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Formel 1 : Schumachers Angst vor dem Tod

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„Ich habe mich sehr intensiv mit dem Tod auseinandergesetzt” Bild: AFP

Schon nach dem Tod von Senna 1994 hat Michael Schumacher intensiv über ein Karriereende nachgedacht. Bei seinem schweren Unfall 1999 habe er befürchte, sterben zu müssen, sagte der Formel-1-Weltmeister im ersten Interview nach seinem letzten Rennen.

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          Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher hat das Ende seiner glanzvollen Karriere herbeigesehnt und Motivationsprobleme als Grund für seinen Rückzug genannt. „Ich hatte nicht mehr die absolute mentale Kraft, die mich früher zu Höchstleistungen trieb“, sagte der 37 Jahre alte Kerpener in einem Interview mit dem am Freitag erschienenen „SZ-Magazin“. Sein letztes Rennen hatte „Schumi“ am 22. Oktober in Sao Paulo bestritten.

          Schumacher trat der Darstellung entgegen, daß Ferrari ihn zum Abschied gedrängt habe. Teamchef Jean Todt habe noch gehofft, ihn von seiner Entscheidung abzubringen. „Aber Runde für Runde habe ich mich vom Leben als Rennfahrer verabschiedet“, meinte der siebenmalige Champion. Gerade bei Testfahrten sei ihm bewußt geworden, „daß ich im Prinzip die Stunden bis zum Ende meiner Laufbahn herunterzähle“.

          „Wenn du raus bist, bist du raus“

          Einen Rücktritt vom Rücktritt schloß Schumacher kategorisch aus. „Die Formel 1 verändert sich ständig: die Technik, die Motoren, die Regeln, die Pisten. Wenn du einmal raus bist, bist du raus.“ Sein kurzer Auftritt im Film „Asterix bei den Olympischen Spielen“, in dem er einen Streitwagen lenkt, war „vielleicht das letzte Mal in meinem Leben, daß ich ein Rennen gefahren bin“.

          Schumachers schwerer Unfall 1999

          Schumacher hatte beim Großen Preis von Brasilien seinen 250. und letzten Grand Prix gefahren. Seine 16. Saison in der Formel 1 beendete er als Gesamt-Zweiter hinter dem spanischen Weltmeister Fernando Alonso. „Ob er besser war? Ich denke, er hat sich den Titel zumindest verdient“, meinte Schumacher über seinen Renault-Rivalen.

          „In ein Loch fallen, um zu schauen, wie sich das anfühlt“

          Der Deutsche sieht der Zeit nach der Karriere gelassen entgegen. „Ja, ich bin glücklich. Deshalb mache ich mir auch keine Gedanken, was aus mir wird“, sagte er. „Ich will zwar jetzt keinen Bauch ansetzen und dick werden. Aber ich freue mich darauf, einmal keine Verpflichtungen mehr zu haben. Zum ersten Mal nach mehr als 20 Jahren.“ Er möchte „bewußt in eine Art Loch fallen, um mal zu schauen, wie sich das anfühlt“. Beim ersten Saisonrennen 2007 werde er sicher nicht an der Strecke sein. „Wahrscheinlich zu Hause. Da gehöre ich jetzt hin“, sagte der erfolgreichste Fahrer der Formel-1-Geschichte, der mit Frau Corinna und den Kindern Gina und Mick in der Schweiz lebt.

          Schumacher, über den am Freitag ein von ihm autorisiertes Buch mit dem schlichten Titel „Schumacher“ erschien, hielt in dem Interview auch Rückschau auf seine Karriere. Wenn er zurückblicke, denke er als erstes an seinen ersten Titelgewinn für Ferrari. „Japan, 2000. Die Ziellinie. Ich fahre drüber und bin endlich Weltmeister mit Ferrari. Wäre es 2000 wieder schief gegangen, wer weiß, was aus mir geworden wäre!“

          „Ich dachte: Jetzt geht's dahin.“

          Gedanken an ein Laufbahnende kamen bereits nach dem Tod von Ayrton Senna am 1. Mai 1994 in Imola auf. An dem Wochenende war auch der Österreicher Roland Ratzenberger tödlich verunglückt. „Ich habe mich sehr intensiv mit dem Tod auseinandergesetzt und mich gefragt, was mir die Formel 1 und der Rennsport noch bedeuten können.“ Daher sei er auch nicht zu Sennas Beerdigung gefahren, sondern zum Testen. Er sei später allein mit Corinna am Grab der brasilianischen Formel-1-Legende gewesen.

          Bei seinem einzigen schweren Unfall 1999 in Silverstone hatte Schumacher selbst Angst um sein Leben. „Ich habe die Helfer und den Arzt sprechen hören, aber alles wurde leiser. Dazu der nachlassende Herzschlag“, sagte er. „Ich dachte tatsächlich: Jetzt geht's dahin.“

          Mehr geliebt zu werden? „Wer will das nicht?“

          Selbstkritisches war von Schumacher kaum zu lesen. Seine Aktion beim WM-Finale 1997, als er seinen Rivalen Jacques Villeneuve absichtlich rammte, bezeichnete er aber als Fehler. „Wenn es eine Situation in meiner Karriere gäbe, die ich ungeschehen machen könnte, wäre es diese.“ Zu seiner letzten Saison nannte er seinen Ausrutscher in Melbourne und den Zusammenstoß mit Nick Heidfeld in Budapest als Fehler. Sein umstrittenes Parkmanöver in der Qualifikation in Monaco, für das er bestraft wurde, erwähnte er jedoch nicht.

          Schumacher fuhr in der Formel 1 für Jordan, wurde mit Benetton zwei Mal Weltmeister und holte bei Ferrari seit 1996 fünf Fahrer-Titel. Eine Zusammenarbeit mit Mercedes in der Formel 1 scheiterte an McLaren-Chef Ron Dennis. Schumacher habe gemerkt, „daß wir nicht wirklich zusammenpassen“. Mit Mercedes sei alles gut gelaufen, „wir hätten sicherlich einen Weg gefunden“.

          Sein distanziertes Verhältnis zu den Medien und der deutschen Öffentlichkeit erklärte er damit, „daß ich über viele Jahre gemauert und mich abgeschirmt habe. Rennsportfans hatten nie wirklich die Chance zu erkennen, wer denn dieser Schumacher in Wirklichkeit ist.“ Schumacher wünscht sich dennoch, von seinen Landsleuten mehr geliebt zu werden: „Wer will das nicht? Natürlich, ja.“

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