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Formel 1 : Schumachers Neustart: Mission Schwarz, Rot, Silber

  • -Aktualisiert am

Neues Auto, neue Fahrer: Mercedes startet 2010 mit Nico Rosberg (vorne) und Michael Schumacher Bild: APN

Bei der Präsentation des neuen Formel-1-Rennstalls Mercedes Grand Prix ist Michael Schumacher unumstritten der erste Mann. Teamkollege Nico Rosberg aber will um den Titel „Nummer eins“ kämpfen.

          An Selbstbewusstsein mangelt es nicht beim Daimler. Was sie werden wollen mit Michael Schumacher und ihrem ersten Silberpfeil-Team in der Formel 1 seit 1955? „Weltmeister“, sagt Dieter Zetsche während der kurzen und bündigen Präsentation von Mercedes Grand Prix am Montag im feinen Museum des Konzerns. Zwar warb der Vorstandsvorsitzende um „ein bisschen Zeit“. Am Leistungsdiktat aber ließ er keinen Zweifel: Bei der Sternfahrt über den Planeten haben seine Steuermänner Michael Schumacher und Nico Rosberg neben den Titeln binnen zwei Jahren mit Speed und Sympathie jede Menge Kunden zu werben.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Was zum Wohle des Unternehmens, des kritischen Betriebsrates und vielleicht der Nation geschehen soll. Denn dem ganzen Projekt verpasste Zetsche vor dem Hintergrund des matt silbern schimmernden Boliden und der deutsch-deutschen Besatzung rhetorisch eine neue nationale Lackierung: „Schwarz, Rot, Silber.“

          Die „Nationalmannschaft des Motorsports“ gegen den Rest der Welt? Zetsche bekam zwar die Kurve mit der Umarmung des britischen „Superhirns“ Ross Brawn als Organisationschef des englischen Konstruktionsteams in Brackley. Der korrekte Hinweis auf die „Weltauswahl“ aber konnte englische Reporter nicht mehr davon abhalten, in Stuttgart Kriegsvokabular zu verwenden. Zumal mit Nick Heidfeld ein dritter Deutscher zum Team stoßen wird, als Ersatzpilot.

          Fotografen und Kameraleute drängten sich bei der Präsentation von Rennwagen und Team

          Zu feindlichen Handlungen wird es wohl nicht kommen. Aber die Fahrerpaarungen in den Rennställen versprechen eine besondere Spannung. Da mochten Rosberg und Schumacher noch so sehr von der Verpflichtung sprechen, gemeinsam im Interesse des Teams Gas zu geben. Gemein ist den Piloten allein die Lust auf eine Tour mit krönendem Solo: „Wir haben alles, um ganz vorn sein zu können“, sagt Schumacher, „sorry, natürlich habe ich ein Ziel, eine Mission. Ich will Weltmeister werden.“

          Neustart und Rückkehr

          Nico Rosberg will das auch. Er sagte es nur nicht so offen. Stattdessen plant der 24 Jahre alte Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke Rosberg, im Windschatten Schumachers Anlauf zu nehmen. Wenn der Weltstar aus Kerpen den Ansturm der Medien zu parieren hat. In Stuttgart berichteten 250 Journalisten aus aller Welt vom Neustart der Schwaben und der Rückkehr des „verlorenen Sohnes“ zwanzig Jahre nach seinem (vorerst) letzten Sieg in einem Mercedes. Dieses Interesse könnte Schumacher bremsen, so wie es ihm 2006 letztlich die Lust verdarb, seine Karriere bei Ferrari noch einmal zu verlängern. „Ich kann mich dann auf die Arbeit konzentrieren“, sagt Rosberg zu diesen Aussichten, „und möglichst Rennen gewinnen.“

          Vom Beifahrersitz ans Steuer? In Zetsches Nationalmannschaft, erklärte der Daimler-Boss feierlich, sind alle „gleichwertig“. Der siebenmalige Champion aber schien am Montag ein bisschen gleichwertiger. Im ersten Werbespot tauchte Schumacher am Steuer eines roten (!) Mercedes-Sportwagen auf - augenzwinkernd. Der vorgestellte Formel-1-Bolide - ein Jahreswagen in neuer Lackierung - trug die auf Wunsch des Rekord-Weltmeisters getauschte Startnummer drei. Über dem Sitz zeugte der Name des Piloten vom Besitzer: Schumacher. Der stand während der hochoffiziellen Vorstellung des Werksteams lässig mit den Händen in den Hosentaschen seines Overalls vor dem Publikum. Auf dem Kopf trug er eine Kappe mit dem Schriftzug seines Privatsponsors. Ein Privileg. Rosberg trat ohne Kopfbedeckung auf, verschränkte die Arme brav hinter dem Rücken und fand wie auf Knopfdruck die gebotene Nähe zum neuen Arbeitgeber: „Ich war im Museum, phantastisch, das erste Auto war gleich ein Rennwagen.“

          Schumacher zeigt Stärke mit 41 Jahren

          Schumacher liegt die Heldenhistorie selbst im Motorsport ferner. Das erklärte er schon zum Einstieg bei Ferrari 1996 frank und frei. Vom Mythos der Roten wusste er wenig. Renngeschichte schrieb er selbst. Wenigstens 91 Kapitel (oder Rennsiege), die auf Anhieb für eine Sonderrolle im Silberpfeil-Lager sprechen. „Nein, es gibt bei uns keine Nummer eins, das ist auch nicht unser Ziel“, sagt Brawn. Der Brite will die besondere Beziehung zu Schumacher, beide bildeten schon bei Benetton und Ferrari ein kongeniales Duo, „nicht ignorieren“. Die Rolle des Chefpiloten aber muss sich Schumacher erkämpfen: „Die Nummer eins“, sagt der Teamchef, „ist immer der Schnellste. Die Fahrer werden sich positionieren müssen.“

          Sie haben längst damit begonnen. Schumachers durchtrainierte Figur zeichnet sich auf dem silbergrauen Stoff des Overalls ab. Die Halsmuskulatur wirkte kräftiger als noch vor Monaten. Er zeigt Stärke mit 41 Jahren. Und den Geist vergangener Wettkampftage. Bei einem Privattest im GP-2-Rennwagen übte Schumacher akribisch die Zusammenarbeit mit seinen neuen Ingenieuren. Brawn spricht schon wieder vom alten Fahrensmann, reif für 19 Runden auf Qualifikationsniveau, wie vor zehn Jahren. „Ich bin heiß“, sagt Schumacher. „Ich werde versuchen, ihn zu überholen“, kontert Rosberg. Am Montag hat der 17 Jahre jüngere Landsmann schon mal probeweise das Steuer in der Hand gehabt, in der Wasserstoff-B-Klasse von Mercedes. Vom Fleck gekommen ist Rosberg aber nur mit der Hilfe eines Erfahrenen: „Ohne Michael hätte ich ihn nicht starten können.“

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