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Formel 1 : Schumachers ausrangierter Manager

  • -Aktualisiert am

Ohne Durchblick? Willi Weber sucht nach Erklärungen Bild: dpa

Willi Weber darf sich Manager von Michael Schumacher nennen - die Geschäfte aber führen andere. Bislang galt Weber als cleverer Schwabe im Formel-1-Geschäft, seine jüngst ihm zugeschriebenen Aussagen aber stellen dem Kaufmann kein gutes Zeugnis aus.

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          Am Samstag hat das Formel-1-Team Sauber einen neuen Sponsor präsentiert. Das ist in diesen Tagen etwas Besonderes. Der Rennstall steckt nach dem Rückzug von BMW im Neuaufbau, der Bolide kommt eher schleppend über die Runden. Den stockenden Geldfluss spürt selbst Willi Weber am eigenen Leibe. Via „Bild“-Zeitung schilderte der Manager nun eine dramatische Lage am Beispiel eines für den ehemaligen Gastronomen naheliegenden Vergleichs: „Es ist leichter, eine 50 Jahre alte Jungfrau zu finden als Sponsoren für die Formel 1.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Stirnrunzeln im Fahrerlager. Weber, stets im feinen Zwirn mit Einstecktuch unterwegs, galt bislang als cleverer Schwabe im Formel-1-Geschäft. Als einer, der alles für einen „guten Deal“ macht. Seine jüngst ihm zugeschriebenen Aussagen aber stellen dem Kaufmann kein gutes Zeugnis aus. Während Weber am Samstag im fernen Dubai weilte, drehte sich in der Formel 1 die Welt weiter. Die anstehende Verkündung eines nächsten großen Sponsors nach drei Vereinbarungen in jüngster Zeit wollte Mercedes nicht dementieren: Die Deutsche Post wird mit ihrem Logo demnächst auf den Silberpfeil rücken.

          Zu den bisherigen Einnahmen der Stuttgarter seit Bekanntgabe des Formel-1-Einstiegs mit einem eigenen Team im vergangenen November und dem Comeback von Webers erstem Glücksgriff Michael Schumacher gibt es zwar keine offiziellen Angaben. Die Summe aber dürfte das Gehalt des Rekordweltmeisters bereits übertreffen. Diese Einnahmen steigert der Rheinländer unter anderem mit Sponsoren, die er seit der Einrichtung eines Managementbüros unter Leitung von Sabine Kehm in Genf gewonnen hat. Dabei geht es nicht um Kleingeld. Die Schweizer Nobelmarken Jetset und Navyboot prangen auf dem Overall über seinem Herzen. Es ist der gemeinhin teuerste Platz auf einem Rennoverall.

          Erfolgreiches Gespann: Sabine Kehm (r.) hat Schumacher zwei neue Sponsoren verschafft
          Erfolgreiches Gespann: Sabine Kehm (r.) hat Schumacher zwei neue Sponsoren verschafft : Bild: dpa

          In Schwächephasen wird zugestochen

          Wie also kam Weber zum Jungfrauen-Vergleich, warum wurde ein geschäftsschädigender Hinweis gedruckt, das schleppende Geschäft deute auf eine „gewisse Schumacher-Müdigkeit“ hin und „Vettel sei der neue Schumi“? Früher hätte Weber sich eher die Zunge abgebissen, bevor er die Öffentlichkeit auf einen neuen Goldesel außerhalb seiner Reichweite hingewiesen hätte. Am Samstag rotierte er in Dubai, bevor die erste Frage ausgesprochen war: „Mir wurde alles im Mund herumgedreht für diese bösartige Geschichte. Solche Aussagen kommen mir doch nicht über die Lippen. Ich säge doch nicht an dem Ast, auf dem ich sitze“, sagte Weber auf Anfrage. Der Redakteur der „Bild“-Zeitung wies Webers Anschuldigung postwendend zurück.

          Weber ist seit zwanzig Jahren mit der Welt der Formel 1 vertraut. So manches Spiel hat er über die Medien-Bande angestoßen - und gewonnen. „Aber im Moment erscheint er mir sehr weit weg“, behauptet ein Kollege aus der gleichen Branche und lächelt maliziös. In Schwächephasen wird zugestochen. Allerdings hatte sich schon vor dem Winter ein Kontaktverlust angedeutet. Als der Einstieg von Schumacher längst beschlossen war, schien der erste Manager des Rheinländers nicht im Bilde: „Mir persönlich hat Michael nichts davon erzählt, dass zu Mercedes Kontakte in Sachen Fahrervertrag bestehen“, sagte Weber damals. Das war kein Verschleierungsspiel, sondern der erste Hinweis, dass Schumachers Genfer Büro die Federführung übernommen hatte und Weber in die Rolle des freien Mitarbeiters gewechselt war.

          Am Donnerstagabend, nach Webers vermeintlicher Attacke, festigte Schumacher die Hackordnung: „Gewisse Dinge, die er (Weber) zum Beispiel über Sebastian (Vettel) gesagt hat, treffen auch zu. Das andere kann ich nicht ganz nachvollziehen. Sabine (Kehm) ist eigentlich sehr erfolgreich bei der Sponsorensuche.“ Das Signal war deutlich. Die Vermarktung funktioniert auch mit neuem Management.

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