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Formel 1 : Schumacher schweigt

  • -Aktualisiert am

Löst Lewis Hamilton (l.) Michael Schumacher bei Mercedes ab? Bild: dpa

Die Formel 1 tuschelt: Will Mercedes den Rekordweltmeister noch? Lewis Hamilton könnte sein Nachfolger im Silberpfeil werden. Falls der nicht nur Poker spielt.

          3 Min.

          Mercedes hat neue Teile mit nach Singapur gebracht. Ein besonderer Auspuff und eine bessere Aerodynamik sollen dem Formel-1-Boliden auf die Sprünge helfen beim Großen Preis am Sonntagabend. Michael Schumacher hat sich den Testeinsatz angeschaut, in der vergangenen Woche an der Strecke in Magny-Cours beobachtet, wie Nachwuchspilot Sam Bird mit den jüngsten Ideen der Ingenieure über die Runden kam. „Ich wollte sehen, unter welchen Bedingungen die Dinge funktioniert haben, bei welchem Wetter, bei welchen Temperaturen“, erzählte der Rheinländer in Singapur.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mangelnden Einsatz kann man dem Rekordweltmeister kaum vorwerfen. Die Lust ist ungebrochen, die Fähigkeit, vorne mitzufahren, unbestritten. Aber will ihn denn Mercedes noch, falls er 2013 am Steuer bleiben möchte? Schumacher muss Fragen nach seiner Zukunft nicht beantworten. Sie werden wird ihm nicht mehr gestellt, seit er von eisigem Schweigen bis Oktober sprach und seine Absicht kurz mit finsterer Miene stützte. Sein potentieller Nachfolger im Silberpfeil muss sich noch mit Gesten wehren. Genervt winkte Lewis Hamilton in Singapur ab. „Ich will mich nur auf das Rennen konzentrieren“, sagte der Brite. „Nutzen Sie Ihre Zeit für andere Fragen.“

          Der psychologische Vorteil Alonsos

          Nach dem Mehrkampf etwa in der Jagdgemeinschaft mit Kimi Räikkönen (Lotus) und Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel. Sie alle haben noch Chancen, den weit voraus fahrenden Fernando Alonso abzufangen. Sieben Rennen vor dem Ende der Saison führt der Ferrari-Star mit 179 Punkten vor Hamilton (142), Räikkönen (141) und Vettel (140). Ein dickes Polster, das die Hintermänner unter Druck setzt. Die wollen vom psychologischen Vorteil des Spaniers natürlich nichts hören. Aber insgeheim wissen sie, dass er recht hat. „Ich bin wohl der einzige“, sagte Alonso, „der sich einen Fehler erlauben darf.“ Das gilt im Fall Hamilton auch für dessen Touren neben der Strecke. Der Engländer scheint nicht mehr zufrieden mit seinem Haus- und- Hof-Team McLaren. Er hat sich Mercedes angeboten. Ob Hamiltons Offerte vorerst nur als Bluff eines Pokers um bessere Bedingungen eingesetzt wird oder über die Spielrunden zu einem Umstieg führt, ist noch nicht zu erkennen. Aber der Wandel in der Unternehmenspolitik von McLaren lässt sich schon ablesen.

          Oder pokert der 27-Jährige nur?

          Unter dem früheren Teamchef Ron Dennis galten Piloten als Angestellte. Er predigte von der vorrangigen Bedeutung der Maschine für den Menschen und forderte Unterordnung. Dazu gehörte eine vertraglich fixierte Verpflichtung jedes Siegers, seine Pokale abzugeben. Kopien gab es gegen Bares. Dennis ließ keinen Zweifel an seiner Haltung: „Mit unseren Autos werden Fahrer Weltmeister, nicht umgekehrt.“ Als es dem ehemaligen Mechaniker dann auch noch gelang, Hamilton vom begabten Knaben zum Champion zu formen, schien das Werk vollendet. Aber der Ziehsohn schert aus der Spur. Er taucht ständig in den Jet-Set ein, träumt von einem Status als Popstar und vom Leben in der Umlaufbahn der Formel 1. Haarsträubende Fehler haben ihn zwar immer wieder geerdet, so die verschenkten WM-Titel (2007 und 2010) wegen Missgeschicken auf der Piste oder eine bewusste Falschaussage des Champions vor Streckenstewards 2009. Die volle Reife fehlt ihm noch. In Belgien verschickte der impulsive Hamilton geheime Telemetriedaten per Twitter. „In der Regel muss es dafür mindestens eine öffentliche Abmahnung geben“, sagt ein Teamchef. McLaren nahm das Sakrileg mehr oder weniger klaglos hin. Demonstrativer kann man kaum auf die Knie fallen.

          Eigene Marke werden

          Hamilton, berichten britische Medien, schwebten Freiheiten und Chancen vor, die er bei Schumacher entdeckt habe. Von persönlichen Sponsoren auf dem Overall bis hin zu dem Glauben, mit dem berühmten Vehikel des Konzerns zu Weltruhm zu rasen. So wie Schumacher seine Boliden überstrahlte und Alonso bei Ferrari lange vor der „bella macchina“ genannt wird, soll Hamilton im Sinne seines Managements ein unabhängiges Profil entwickeln. „Ich denke, dass Lewis eine eigene Marke wird“, sagt inzwischen auch McLarens Teamchef Whitmarsh und fügt hinzu: „Damit haben wir kein Problem, das finden wir gut.“ Neue Töne aus Woking. Dieser Sinneswandel könnte handfeste Gründe haben. Das Fachmagazin „Autosport“ meldete den Verlust eines Sponsors. Zusammen mit der von 2014 an fälligen Miete für Mercedes-Motoren samt Kers entstehe eine Lücke von 30 Millionen Dollar. Hamilton soll 25 Millionen verlangen, zehn mehr als bislang. Die bekäme er auch bei Mercedes nicht als Garantiesumme. Das Interesse aber ist längst geweckt.

          „Natürlich denken wir über Alternativen und Möglichkeiten nach“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug am Freitag. Die Alternative hätte eine lange Zukunft. Denn mit 27 Jahren steht Hamilton noch eine Dekade auf höchstem Niveau bevor. Seine Abwerbung würde zudem einen Mercedes-Konkurrenten schwächen. Aber das Spiel ist nicht ungefährlich. Dann wer sagt denn, dass der 43 Jahre alte Schumacher sein Glück nicht woanders versucht, völlig unabhängig von Hamiltons Entscheidung? Die Wertschätzung ist jedenfalls ungebrochen, selbst bei Kollegen, die nicht zu den Freunden des Rheinländers zählen: „Im Sauber“, behauptete Alonso, „hätte er drei Rennen gewonnen.“

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