern können“, sagt Vettel. Er will nicht den Eindruck erwecken, er sei in einer Sackgasse angelangt. Zumal: „Zuerst einmal muss ich wissen, was ich überhaupt will. Dafür nehme ich mir Zeit. Wenn ich mich fürs Weitermachen entscheide, werde ich schauen, was noch möglich ist.“

          „Nichts für nur eine Saison“

          Doch Racing Point erhält Lob von ihm. „Sie haben eine gute Entwicklung gemacht, und der Speed des Autos in den ersten beiden Rennen war beeindruckend.“ An diesem Sonntag (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 sowie bei RTL und Sky) steht der nächste Grand Prix an, diesmal in Ungarn. Vettels früherer Teamkollege Daniel Ricciardo hat den Schritt von oben nach unten bereits hinter sich, er sagt: „Seb ist fast seine gesamte Karriere vorne gefahren. Eine Stufe tiefer ist fremdes Terrain für ihn. An diese Aufgabe muss er aufgeschlossen herangehen und sie als ein Langzeitprojekt betrachten. Das ist nichts nur für eine Saison.“

          Hälfte eins von Racing Point: Lance Stroll
          Hälfte eins von Racing Point: Lance Stroll : Bild: AP

          Berichte, Vettel habe bereits einen Vertrag unterschrieben, werden von Racing Point dementiert. Das macht man nicht in vier Tagen zwischen dem zweiten und dritten Grand Prix. Zumal noch einige Hürden zu nehmen wären. Der Vertrag von Sergio Perez läuft erst Ende 2022 aus, der von Lance Stroll endet nur, wenn es sein Vater so will. Der 21 Jahre alte Kanadier gilt als gesetzt, egal welche Leistung er bringt. Sein Vater hat bis heute rund 400 Millionen Dollar in die Karriere seines Sohnes investiert. Er wird sie so lange unterstützen, bis ihm der Filius sagt, dass er keine Lust mehr hat oder ihm seine kanadischen Geschäftspartner nahe legen, besser an die Zukunft des Teams als die seines Sohnes zu denken. Dabei wäre der Rennstall aus Silverstone, der im kommenden Jahr als Aston Martin an den Start geht, mit Vettel und Perez eine Macht.

          Hälfte zwei von Racing Point: Sergio Perez
          Hälfte zwei von Racing Point: Sergio Perez : Bild: AP

          Perez hat die Gerüchte um Vettel wahrgenommen. Der Mexikaner rief daraufhin die Teamleitung an, die ihm versicherte, dass sich an der Vertragslage nichts geändert habe. Doch der 30-Jährige aus Guadalajara ist misstrauisch geworden. Er fährt zehn Jahre in der Formel 1, er kennt das Geschäft. „In der Formel 1 ist nichts hundertprozentig sicher. So weit ich weiß, habe ich einen Vertrag mit diesem Team“, sagt er. Und: „Ein anderes Team hat sich schon bei mir gemeldet.“ Der US-Rennstall Haas F1 wollte den am meisten unterschätzten Fahrer der Formel 1 schon einmal verpflichten. Acht Podestplazierungen in unterlegenen Autos sprechen für sich.

          Bei Racing Point spricht für Perez, dass ein Austausch mit Vettel teuer wäre. Zu Vettels Gehalt kämen die Vertragsstrafe und der Verlust der mexikanischen Sponsoren hinzu. Das ist viel für einen Rennstall, der mit 130 Millionen Dollar unterhalb des künftigen Budgetdeckels operiert. Das Geld für den Transfer müsste von den kanadischen Investoren um Lawrence Stroll aufgebracht werden, die nicht alle bedingungslos hinter einem Verbleib des Juniors im Team stehen sollen.

          Angeblich wird auch diskutiert, den Sohn bei einem anderen Rennstall zu plazieren. Lance Stroll ist ein ordentlicher Rennfahrer, aber kein künftiger Weltmeister. Er wirkt immer ein bisschen gelangweilt und überfordert, wie einer, der nur fährt, um dem ehrgeizigen Vater einen Gefallen zu tun. Teamchef Otmar Szafnauer versucht die aufgeregten Gemüter zu beruhigen und sagt: „Wir sind glücklich mit unseren Fahrern. Beide haben Verträge. Sie müssen nur ihre Arbeit machen. Es ist unsere Absicht, Verträge zu honorieren.“ Im Vertrag von Perez soll es Klauseln geben, die eine vorzeitige Auflösung gegen eine Abstandszahlung ermöglichen.

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