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Formel 1 : Schumacher platt: Der WM-Titel rückt in weite Ferne

  • -Aktualisiert am

Räikkönen feiert seinen ersten Saisonsieg Bild: AP

Kimi Räikkönen beendet in Barcelona im McLaren-Mercedes die Erfolgsserie von Renault mit einem Sieg vor Alonso. "Der Titel ist sicherlich ein bißchen weiter weg, aber nicht so weit, daß ich schon aufgebe", sagte der ausgeschiedene Schumacher.

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          Alle waren sie bei der Siegerehrung hoch oben auf dem Podium: Der König von Spanien, die potentiellen Kronprinzen der Formel 1, Kimi Räikkönen und Fernando Alonso, der Herrscher von McLaren, Ron Dennis und so weiter. Nur der regierende Weltmeister fehlte bei der Abschlußzeremonie zum Großen Preis von Spanien am Sonntag.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Schumacher war, weil erst gebremst und schließlich rausgeworfen durch Reifenschäden, nicht eingeladen zur Champagnerparty der besten drei. Während der McLaren-Pilot Räikkönen seinen ersten Sieg in dieser Saison begoß und die (vorläufige) Ablösung des Seriensiegers Renault mit Alonso als Zweitem vor dem Toyota-Fahrer Jarno Trulli wenigstens still genoß, faßte der siebenmalige Weltmeister die Lage der Dinge Abseits des Trubels zusammen: "Der WM-Titel ist sicherlich ein bißchen weiter weg, aber nicht so weit, daß ich schon aufgebe."

          Ferrari wie eine Verkehrsbremse

          Die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache: Nach fünf von 19 Rennen führt Alonso in der Fahrerwertung mit 44 Punkten vor Trulli (26) und Räikkönen (17). Schumacher liegt auf Rang acht (10), noch hinter seinem Bruder Ralf, der als Vierter im zweiten Toyota seinen Kontostand erhöhte (14). Nick Heidfeld fuhr im BMW-Williams von Startplatz 17 auf den zehnten Platz vor.

          Überlegen fährt der Finne im McLaren-Mercedes vor Alonso im Renault und Trulli im Toyota zum Sieg

          Auf dem "Circuit de Catalunya" kam die Formel 1 mühsam in die Gänge. Weil zwei Minardi beim Start stehen blieben, rollte das Feld nach der Abfahrt zwei Runden hinter dem Sicherheitsfahrzeug im Kreis, bevor es mit dem Trainingsschnellsten an der Spitze, Räikkönen, vor Alonso, Ralf Schumacher, Mark Webber im BMW-Williams und Trulli auf Rang fünf wieder Tempo aufnahm. Der Weltmeister verlor just in dem Moment wieder seinen kurzfristigen Vor-Sprung von Rang acht auf sieben. Juan Pablo Montoya im zweiten McLaren schob sich nach seinem Dreher in der ersten Runde wieder am Ferrari-Star vorbei - und zog als Letzter der schnellen Gruppe davon. Dahinter wirkte der Chefpilot im feuerroten Ferrari wenigstens zehn Runden lang wie eine Verkehrsbremse vor dem zweiten Teil des Feldes.

          Räikkönen: „Es war so einfach“

          Räikkönen brauchte für eine Umrundungen in der Anfangsphase um bis zu drei Sekunden weniger. War dies das neue Bild der Formel 1: Heftige Leistungsschwankungen innerhalb von zwei Wochen, die einen Überflieger wie Ferrari beim Großen Preis von San Marino in Imola schon im nächsten Rennen zu einem Mittelstandsvertreter degradieren?

          Diese Vorstellung hatte sich am Freitag bei der Vorbereitung für den Dauerlauf über rund 300 Kilometer abgezeichnet. Daß es im Qualifikationstraining für eine schnelle Runde nicht reicht (Platz acht für Schumacher), war nicht überraschend. Ferrari bekommt den Pneu von Bridgestone über eine Tour nicht auf die notwendige Temperatur. Warum aber blieb die Scuderia in der Paradedisziplin im Schnitt um 1,5 Sekunden hinter den Schnellsten (McLaren) zurück?

          Im Rennen drehte Räikkönen ziemlich einsam seine Runden. "Es war so einfach", sagte der Finne. Barcelona ist keine Rennstrecke, auf der die Formel 1 ihr Krimi-Potential ausspielen könnte. Aber dieser schön geschwungene, hügelige Kurs ist so eine Art Prüfstrecke für die allgemeine Qualität eines Boliden. Und so trat ein, was McLarens Teamchef Ron Dennis in Imola vor dem Ausfall des führenden Räikkönen wegen einer gebrochenen Antriebswelle vorhergesagt hatte: "In Spanien werden wir viel besser sei." Welche Untertreibung!

          Schumacher: „Es ist noch nicht vorbei“

          Räikkönen deklassierte das gesamte Feld, nahm vor dem ersten Boxenstop in der 25. Runde Shootingstar Alonso fast zwei Sekunden ab und überrundete bis zum Finale elf Piloten, seinen Teamkollegen Montoya eingeschlossen. Renault, Sieger der ersten vier Rennen, jagte nicht etwa die bislang unglückliche, durch technische Defekte und Fahrfehler gebremste deutsch-britische Fahrgemeinschaft. Im Gegenteil. Renault wurde gejagt - wie vor zwei Wochen in Imola von Schumacher. Denn dessen anfängliche Schwerfälligkeit stellte sich als Taktik heraus. Reichlich beladen mit Benzin wie keiner in der Gruppe der ersten Acht, kam der Chefpilot als letzter nach 30 Runden zum ersten Boxenstopp (acht Runden nach Räikkönen). Zuvor trieb er den sich erleichternden Renner zu zwei "schnellsten Runden", reduzierte den Rückstand und kehrte nach dem Service-Aufenthalt als Vierter zurück auf die Piste, hinter Alonso. Als dann noch dessen Teamkollege Giancarlo Fisichella auf Rang zwei wegen eines Frontspoilerschadens zum außerplanmäßigen Halt gezwungen wurde, sahen die Ferrari-Fans ihren Star schon auf dem Podium. "Platz drei war realistisch", sagte Schumacher.

          Zu früh gefreut. Ein Reifenschaden hinten links warf ihn erst aus der Führungsgruppe (45. Runde) und dann aus dem Rennen. Denn gleich nach dem Wechsel des platten Gummis rutschte der Rheinländer mit blockierenden Rädern durch ein Kiesbett. "Da ist das gleiche passierte, nur mit dem Vorderreifen. Ich bin mir nicht bewußt, irgendwo drüber gefahren zu sein." Vielleicht hielten die Pneus die Belastungen nicht aus. In den schnellen Rechtskurven werden die linken Reifen besonders gefordert. Nach der Befreiung aus dem Kiesbett rollte Schumacher zurück in die Box. Feierabend. Mancher sah das als Symbol für das Ende seiner Chancen, 2005 zum achten Mal Weltmeister zu werden. Schumacher widersprach: "Es ist noch nicht vorbei."

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